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18. Juni 2012, 10:46 Uhr

Aktie im Plus

Bericht über Panzer-Deal beschert Rheinmetall Kursgewinne

Der Rüstungskonzern Rheinmetall startet mit Kursgewinnen in die Woche. Zeitweise legte die Aktie mehr als sechs Prozent zu. Hintergrund ist ein Bericht über einen der größten Panzerdeals der bundesrepublikanischen Geschichte.

Frankfurt am Main - Ein Bericht über eine unerwartet große Bestellung von Kampfpanzern durch Saudi-Arabien hat Rheinmetall-Aktien am Montag deutlich verteuert. Der Rüstungskonzern war mit einem Plus von zeitweise mehr als sechs Prozent größter Gewinner im frühen MDax-Handel . Am späten Vormittag notierte die Aktie noch 4,4 Prozent im Plus.

"Bild am Sonntag" hatte berichtet, dass Saudi-Arabien noch viel mehr deutsche Kampfpanzer kaufen will als bisher bekannt - statt 200 bis 300 "Leopard 2" seien es nun 600 bis 800. Mit einem Schätzwert von zehn Milliarden Euro wäre das einer der größten Rüstungsaufträge für die Bundesrepublik, berichtete die Zeitung. Der Vertrag über eine erste Tranche von rund 300 Panzern sei unterschriftsreif.

Ein Börsianer sagte: "Das ist klar positiv für die Stimmung für Rheinmetall-Aktien, auch wenn die Zustimmung der Politik noch fehlt." Zudem sei wohl nicht vor 2014 mit einem Umsatz- und Ergebnisbeitrag zu rechnen.

Die Bundesregierung äußerte sich auf Anfrage nicht. Sprecher verwiesen auf den Geheimnisschutz für Rüstungsgeschäfte, über die im geheim tagenden Bundessicherheitsrat entschieden wird. Es hieß aber auch, es liege keine Exportanfrage vor.

Grünen-Chefin Roth: "Verhöhnung des Arabischen Frühlings"

Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien sind wegen der Menschenrechtslage in dem autoritär regierten arabischen Land und seiner Nachbarn wie Bahrain besonders umstritten. Die Opposition wirft der schwarz-gelben Koalition vor, vom Grundsatz abzurücken, in Spannungsgebiete keine Kriegswaffen zu liefern.

Der Bundessicherheitsrat habe sich laut "Bild am Sonntag" Anfang Juni mit dem Panzer-Deal beschäftigen wollen, die Sitzung aber verschoben. Ohne Zustimmung des Gremiums, dem Kanzlerin Angela Merkel und mehrere Minister angehören, darf deutsche Rüstungstechnik nicht exportiert werden.

Grünen-Chefin Claudia Roth bezeichnete den möglichen Deal als "gesetzwidrig". Er sei zudem "eine zynische Verhöhnung der mutigen Menschen, die im Arabischen Frühling für Demokratie und Menschenrechte gekämpft haben".

cte/Reuters/dpa

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