Ärger über ausländische Konkurrenz Deutsches Bestattungsgewerbe fordert Staatshilfe

Auch die deutschen Sarghersteller fordern Geld vom Staat. Ihr Geschäft leidet zwar gar nicht unter der Coronakrise - aber sie ärgert der lästige Wettbewerb mit Firmen aus Osteuropa.
Särge in einem Bestattungsunternehmen in Gelsenkirchen

Särge in einem Bestattungsunternehmen in Gelsenkirchen

Foto: Martin Meissner/ AP

Die Störungen des Wirtschaftslebens durch die Corona-Bekämpfung bringen viele Firmen in Schwierigkeiten und lassen Rufe nach Staatshilfen laut werden - und das sogar in Branchen, die gar nicht von der Krise betroffen sind. So etwa im Bestattungswesen: Der Bundesverband für Bestattungsbedarf fordert staatliche Hilfen, um die heimische Fertigung von Särgen und Bestattungswäsche zu fördern. Der Großteil aller in Deutschland verkauften Särge stamme inzwischen nämlich aus dem Ausland.

Demnach wird die gesamte inländische Produktion auf weniger als 200.000 Särge jährlich geschätzt. Dagegen steht der Bedarf von rund 950.000 Sterbefällen pro Jahr. "Für jeden der täglich rund 2600 Verstorbenen wird ein Sarg benötigt - auch bei einer Einäscherung", so der Verbandsvorsitzende Jürgen Stahl. Zwar würden Särge auch in der Coronakrise derzeit "nicht knapp". Allerdings zeige sich, "dass die Lieferketten wie bei allen anderen Waren auch, durch eine globale Pandemie bedroht sind."

Es sei aber "unverzichtbar, alle Verstorbenen zeitnah, hygienisch und würdig zu bestatten", erklärte Stahl. Das spreche dafür, "den Trend der vergangenen Jahre umzukehren und die inländischen Produzenten von Bestattungsbedarf zu unterstützen".

Mittelständisch geprägtes Gewerbe

Dem Verband zufolge gibt es Deutschland noch 15 mittelständische Sarghersteller. Dazu kommen kleinere Betriebe des Tischler- und Schreinerhandwerks, die ebenfalls Särge fertigen. Der weitaus größte Teil aller in Deutschland verkauften Särge wird demnach aus dem osteuropäischen Ausland importiert. Dabei ist Polen mit schätzungsweise zwei Dritteln des Importvolumens das mit Abstand wichtigste Herkunftsland.

"In Osteuropa produzierte und palettenweise gelieferte Massenware hat dem Stellenwert des Sarges in den letzten Jahren stark zugesetzt", kritisierte Stahl. Ein Großteil der Bestattungswäsche komme aus Fernost. Genäht werde "bis auf weniger als zehn deutsche Betriebe in Billiglohnländern".

Zur Stärkung der inländischen Produktion fordert der Bundesverband Bestattungsbedarf nun unter anderem eine Wiedereinführung des Sterbegeldes. Bis Ende 2003 wurden für diese Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung jährlich 800 Millionen Euro eingesetzt.

beb/afp