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28. Mai 2019, 15:18 Uhr

Tabakkonzern

Philip Morris beendet Produktion von Zigaretten in Berlin

Philip Morris spricht von einem "veränderten Konsumentenverhalten": Der Tabakkonzern will ab 2020 keine Zigaretten mehr in Berlin produzieren. Fast tausend Arbeitsplätze werden abgebaut.

Der Tabakkonzern Philip Morris hat angekündigt, in seinem Werk mit 1050 Beschäftigten in Berlin keine Zigaretten mehr herzustellen. "Die Veränderung des Konsumentenverhaltens erfordert eine deutliche Reduzierung der Produktionskapazitäten", sagte Philip-Morris-Manager Mark Johnson-Hill.

Die Produktion soll demnach zum 1. Januar 2020 eingestellt werden. Nach Unternehmensangaben soll es für etwa 950 Mitarbeiter "faire und sozialverträgliche Lösungen" geben. Rund 75 Jobs sollen am Standort verbleiben, weitere 25 Arbeitsplätze sollen nach Dresden und Gräfelfing verlagert werden.

Gewerkschaft protestiert

Philip Morris erklärte, der Absatz von versteuerten Zigaretten gehe in Europa zurück. Es gebe erhebliche Überkapazitäten. Daher solle die Zigarettenproduktion in Berlin eingestellt werden.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) protestierte: "Das Werk Berlin von Philip Morris arbeitet hochprofitabel, schreibt seit Jahren schwarze Zahlen." Philip Morris handle sozial unverantwortlich. Die Entscheidung sei getroffen worden, ohne Alternativen zu prüfen, wie trotz sinkender Nachfrage innovative Lösungen zum Erhalt der Arbeitsplätze in Berlin gefunden werden könnten.

Das Hauptgeschäft von Tabakkonzernen schrumpft schon länger, weil immer weniger klassische Zigaretten geraucht werden. Der US-amerikanische Marlboro-Hersteller Altria hatte zuletzt für knapp 13 Milliarden Dollar einen 35-Prozent-Anteil an der E-Zigaretten-Firma Juul gekauft und bekanntgegeben, in großem Stil beim kanadischen Cannabisproduzenten Cronos einzusteigen.

apr/dpa/AFP

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