Nein der Familie Mohn Bertelsmann soll nicht an die Börse

Das Thema Börsengang ist beim Medienkonzern Bertelsmann offenbar vorerst vom Tisch. Laut "Handelsblatt" hat sich die Eigentümerfamilie Mohn dagegen ausgesprochen. Stattdessen werde eine höhere Verschuldung akzeptiert.

Bertelsmann-Chef Rabe: Börsengang nicht mehr im Fokus
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Bertelsmann-Chef Rabe: Börsengang nicht mehr im Fokus


Düsseldorf - Bertelsmann soll vorerst nicht an die Börse gehen. "Der Börsengang ist vom Tisch. Die Familie will keinen IPO", zitiert das "Handelsblatt" einen Vertrauten der Eigentümerfamilie Mohn. "Für einen Börsengang fehlt dem Konzern zudem eine kontinuierliche Wachstumsstory." Ein Bertelsmann-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf Äußerungen von Vorstandschef Thomas Rabe. Er hatte bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gesagt, für die Finanzierung der strategischen Stoßrichtungen stünden die erforderlichen Mittel zur Verfügung.

Auf die Frage nach einem Börsengang hatte Rabe aber nur ausweichend geantwortet. Noch im März hatte der Manager erklärt, Bertelsmann könne weitere Gesellschafter aufnehmen "und gegebenenfalls das Unternehmen an die Börse führen".

Doch nun will die Familie Mohn laut der Zeitung Zukäufe mit Eigenkapital und auch Fremdkapital stemmen. Demnach sollen Unternehmensanleihen aufgenommen werden. Dafür würden Liz Mohn und ihr Sohn Christoph eine höhere Verschuldung in Kauf nehmen, hieß es.

Das manager magazin hatte bereits zuvor berichtet, dass die Familie Mohn den Börsengang möglichst vermeiden will. In der aktuellen Ausgabe heißt es zudem, dass Bertelsmann die volle Kontrolle über das Hamburger Verlagshaus G+J, das auch am SPIEGEL-Verlag beteiligt ist, erhalten will. Demnach verhandelt Vorstandschef Rabe derzeit mit Vertretern der Familie Jahr über einen Tausch von deren Anteil am Verlag Gruner + Jahr (G+J) in Höhe von 25,1 Prozent gegen eine Beteiligung an Bertelsmann selbst

Im ersten Halbjahr hatten schwache Werbe- und Anzeigenmärkte in vielen europäischen Ländern Bertelsmann zu schaffen gemacht. Sowohl bei der Fernsehtochter RTL als auch bei der Verlagstochter Gruner + Jahr (G+J) ging der Gewinn zurück. Dass Bertelsmann den operativen Gewinn mit 731 Millionen Euro fast stabil halten konnte, lag vor allem an der Buchtochter Random House. Diese erzielte wegen steigender E-Book-Verkäufe und Bestsellern wie der "Fifty Shades"-Trilogie Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis.

Bertelsmann ist im Umbruch: So soll Christoph Mohn zum Jahreswechsel neuer Chefkontrolleur des größten europäischen Medienkonzerns werden. Der 47-jährige Sohn des verstorbenen Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn löst den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Gunter Thielen ab, der aus Altersgründen sein Amt niederlegt und aus dem Gremium ausscheidet.

Von vielen Beobachtern wurde dies als ein weiterer Schritt gewertet, mit dem die Bertelsmann-Gründerfamilie Mohn ihren Einfluss in dem Unternehmen auch für die Zukunft sichert. Liz Mohn, die Witwe des Bertelsmann-Patriarchen, ist Vorsitzende der Verwaltungsgesellschaft des Bertelsmann-Konzerns. Am Mittwoch hatte G+J-Chef Bernd Buchholz überraschend sein Vorstandsmandat bei Bertelsmann mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

mmq/Reuters/dapd



insgesamt 4 Beiträge
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W. Robert 03.09.2012
1. Extrawurst
Schon praktisch, so eine Stiftung, steuertechnisch gesehen. Wo bleibt da der sonst allgegenwärtige Siggi Pop?
JohannWolfgangVonGoethe 03.09.2012
2. 40 Prozent
Will nicht die EU demnächst eine 40 prozentige Frauenquote in den Vorständen aller BÖRSENnotierten Unternehmen einführen? Ein Schelm der Böses denkt ...
midrange 03.09.2012
3.
Zitat von JohannWolfgangVonGoetheWill nicht die EU demnächst eine 40 prozentige Frauenquote in den Vorständen aller BÖRSENnotierten Unternehmen einführen? Ein Schelm der Böses denkt ...
Unsinn, wenn man sich mal die wirklich erfolgreichen Unternehmen in Deutschland ansieht, damit meine ich eher keine DAX Unternehmen, die von angestellten Managern (das sind i.d.R. keine Unternehmer) geführt werden, wird man ganz vorne eigentümergeführte oder Aktiengesellschaften weitgehend in Familienbesitz finden. Denn nur das garantiert langfristige Planung und Entwicklung ohne Einfluß von gierigen Investoren und Analysten, die kein wirkliches Interesse am Unternehmen haben, sondern nur Kohle 'rausziehen wollen. Viele andere ehemalige Vorzeigeperlen der deutschen Industrie sind verschwunden, zugunsten der Gewinnmaximierung von Investoren und Banken zerschlagen und klein gemacht. Wenn die Familie Piech jetzt vorhat, den VW Konzern von der Börse zu nehmen, kann ich dazu nur applaudieren. Aber Sie haben recht, die albernen Quotenregelungen werden den Niedergang börsennotierter Unternehmen beschleunigen, nur dass dies vermutlich kein Beweggrund für die Familie Mohn ist.
janne2109 03.09.2012
4. ...............
is nicht die Nachricht wert, das war schon der Grund weshalb Middlehoff gehen mußte
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