Kritik an Arbeitsbedingungen Berliner Start-Up Foodora verlässt Australien

Seit Monaten häuft sich in Australien die Kritik am Berliner Essenslieferanten Foodora. Ein Regierungsbeauftragter verklagte das Unternehmen sogar. Nun will sich Foodora auf andere Märkte konzentrieren.
Foodora-Mitarbeiter

Foodora-Mitarbeiter

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Der Berliner Essenslieferdienst Foodora zieht sich aus Australien zurück. Als Begründung gab Foodora lediglich an, das Unternehmen wolle sich auf andere Märkte konzentrieren, wo man "bessere Chancen auf Wachstum" sehe. Das Start-up steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Fahrer in Australien in der Kritik. Der Regierungsbeauftragte für faire Arbeit hat das Unternehmen sogar verklagt.

Bis zum 20. August werde Foodora seine Dienstleistung in Australien eingestellt haben, teilte das Unternehmen mit. Die 2014 gegründete Berliner Firma war bereits 2015 in Australien gestartet, sie machte dort Deliveroo und Uber Eats Konkurrenz. Kunden können über das Internet Essen in einem Restaurant bestellen und ein Kurier bringt es dann zu ihnen nach Hause.

Im Juni verklagte der Fair Work Ombudsman das Unternehmen als Vertreter von drei Angestellten. Der Regierungsbeauftragte wirft Foodora vor, australische Gesetze missachtet zu haben, weil es die Mitarbeiter als Scheinselbstständige beschäftigt habe. Sie seien de facto Arbeitnehmer und als solche unterbezahlt.

Ein Test für die Gig Economy?

Das Verfahren soll dem Ombudsmann zufolge ein Test dafür sein, ob sich Rechte für Beschäftigte der sogenannten Gig Economy durchsetzen lassen. Unternehmen der Gig Economy (das englische gig bedeutet so viel wie Auftritt) vergeben kurzfristig kleine Aufträge an unabhängige Freiberufler.

Die australische Verkehrsgewerkschaft teilte mit, Foodora ziehe sich aus dem australischen Markt zurück, um nicht "Verantwortung" übernehmen und Kurieren "Millionen" an vorenthaltenen Löhnen zahlen zu müssen.

Die Gewerkschaft hatte im März angekündigt, sie werde zwei Kündigungen vor das höchste australische Arbeitsgericht bringen. Foodora habe die Fahrer unberechtigterweise entlassen. Einer der beiden, Josh Klooger, sagte dem Sender ABC, er vermute, er sei gefeuert worden, weil er öffentlich über seine Bezahlung und die Arbeitsbedingungen gesprochen habe. Foodora hatte erklärt, das Unternehmen werde sich vor Beginn der Verfahren nicht dazu äußern.

Einen Insiderbericht zu Arbeitsbedingungen bei Start-Up-Unternehmen lesen Sie hier .

ans/AFP