Bernhard Mattes Deutschlands oberster Autolobbyist legt sein Amt nieder

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie hört zum Jahresende auf. Er war zuletzt stark in die Kritik geraten.

Bernhard Mattes
Christophe Gateau / DPA

Bernhard Mattes


Bernhard Mattes ist erst seit März 2018 Präsident des VDA, des wichtigsten Verbands der deutschen Automobilindustrie - jetzt scheidet er schon wieder aus dem Amt. Mattes werde sich neuen Aufgaben zuwenden, teilte der VDA mit. Zu den Gründen wurde zunächst nichts bekannt.

Nach SPIEGEL-Informationen stand Mattes zuletzt zunehmend in der Kritik. Es gebe "Defizite in der politischen Unterstützung" für die Industrie, hatte ein hochrangiger Automanager gesagt. Der VDA verkaufe sich unter Wert.

Kritiker werfen Mattes mangelnde Vernetzung vor

Kritiker hielten Mattes vor, er sei nicht eng genug mit den Entscheidungsträgern in Berlin und Brüssel vernetzt. Gerade jetzt, wo die Politik die Klimaziele verschärfe, brauche die Autoindustrie eine stärkere Stimme.

Die Autoindustrie befindet sich derzeit in einem grundlegenden Wandel, hin zu mehr alternativen Antrieben wie der Elektromobilität. Die Hersteller sind zudem wegen strengerer EU-Umweltvorgaben unter Druck. Für den Umbau werden Milliarden benötigt. Zugleich wird aus Klimaschutzgründen die Kritik immer lauter an schweren Sportgeländewagen (SUV), die aber eine hohe Rendite abwerfen.

Mattes hatte sich auf der IAA gegen eine Verschärfung der bereits geltenden Klimaziele gewandt.

ssu/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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weirich.bernd 12.09.2019
1. Na ja
Auch wenn ein Oettinger kommt, wird es für die Autoindustrie nicht besser. Die Probleme sind alle selbstgemacht. Antriebstechnik aus dem vorletzten Jahrhundert, viele Modelle die niemand braucht, zu wenig für F+E aufgewendet, immer nur auf schnellen Verdienst hin entwickelt, Abgasskandal etc.. Wenn sich da nichts ändert, kommen die an Kundenbedürfnissen und Umweltschutz orientierten, zukünftigen Modelle nicht mehr aus Deutschland. Ein Oettinger hilft nur dabei, weiter Zeit zu verlieren. Schade, dass sich dieser Industriezweig zurück entwickeln wird.
fred_m 12.09.2019
2. Rückwärtsgang
Die Taktik der Industrie ist klar: wenn man nur kräftig genug gegen die Zeiger der Uhr drückt, dann werden die guten alten Zeiten vollautomatisch zurückkehren. Und die gute Nachricht aus der GroKo lautet zusammengefasst: "weiter so !".
Doppeler 12.09.2019
3. Was denn noch?
Die Politik macht sich doch schon zum Erfüllungsgehilfen der KFZ-Industrie: Mutti sorgt höchstpersönlich dafür, daß Brüssel geplante Abgaswerte aufweicht, der Verkehrsminister gilt als oberster Lobbyist dieser Industrie und macht sich zum Mittäter durch Unterlassen an den millionenfachen Abgasbetrügereien, der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes, der die KFZ-Industrie überwachen soll, verschickt mit Steuergeldern Werbebriefe und unterzeichnet "mit industriefreundlichen Grüßen", tagtäglich wird noch mehr Landschaft mit Autobahnen und anderen Straßen zubetoniert, weltweit nirgendwo - außer in Nordkorea - darf so gerast werden wie bei uns...Wie wäre es, wenn der Verband der KFZ-Industrie sich einmal dafür einsetzt, daß die Industrie wenigstens die geltenden Gesetze einhält und an der Verkehrswende mitarbeitet? Dann bestünde auch die Chance, wieder Ernst genommen zu werden.
HARK 12.09.2019
4. Lobby kommt nicht mehr durch?
Hhmm, vielleicht hat die Politik ja doch mal den Schuss gehört - und behandelt die Auto-Lobbyisten als das, was sie sind: Lobbyisten, deren Stimme man hört, aber deren Agenda man sich nicht zu eigen macht. Dass das aus Sicht der Autoindustrie einer Majestätsbeleidigung gleich kommt, ist schon klar. Ob irgend jemand den Oettinger aber ernster nimmt? Unterm Strich also eine positive Entwicklung.
stiller-denker 12.09.2019
5. Das bisherige "Auto-System" funktioniert nicht mehr !
Spätestens im Jahr 2030 wird man feststellen, daß ein "weiter so" mit schweren Fahrzeugen, viel PS und hohem Verbrauch den CO2-Ausstoß nicht senken wird. Der Kauf von Fahrzeugen mit teurer und schwerer Batterien hilft nicht, da der CO2-Ausstoß des E-Anteils ja pauschal mit 0g CO2 veranschlagt ("schön gerechnet") wird. In Wahrheit entstehen aber z.Zt. bei 1kW/h Strom aus einer "Durchschnitts-Steckdose" 474g CO2, dies entspricht je nach Modell ca. 78 bis 84g CO2 pro gefahrenen Kilometer. Bei Hybriden kommt dann noch der Verbrenner-Anteil hinzu. Ab 2025 ist der Grenzwert allerdings 95g - 15 Prozent = 81g CO2, für das Jahr 2030 sogar 95g - 37,5 Prozent = 59g CO2. Was nützt es also, wenn ich 2019 ein Auto mit einem absurd niedrigen CO2-Wert auf dem Papier kaufe (moderner Ablasshandel?), dieses aber dann in der CO2-Bilanz beim Haushaltsstrom auftaucht? Die Autos von heute sind 2025 unverkäuflich (Batterie platt, zu hoher "ehrlicher" Energieverbrauch, zu schwer, Fahrverbote, autonomes Fahren steht an). Wir brauchen leichtere Autos und viel !!! mehr erneuerbare Energien, um den Strommix zu verbessern und um "überflüssigen" Strom zur Wasserstoff-Produktion zu haben. Bernhard Mattes hat wahrscheinlich nicht daran gearbeitet, die EU-Beschlüsse vom Dezember wieder aufzuweichen. Vielleicht ist ja jetzt Dobrindt an der Reihe? :D
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