Beschluss des Bundestags Telefon-Warteschleifen werden kostenlos

Telefon-Hotlines sind ein Ärgernis, wenn man lange warten muss. Nun soll die Wartezeit die Kunden wenigstens nichts mehr kosten. Der Bundestag hat ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Trotzdem sind Verbraucherschützer erzürnt - wegen einer weiteren Neuregelung im Telekommunikationsrecht.
Call-Center-Mitarbeiterin: Künftig müssen die Kunden für Warteschleifen nichts mehr zahlen

Call-Center-Mitarbeiterin: Künftig müssen die Kunden für Warteschleifen nichts mehr zahlen

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Berlin - Für das Warten teuer bezahlen - diese gängige Praxis bei vielen Telefon-Hotlines soll bald der Vergangenheit angehören: Verbraucher sollen künftig für Warteschleifen nichts mehr zahlen. Der Bundestag hat am Donnerstag eine entsprechende Reform des Telekommunikationsrechts beschlossen. Demnach dürfen Unternehmen für die Wartezeit vor Beginn eines Gesprächs keine Gebühren mehr verlangen.

Allerdings gilt für diese Regelung ein Jahr lang nach Inkrafttreten des Gesetzes eine Übergangsfrist. Demnach müssen in diesem Zeitraum die ersten zwei Minuten zwar kostenlos sein, danach dürfen die Unternehmen für Warteschleifen aber dann doch kassieren.

Konkret dürfen Warteschleifen nach dieser Übergangsfrist nur noch bei kostenlosen Service-Nummern oder bei Nummern mit einer normalen Ortsvorwahl eingesetzt werden. Gestattet sind Schleifen auch, wenn für den gesamten Anruf ein Festpreis gilt oder das angerufene Unternehmen die Kosten dafür trägt. Außerdem müssen Kunden über ihre voraussichtliche Wartezeit informiert werden.

Zudem beschlossen die Abgeordneten eine ganze Reihe weiterer Regelungen für Telefon- und Internetkunden: Die Bundesnetzagentur darf demnach überprüfen, ob die Anbieter schneller Internetanschlüsse die versprochene Geschwindigkeit einhalten. Wer seinen Telefonanbieter wechselt, soll künftig zudem höchstens einen Tag ohne Anschluss dastehen. Nimmt ein Verbraucher seine Rufnummer zum neuen Anbieter mit, darf diese ebenfalls höchstens einen Tag nicht erreichbar sein. Auch wer umzieht, wird künftig bessergestellt.

Allerdings hat das reformierte Gesetz aus Verbrauchersicht auch einen großen Haken: Der von Unionsabgeordneten geforderte verpflichtende Ausbau von Breitband-Internetverbindungen fürs flache Land wurde gekippt. Offenbar hat sich die FDP hier mit ihrer Forderung durchgesetzt, die Verpflichtung aus dem Gesetz zu streichen und den Breitbandausbau stattdessen "ohne staatliche Vorgaben" allein durch die Kräfte des Marktes, regeln zu lassen. Für ländliche Gemeinden ohne schnelle Internetverbindungen ist das eine schlechte Nachricht: Die Telekom-Anbieter bauen nur dort gerne aus, wo sie sich kräftige Renditen versprechen.

fdi/chs/dpa/Reuters/AFP
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