Strategieschwenk Bertelsmann plant milliardenschwere Wachstumsoffensive

Internationaler und digitaler will Europas größter Medienkonzern werden. Dazu will Bertelsmann rasch wachsen, der Umsatzanteil in Schwellenländern soll verdoppelt werden. Dafür schließt der neue Chef Thomas Rabe den Verkauf von Konzernteilen nicht aus.


Gütersloh - Der neue Bertelsmann-Chef Thomas Rabe geht mit Europas größtem Medienkonzern hart ins Gericht. "Wir haben ein Wachstumsproblem", monierte der Manager am Donnerstag auf einer Strategiekonferenz mit 500 Führungskräften. Um dies zu ändern, müssten die bestehenden Geschäfte umgebaut und gleichzeitig neue Geschäfte aufgebaut werden.

Für die Wachstumsoffensive benötige der Konzern zusätzliches Eigenkapital in Milliardenhöhe, sagte Rabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es gebe viele Optionen für eine Kapitalaufnahme. Dazu zähle auch, Teile von Tochtergesellschaften zu verkaufen. Bertelsmann ist unter anderem mehrheitlich an der börsennotierten Senderkette RTL beteiligt.

Ein Börsengang des Medienkonzerns scheint wegen Bedenken der Gründerfamilie Mohn dagegen unwahrscheinlich. "Die Familie möchte Herr im eigenen Haus bleiben", sagte Rabe der Zeitung.

Der Konzernchef will Bertelsmann breiter und internationaler aufstellen. Den Umsatzanteil in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien von heute zwei bis drei Prozent will er in den nächsten Jahren verdoppeln, das Internetgeschäft deutlich ausbauen. "Unser Ziel ist, dass Bertelsmann stärker wachsen wird, sehr viel internationaler sein wird und vor allen Dingen digital führend", sagte Rabe.

Ein verlorenes Jahrzehnt

Der Weckruf ist überfällig. Bertelsmann hat in mancherlei Hinsicht ein verlorenes Jahrzehnt hinter sich - geprägt von Umsatz- und Gewinnrückgängen. Die Entscheidung der Gründerfamilie Mohn, den belgischen Miteigentümer GBL aus dem Unternehmen herauszukaufen, bürdete dem Konzern einen hohen Schuldenberg auf und beschränkte seine strategischen Möglichkeiten.

Im Digitalgeschäft hinkt der Medienkonzern inzwischen weit hinter Konkurrenten wie dem Axel-Springer-Verlag her. Hier will Rabe zur Aufholjagd ansetzen: etwa durch den Ausbau des E-Book-Geschäfts, durch Video-on-Demand-Angebote und mehr digitale Werbevermarktung. Auch im Musikrechtegeschäft, im Bildungsbereich sowie bei Dienstleistungen für E-Commerce-Anbieter und die IT-Industrie sieht der Konzernchef Wachstumschancen.

ssu/dapd/dpa-AFX



insgesamt 3 Beiträge
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albert schulz 13.09.2012
1. Blasen können schmerzhaft sein
Zitat von sysopInternationaler und digitaler will Europas größter Medienkonzern werden. Dazu will Bertelsmann rasch wachsen, der Umsatzanteil in Schwellenländern soll verdoppelt werden. Dafür schließt der neue Chef Thomas Rabe den Verkauf von Konzernteilen nicht aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,855718,00.html
Ein echter Marketingprofi, der weiß wo es langgeht. Vor allem scheint er sich an die eiserne Regel zu halten, daß immer und dauernd Wachstum generiert werden muß, absolut egal wie. Ein feiner Zug.
almabu 14.09.2012
2. Printsparte adieu?
Knappe Ergebnisse, Ausgliederung, VERKAUF?
albert schulz 14.09.2012
3. Ökonomie
Zitat von almabuKnappe Ergebnisse, Ausgliederung, VERKAUF?
Printen bringt nix. Mannesmann hat es doch vorgemacht. Telephone anstatt Stahlproduktion. Bei vermindertem Aufwand Aufwand mehr einnehmen. Werte sind was von übervorgestern. Man muß das Zeug verkaufen (können). Und wenn die Leute nicht mehr lesen wollen oder nur noch ein Bruchteil der Menschheit, muß man eben was machen, was die Leute zu benötigen meinen, wie etwa Eierphone. Die Verdummung marschiert, weil die Ökonomie verlangt, daß man viel verkaufen muß an viele. Die werthaltigen Dinge werden unverschämt teuer werden oder erst gar nicht mehr produziert werden. Einfach mal den Einzelhandel in seinen Veränderungen beobachten. Die Situation der Verlage ist brutal, und auch die Konzentration im Verlagswesen und die Reduktion aller Sparten, die überaus personalintensiv ist. Die Presse berichtet über das gewaltige Ausmaß dieser Entwicklungen nur sehr verstohlen.
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