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31. Januar 2013, 06:59 Uhr

Pannen-Airport

Früherer Fraport-Chef soll Berliner Flughafen leiten

Ein neuer Chef für den Berliner Pannen-Airport ist offenbar gefunden. Wilhelm Bender, der frühere Leiter des Frankfurter Flughafens, soll laut einem Zeitungsbericht die Geschäfte am BER übernehmen.

Berlin - Chef des Berliner Flughafens zu sein, ist derzeit wohl einer der undankbarsten Jobs in der Bundesrepublik. Zugleich lässt sich nach den vielen Pannen und Verschiebungen des Eröffnungstermins alles nur noch besser machen - und das soll Wilhelm Bender tun. Der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport soll neuer Chef des BER werden, schreibt die "Bild"-Zeitung auf ihrer Internetseite.

Der Manager kenne sich mit Großprojekten aus. Der Aufsichtsrat habe ihm ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Er soll Nachfolger des bisherigen Flughafenchefs Rainer Schwarz werden, der wegen des Desasters um schwere Baumängel Mitte Januar entlassen worden war.

Schwarz wird maßgeblich für die mehrfach geplatzte Verschiebung des Eröffnungstermins verantwortlich gemacht. Der seit 2006 amtierende Manager war immer stärker unter Druck geraten, nachdem die zuletzt auf 27. Oktober verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens geplatzt war. Vor allem der Bund als Mitgesellschafter hatte massiv auf eine Ablösung gedrängt.

Ein Sprecher des Berliner Flughafens sagte am Mittwochabend zu der möglichen Ernennung Benders: "Dazu äußern wir uns nicht." Nach Informationen der Zeitung hat sich Bender bis zum Wochenende Bedenkzeit erbeten. Er ist derzeit Aufsichtsratschef beim Fußball-Erstligisten Eintracht Frankfurt und Vorsitzender des Europa-Aufsichtsrats von Bombardier.

Korruptionsermittlungen bei Flughafenbau

Die Kosten für das Prestigeprojekt in Schönefeld haben sich seit Baubeginn 2006 von zwei Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Weitere Mehrkosten sind zu erwarten, weil die Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Der neue Eröffnungstermin soll erst in einigen Monaten feststehen. Technikchef Horst Amann erwartet, dass es bis zur Eröffnung noch zwei Jahre dauern kann. Ein Termin im Herbst 2014 sei nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten.

Im Zusammenhang mit dem Bau befinden sich zwei Männer wegen Korruptionsverdachts in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin, landesweit zuständig für derartige Verfahren, ermittelt schon seit 2010 gegen die Chefs des Märkischen Abwasser-Zweckverbandes und eines Rohrleitungsbau-Unternehmens. Nun bestand jedoch Verdunklungsgefahr, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Die Männer sollen versucht haben, Beweise zu manipulieren. Darum wurde Haftbefehl erlassen. Dem Bericht zufolge soll in Kürze Anklage erhoben werden.

Gegen den Verbandschef wird wegen Bestechlichkeit ermittelt, gegen den Unternehmer wegen Bestechung. Der Rohrleitungsbau-Betrieb hat für den Verband die Trink- und Abwasserleitungen am Flughafen verlegt - ein Millionenauftrag. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin vermutet, dass die Auftragsvergabe des Verbandes an die Firma manipuliert war. Im Gegenzug soll die Baufirma einem Verantwortlichen des Verbandes Geld oder andere Vorteile gewährt haben. Im Mai 2010 hatten Fahnder des Landeskriminalamtes Büros und Privathäuser der Männer durchsucht.

yes/dpa

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