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11. Juli 2011, 13:29 Uhr

Beteiligung

Möglicher RWE-Deal mit Gazprom schreckt Kartellwächter auf

Der russische Energieriese Gazprom hätte es schwer, bei RWE einzusteigen: Kartellamts-Chef Andreas Mundt hat Bedenken gegen eine mögliche Beteiligung am deutschen Dax-Konzern geäußert. Die Bundesregierung gibt sich gelassener.

Düsseldorf/Berlin - Peilt der russische Energiekonzern Gazprom eine Beteiligung am deutschen Dax-Unternehmen RWE an? Ein entsprechender SPIEGEL-Bericht schreckt die obersten Wettbewerbshüter in Deutschland auf. "Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, am Montag.

Auf Bedenken beim Kartellamt könnte die Tatsache stoßen, dass Gazprom in Deutschland bereits mit BASF die Gashandelstochter Wingas betreibt. Mit einem Zugriff auf RWE würden die Russen ihre Marktmacht hierzulande deutlich ausbauen.

Am Freitag hatte sich RWE-Chef Jürgen Großmann in Paris mit Gazprom-Chef Alexej Miller getroffen. Dabei ging es nach SPIEGEL-Informationen nicht nur um strittige Gaslieferverträge, sondern auch um eine weitreichende Verknüpfung der beiden Unternehmen. Nach dem erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie will Großmann den Energiekonzern neu positionieren. Beim Bundeskartellamt sind die beiden Konzerne aber noch nicht vorstellig geworden. "Wir kennen bislang nur die Spekulationen aus der Presse", sagte Mundt.

Anders als die Kartellwächter sieht die Bundesregierung mögliche Verhandlungen gelassener. Das Wirtschaftsministerium teilte mit, Gazprom stehe es frei, Gespräche über einen Einstieg bei deutschen Unternehmen zu führen. Dabei müssten "kartellrechtliche und außenwirtschaftliche Regeln eingehalten werden", sagte eine Sprecherin von Minister Philipp Rösler. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Entscheidung über mögliche Kooperationspartner falle allein in den Verantwortungsbereich der beteiligten Unternehmen. Russland sei für Deutschland ebenso wie für die EU ein wichtiger Partner im Energiesektor.

RWE-Chef Großmann bleibt nicht viel Zeit

Nach SPIEGEL-Informationen erwägt Großmann, das russische Unternehmen als Ankeraktionär von RWE zu gewinnen. Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern lehnt jedoch einen Kommentar ab. Das Unternehmen erklärte lediglich, mit Gazprom über die Revision der Gaslieferverträge zu sprechen. Der russische Konzern hingegen teilte auf der Website mit, "Gazprom und RWE diskutieren über Kooperationsmöglichkeiten". Dazu veröffentlichte der russische Staatskonzern ein Foto, das Großmann und RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum mit Miller zeigt.

Das Geld aus Moskau käme für RWE genau zum richtigen Zeitpunkt: Der Versorger sucht derzeit dringend Kapital, und Großmann hatte angekündigt, binnen drei Jahren Beteiligungen im Wert von bis zu acht Milliarden Euro zu verkaufen. Inzwischen erwägt er wegen der Belastungen durch den Atomausstieg eine Ausweitung dieses Programms und sogar eine Kapitalerhöhung. Im August soll sich der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung damit beschäftigen. Dem RWE-Chef bleibt nicht mehr viel Zeit: Seine Amtszeit endet in 15 Monaten.

Gazprom gehört zu den größten Gaslieferanten Deutschlands. Mit dem RWE-Konkurrenten E.on baut der Konzern derzeit die Ostsee-Pipeline, die Gas von Sibirien nach Deutschland bringen soll.

yes/Reuters

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