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23. Oktober 2015, 18:30 Uhr

Keine Satire

BER-Startbahn pünktlich saniert

Sie dachten, der Berliner Pannen-Flughafen kann Sie nicht mehr überraschen? Irrtum. Am BER wurde eine Startbahn saniert - und alles lief wie geplant.

Nach der jahrelangen Pannenserie am Berliner Hauptstadthafen BER ist diese Meldung eine kleine Sensation: Eine Start- und Landebahn wurde saniert - ganz ohne Pannen. Die Bauarbeiten blieben im Zeitplan, und teurer als geplant wurde es nach Angaben der Betreiber auch nicht.

"Alles ist 'in time' und innerhalb des Kostenrahmens geblieben", sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Freitag auf der Nordbahn des alten Schönefelder Flughafens. Diese wird später vom benachbarten BER übernommen, wenn er einmal eröffnet ist. Während der Arbeiten waren die Flugzeuge auf der neugebauten BER-Südbahn gestartet und gelandet, die dafür vorübergehend in Betrieb genommen wurde.

Die genauen Kosten der gut fünfmonatigen Sanierungsarbeiten nannte die Flughafengesellschaft nicht. Die frühere Angabe von rund 50 Millionen Euro bestätigte Mühlenfeld auf Nachfrage mit "Pi mal Daumen".

Der Bau des Hauptstadtflughafens ist zum Inbegriff eines Pannen-Großprojekts geworden. Eigentlich sollte er im Juni 2012 - nach mehreren Verzögerungen - in Betrieb gehen. Wenige Wochen zuvor musste die Eröffnung wegen zahlreicher Baumängel verschoben werden. Seitdem konnten weitere Eröffnungstermine nicht gehalten werden, auch der nun angepeilte Termin im zweiten Halbjahr 2017 ist Experten zufolge gefährdet.

Zudem stiegen die Kosten von den im Jahr 2009 geplanten 2,8 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, dass diese Summe ausreichen wird. In den vergangenen Monaten sorgte die Insolvenz des Bauausrüsters Imtech für Verunsicherung. Gegen drei ehemalige Imtech-Manager und einen Flughafenmanager ist zudem Anklage wegen Korruptionsverdachts erhoben worden.

Zuletzt hatte die Bauaufsicht die Arbeiten am BER-Terminal zwischenzeitlich komplett gestoppt, weil die Statik neu berechnet werden musste.

Am Freitag verbreitete das Management der Flughafengesellschaft Optimismus: Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, das Flughafenprojekt sei auf einem guten Weg. Die Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 bleibe das Ziel. Sicher könne man aber erst im kommenden Frühjahr sein, wenn Nachträge zur Baugenehmigung genehmigt sein sollen. Weitere Hiobsbotschaften könne man nicht gebrauchen, sagte Bretschneider. "Davon haben wir langsam genug."

Lesen Sie hier eine Auflistung der größten BER-Pannen:

fdi/dpa-AFX

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