Beratungs-Hotline Kummernummer für Schweizer Banker

Deutschland und die USA versuchen die Schweiz zur Herausgabe von Kontodaten zu zwingen. Die Schweizer Banker sind so verunsichert, dass ihr Verband ihnen jetzt eine Telefon-Hotline eingerichtet hat, die Antwort gibt auf Fragen wie: Darf ich noch in den Urlaub fahren?
Schweizer Alpen: Telefonhotline für verunsicherte Banker

Schweizer Alpen: Telefonhotline für verunsicherte Banker

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Hamburg - "Kontaktieren Sie den Schweizerischen Bankpersonalverband (SBPV), damit Sie nicht Opfer werden!" So bewirbt der SBPV seinen telefonischen Beratungsservice für verunsicherte Banker. Offenbar fürchten viele Bankangestellte, ein Risiko einzugehen, wenn sie das Land verlassen. Im Streit über Schwarzgeldkonten könnten sie zwischen die Fronten von der Schweiz auf der einen und den USA und Deutschland auf der anderen Seite geraten.

Tatsächlich haben einige Banken auf Druck der USA Mitarbeiterdaten ausgeliefert, der SBPV nimmt das "sehr ernst" und warnt:  "Heute üben die USA auf elf Banken Druck aus - und morgen? Mit Sicherheit gibt es weitere Banken und Länder in Amerika und Asien, die ebenfalls ihre Steuereinnahmen aufbessern möchten." Deshalb hat der Verband jetzt auch die Telefon-Hotline eingerichtet. Seit Montag können sich Bankmitarbeiter über "die möglichen Konsequenzen in Bezug auf die Datenauslieferung" informieren.

Ex-Spitzenbeamter berät verunsicherte Banker

Kompetenz scheint vorhanden zu sein: Für die Beratung ist Rudolf Wyss verantwortlich, bis Ende 2011 Direktor des Schweizer Bundesamts für Justiz und außerdem Spezialist für internationale Rechtshilfe, vor allem mit den USA. Wyss wirft der Schweizer Regierung vor, die Namen jener Banken geheim zu halten, die autorisiert worden seien, Mitarbeiterdaten an die USA weiterzugeben. Die Aussagen von Rudolf Wyss sind deshalb so brisant, weil er als früherer Spitzenbeamter vermutlich Einblick in die Verhandlungen über die Strafverfolgung der USA gegen Schweizer Banker hatte.

Für alle Bankangestellte, die sich unsicher sind, welche Vorsichtsmaßnahmen sie beachten müssen, hat der Bankenpersonalverband jetzt die Hotline geschaltet: "Die Beratung entspricht einem großen Bedürfnis", sagte SBPV-Chefin Denise Chervet "20 Minuten Online". Weil die Hotline erst seit Anfang der Woche laufe, sei es allerdings noch zu früh, Aussagen über die Menge der Anfragen zu machen.

Am besten gleich in der Schweiz bleiben

Wyss beruhigt jene Banker, die nicht in die Vermögensverwaltung amerikanischer Bürger involviert waren, die Steuern hinterzogen haben. "Diese Mitarbeiter können keine Angaben zum Untersuchungsgegenstand machen und müssen weder mit Zeugenvorladungen noch mit Verhaftungen bei Auslandsaufenthalten rechnen", heißt es in einer Stellungnahme für den SBPV.

Diese Mitarbeiter sind dem Experten für internationale Rechtshilfe zufolge keine ergiebigen Informationsquellen. Anders sehe es für jene aus, die als Vermögensverwalter, Finanzberater oder als Anwälte mitgeholfen haben, große amerikanische Vermögen am Fiskus vorbeizuschleusen und im Steuerverschleierungsprozess eine aktive Rolle gespielt haben - zum Beispiel bei der "Mithilfe bei der Gründung von Strohfirmen".

Ganz besonders warnt Wyss Schweizer Offshore-Banker - vor allem Kundenbetreuer mit weitgehender Portefeuilleverantwortung und Geschäftsabschlusskompetenz seien gefährdet. Bankern, die "Kunden in den USA besucht haben und dort Finanzdienstleistungen angeboten" hätten, rät Wyss nicht nur von USA-Reisen ab - sie sollten die Schweiz vorerst gar nicht verlassen.

nck
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