Bestechungsskandal Sponsoren setzen Fifa unter Druck

Sepp Blatter muss seinen Laden in Ordnung bringen - das fordern Adidas, Visa, Coca-Cola und immer mehr andere Werbepartner des Weltfußballverbands. Der Zorn der Konzerne ist verständlich. Sie selbst kommen mit selbstherrlicher Öffentlichkeitsarbeit nach Fifa-Art schon lange nicht mehr durch.

Fifa-Logo in Zürich: Was war noch gleich Compliance?
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Fifa-Logo in Zürich: Was war noch gleich Compliance?

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Hamburg - So weit ist es schon gekommen mit Sepp Blatter: Er wird mit Richard Nixon verglichen. An den fühlte sich jedenfalls der Markenexperte Harald Jossé erinnert, nachdem der Fifa-Präsident am Montagabend in einer beeindruckenden Mischung aus Arroganz und Aggression erklärt hatte, sein Verband stecke trotz massiver Korruptionsvorwürfe in keinerlei Krise.

Diese Aussage sei genauso kontraproduktiv wie die Ehrenerklärung des früheren US-Präsidenten, sagt Jossé. "Ich bin kein Gauner", hatte Nixon bei einer legendären Pressekonferenz zum Abhörskandal beteuert. "Da wusste jeder: Der Typ hat Watergate verbrochen."

Auch wenn Sepp Blatter selbst von einem Verbandsgericht entlastet wurde: Der Druck auf den Fifa-Chef wächst. Und es sind nicht länger allein Journalisten oder Politiker, die auf Aufklärung des mittlerweile x-ten Fifa-Korruptionsverdachts drängen. Auch große Werbepartner erheben nun gleich reihenweise ihre Stimme.

"Als Fifa-WM-Sponsor beobachten wir die aktuelle Situation sehr genau", heißt es etwa beim Motorenölhersteller und WM-Sponsor Castrol, "und wir erwarten von der Fifa, dass sie diese Probleme korrekt und angemessen löst". Auch ein Sprecher des deutschen Automobilzulieferers und Reifenherstellers Continental Chart zeigen sagt, alle Entwicklungen die dem Profi-Fußball schadeten, könne man "nicht gutheißen". Der WM-Sponsor werde den Sport auch in Zukunft unterstützen, doch "in welcher Form, werden wir zu gegebener Zeit entscheiden".

Noch deutlicher werden Unternehmen, die dem Verband als "Fifa Partner" besonders eng verbunden sind. "Die immer wiederkehrenden Vorwürfe" gegen die Organisation seien "weder gut für das Ansehen des Fußballs noch für die Fifa selbst", sagte ein Sprecher des deutschen Sportartikelherstellers Adidas Chart zeigen. Als "erschütternd und schlecht für den Sport", kritisierte der Getränkekonzern Coca-Cola Chart zeigen die Korruptionsvorwürfe. "Wir erwarten absolut, dass die Fifa die Lage angemessen und gründlich klärt."

Der Kreditkartenkonzern Visa kritisierte, die Lage sei "eindeutig nicht gut für den Sport, und wir fordern von der Fifa, das sie alle notwendigen Schritte zur Überwindung der Bedenken ergreift". Auch die Fluglinie Emirates forderte zügige Aufklärung und zeigte sich "wie alle Fußballfans weltweit enttäuscht".

Das Gegenmodell zu Blatters Krisenmanagement

Auf den ersten Blick mag die geballte Kritik überraschen - schließlich erschließen die Verträge mit der Fifa den Konzernen einen lukrativen Werbemarkt mit bis zu 700 Millionen Zuschauern weltweit. Mit einem Rückzug hat denn auch bislang keines der Unternehmen offen gedroht. Doch der Ärger ist verständlich. Denn eine Haltung wie die von Fifa-Chef Blatter - uneinsichtig und ohne jedes sichtbare Interesse an Aufklärung - können sich die Partner der Fifa schon lange nicht mehr erlauben.

"Noch vor ein paar Jahren hätten sie mit Sicherheit nicht so reagiert", kommentiert Markenexperte Jossé die deutlichen Worte der Konzerne. Doch inzwischen haben sich die meisten Großunternehmen öffentlichkeitswirksam der Korruptionsbekämpfung (Compliance) verschrieben. Kommt es doch zum Skandal, so räumen Unternehmen heute oft schnell Fehlverhalten ein und geloben Besserung - das Gegenmodell zu Blatters Krisenmanagement.

"Die Marke Fifa ist schwer beschädigt", glaubt Jossé, eine Erholung sei nur mit neuer Führungsmannschaft möglich. Zwar werde das Image des Fußball selbst nur begrenzt leiden, da die Fans zwischen den Spielern und mutmaßlich korrupten Funktionären zu trennen wüssten. Das unterscheide die Affäre etwa vom Sexskandal bei der Versicherung Hamburg-Mannheimer, bei der Mitarbeiter des Unternehmens selbst die Beschuldigten waren.

Dennoch hält es Jossé für möglich, dass Unternehmen sich vom Skandalverband Fifa distanzieren. "Es kann sein, dass Coca-Cola sagt, ich will mit denen nicht auf einer Tafel stehen." Falls erst einmal Konzerne ihren Sponsorenvertrag kündigen sollten, drohe eine Kettenreaktion.

Doch bei allen Drohgebärden haben die Sponsoren ein grundlegendes Problem: Während sie selbst von Anteilseignern, kritischen Kunden und Politikern überwacht werden, gibt es für die Fifa keine Kontrollinstanz. So weit geht Blatters Alleinherrschaft, dass er mittlerweile ein Fall für die Antikorruptionsorganisation Transparency International ist, die sich sonst eher um Diktatoren in Entwicklungsländern kümmert. Sponsoren müssten die Fifa künftig schon in der Präambel von Verträgen auf bestimmte Werte verpflichten, empfiehlt Transparency-Vorstandsmitglied Sylvia Schenk im "Handelsblatt".

Bis sich die Dinge beim Fußballverband gebessert haben, könnten sich die Sponsoren mit dem Sarkasmus von Utz Claassen trösten. Der war einst selbst ins Visier der Justiz geraten, weil er als Chef des WM-Sponsors EnBW Chart zeigen mehrere Politiker persönlich zu Fußballspielen einlud. Claassen nahm es gelassen: "Wir sponsern die Fifa-WM nicht wie alle anderen, sondern haben ein Alleinstellungsmerkmal: Gegen uns ermittelt die Staatsanwaltschaft."

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Seite 1
grashalm, 31.05.2011
1. Fifa - Blatter - Trauma
Zitat von sysopSepp Blatter muss*seinen Laden in Ordnung bringen - das fordern Adidas, Visa, Coca-Cola und immer mehr andere Werbepartner des Weltfußballverbands. Der Zorn der Konzerne ist verständlich. Sie selbst kommen mit selbstherrlicher Öffentlichkeitsarbeit nach Fifa-Art schon lange nicht mehr durch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,765983,00.html
Die Fifa gehört per Gerichtsverfahren plombiert. Es kann doch nicht angehen, das Blatter Sepp, den Fussball für sich patentiert, mit Zuhilfenahme von verdeckter Bestechung. Wenn das so weiter geht, werden wir für jedes Foul zusätzlich bezahlen müssen.
onkel hape 31.05.2011
2. Kriminelle Vereinigung!?
Der ganze korrupte, geldgeile Saustall FIFA unter der Führung des mafiösen Blatters ist eine Schande für den Profisport, beschädigt mit seinen kriminellen Machenschaften alle ihn sponsernden Firmen u. muss grundlegend erneuert werden. Übrigens muss man sich fragen, wo bleiben eigentlich staatsanwaltliche/juristische Untersuchungen gegen diese widerliche Institution, die nachweislich seit Jahren mit Schmiergeldern, Bestechung usw. gegen Gesetze verstößt?
konertec, 31.05.2011
3. ...
Zitat von sysopSepp Blatter muss*seinen Laden in Ordnung bringen - das fordern Adidas, Visa, Coca-Cola und immer mehr andere Werbepartner des Weltfußballverbands. Der Zorn der Konzerne ist verständlich. Sie selbst kommen mit selbstherrlicher Öffentlichkeitsarbeit nach Fifa-Art schon lange nicht mehr durch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,765983,00.html
...alter Hut! Wenn ich mich recht erinnere wurden beim Sommermärchen 2006 jene Bäcker verklagt, die Weltmeisterbrötchen im Angebot hatten.
horstma 31.05.2011
4. Mich erinnert
Mich erinnert Blatter an Erich Honecker. Auch der stellte sich immer allein zur Wahl, und auch der erklärte bis zum Schluß, in der DDR wäre alles wunderbar, und gegenteilige Behauptungen wären gezielte Propaganda aus dem Ausland. Vielleicht ist für die FIFA gerade 1989...
plattenboss 31.05.2011
5. Schweiz
Wenn die Schweizer ihre unsäglich Langsamkeit überwinden würden, dann hätten sie schon längst die juristischen Vorraussetzungen schaffen können um die FIFA zur Ordnung zu rufen. Aber über ein entsprechendes Gesetz wird seit Jahren nur geredet. Ob jemand an der permanenten Verzögerung arbeit? Man weiss es nicht. http://www.sport1.de/de/fussball/newspage_319083.html
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