Bericht des Verkehrsministers Ramsauer will Bahn wieder deutscher machen

Verspätete Züge, vereiste Weichen, mangelnde Information der Reisenden - am Mittwoch stellt Verkehrsminister Peter Ramsauer seine Bilanz des Chaos-Winters bei der Bahn vor. Der bislang interne Bericht rechnet schonungslos mit den desaströsen Verspätungen ab und fordert mehr Investitionen im Inland.
Verkehrsminister Ramsauer: "Die DB AG muss ihre Investitionen verstärken"

Verkehrsminister Ramsauer: "Die DB AG muss ihre Investitionen verstärken"

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Peter Ramsauer

Berlin - Die Zahlen, die Verkehrsminister (CSU) den Abgeordneten des Bundestags an diesem Mittwoch präsentieren will, beschönigen nichts. "Das Winterwetter bereitet der Bahn seit Wochen erhebliche Probleme im Nah- und Fernverkehr und insbesondere bei der S-Bahn Berlin", heißt es in dem sogenannten Winterbericht aus seinem Ministerium. "Die Pünktlichkeit im Nahverkehr lag im Monat Dezember bei 77,2 Prozent. Im Fernverkehr sank die Pünktlichkeit im Dezember sogar tageweise unter 70 Prozent."

Bahn

Der Chaos-Winter der hat ein parlamentarisches Nachspiel. Zwar geht es am Mittwoch im Verkehrsausschuss auch um den Flug - und Schiffsverkehr und um die Situation auf den Straßen. Im Zentrum aber steht die Bahn. Ramsauer ist nicht nur unzufrieden mit dem Krisenmanagement. Im Winterbericht fordert sein Ministerium das Unternehmen auch auf, mehr Geld für die Anschaffung von Zügen auszugeben. Die bereits bestellten 14 neuen ICE sollten entgegen den bisherigen Planungen statt auf Auslandsverbindungen in der Heimat eingesetzt werden, heißt es in dem Bericht.

Das Verkehrschaos bei Schnee und Eis hat aus Sicht der Mitarbeiter des Verkehrsministeriums zwei Ursachen, die sich gegenseitig verstärkten: die Witterung und die hohe Nachfrage. Weil das Wetter schlecht war, stiegen viele Reisende vom Flugzeug auf die Bahn um, andere ließen das Auto lieber zu Hause. "Erhebliche Nachfragesteigerungen" bei der Bahn waren die Folge.

Zehn Prozent der Fahrzeuge fehlten zeitweise

"Im Dezember wurden rund eine halbe Million zusätzliche Zugbuchungen verzeichnet, auf den Hauptverbindungsstrecken waren rund ein Drittel mehr Fahrgäste unterwegs als regulär", schreiben Ramsauers Beamte. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt hatte die Bahn selbst mit großen Problemen zu kämpfen und zeigte sich dem Ansturm nicht gewachsen. "Zeitgleich kam es aber im Betriebsablauf zu erheblichen Beeinträchtigungen", so der Bericht.

Vor allem der Hochgeschwindigkeitszug ICE erwies sich einmal mehr als störungsanfällig. Die Höchstgeschwindigkeit der Züge musste zeitweise auf 200 Stundenkilometer reduziert werden, "weil von den Zügen ins Schotterbett herabfallendes Eis zum Aufwirbeln von Schottersteinen und damit zu Fahrzeugbeschädigungen führte".

Reparaturen waren oft erst nach stundenlangen Enteisungen möglich, wegen Schneeverwehungen trafen viele Züge zu spät zur Wartung ein. Die Bilanz: "Als Folge aller verfügbarkeitsbeschränkenden Ursachen fehlten zeitweise über zehn Prozent der Fahrzeuge."

"Ausreichende Reserve an rollendem Material"

Verkehrsministeriums

Die Maßnahmen, die die Bahn zum Teil bereits seit August in Aussicht gestellt hatte, um einen reibungslosen Ablauf im Winter zu garantieren, überzeugen Ramsauers Beamte nicht. Aus Sicht des muss der Staatskonzern schlicht mehr Geld ausgeben.

In diesem Jahr investiere der Bund allein 3,9 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur. "Um einen zuverlässigen Bahnverkehr zu gewährleisten muss jedoch auch die DB AG ihre Investitionen verstärken, vor allem beim rollenden Material", heißt es im Winterbericht. "Daneben müssen die Kapazitäten in den Werkstätten aufgestockt werden. Notwendig ist, dass sowohl im Regionalverkehr als auch bei IC- und ICE-Zügen eine ausreichende Reserve an rollendem Material vorgehalten wird."

Eine erste Maßnahme schlagen Ramsauers Beamte der Bahn gleich vor. "Erste Abhilfe kann hier die Auslieferung von 14 neuen ICE-Garnituren Mitte 2012 schaffen", heißt es im Winterbericht. "Dazu müssten diese allerdings - entgegen der bisherigen Planung - im Inland eingesetzt werden." Es wäre auch ein Symbol: Das Unternehmen, das globaler Dienstleister sein will, würde sich wieder stärker dem Heimatmarkt verpflichtet fühlen.