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05. April 2012, 17:09 Uhr

Schlecker-Bieter Walter Droege

Milliardär und Firmensammler

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Fünf "ernstzunehmende" Interessenten stehen offenbar bereit, um Schlecker zu übernehmen. Sie sollen einen dreistelligen Millionenbetrag für die Drogeriekette bieten. Einer von ihnen ist Walter Droege. Der Investor zählt zu den 100 reichsten Deutschen und gilt als Spezialist für Krisenfirmen.

Hamburg - Spätestens Pfingsten soll der neue Eigentümer von Schlecker feststehen: Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat offenbar eine gute Auswahl. Fünf ernst zu nehmende Interessenten gebe es, mit einigen werde er jetzt in die sogenannte Due-Diligence-Phase gehen. Dabei wird den Interessenten Einblick in sämtliche Daten gewährt, die für die Bewertung erforderlich sind.

Über die Höhe der Angebote schweigen bisher alle Beteiligten, als sicher darf aber ein Betrag im niedrigen dreistelligen Millionenbetrag gelten. Allein die Sanierung der übrig gebliebenen gut 3000 Filialen wird Schätzungen aus der Branche zufolge schon 100 Millionen Euro verschlingen.

Der Kaufpreis entscheidet

Wer die fünf Interessenten sind, ist größtenteils unbekannt: Deutsche und ausländische Unternehmen seien darunter, von denen einige bereits Erfahrungen im Handel haben, andere sind reine Finanzinvestoren. Nur ein Name ist bestätigt: Das Beratungs- und Investmentunternehmen Droege International bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass es bereits Gespräche mit dem Schlecker-Insolvenzverwalter führe - und dass man "unter Umständen auch offen dafür sei", die Schlecker-Kinder Meike und Lars "mit ins Boot" zu nehmen.

Die hatten stets betont, dass sie auch nach dem Verkauf möglichst großen Einfluss in dem Unternehmen wünschen. Dafür würden sie auch einem niedrigeren Kaufpreis zustimmen. Der Insolvenzverwalter ignorierte den Wunsch: Ein Sprecher sagte, allein der Kaufpreis sei entscheidend.

FDP-Spender und Uni-Sponsor

Der Chef der Beteiligungsfirma Droege International, Walter Droege, steht seit Jahren auf der Liste der 100 reichsten Deutschen. Dem manager magazin zufolge beläuft sich sein Vermögen auf 1,1 Milliarden Euro. Sein Unternehmen gehört zu den Spendern der FDP - 2009 bekamen die Liberalen 50.000 Euro von dem Mittelständler. Sollte Droege Schlecker tatsächlich übernehmen, wäre das nicht ohne Ironie: Ausgerechnet die FDP war es, an der eine Auffanggesellschaft für die 11.000 entlassenen Schlecker-Beschäftigten gescheitert war. 1988 gründete Droege die nach ihm benannte Unternehmensberatung. Der breiteren Öffentlichkeit in Deutschland blieb er weitestgehend unbekannt.

Für größeres Aufsehen sorgte Droege eigentlich nur mit seinem Rückzug aus Deutschlands größter Privatuniversität Witten/Herdecke vor knapp vier Jahren. Zwölf Millionen Euro über sieben Jahre hatte Droege einst zugesagt - dann aber verlor der Firmenchef offenbar das Vertrauen in die Universität und beendete die Zusammenarbeit.

Seine weitverzweigte Beteiligungsfirma gründete Droege erst im Jahr 2000 unter dem Motto "Umsetzung von Strategien". Das Düsseldorfer Unternehmen hält Beteiligungen in zahlreichen unterschiedlichen Branchen, von der Informationstechnik über erneuerbare Energien bis zum Zeitarbeitsunternehmen.

Langfristige Investitionen ausschließlich mit Eigenkapital

Immer aber steigt Droege dann in Unternehmen ein, wenn sie in besonderen, also in der Regel schwierigen Situationen stecken. Wenn Konzerne aufgespalten werden zum Beispiel oder wenn es Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger gibt. Seine Beteiligung hält Droege in der Regel langfristig, Investitionsschwerpunkte sind mittelständische Betriebe, in denen er noch Wachstumsmöglichkeiten sieht - Schlecker könnte also gut in das Portfolio passen.

Die Drogeriekette mit ihren vermutlich 13.500 verbleibenden Beschäftigten wäre nicht die größte Beteiligung von Droege International. 2011 hatte das Unternehmen die größte Firma für Zeitarbeit in Österreich übernommen, die Trenkwalder International AG mit 70.000 Mitarbeitern. Der Umsatz von Droege International überstieg im vergangenen Jahr sieben Milliarden Euro - der Gewinn lag bei fast 300 Millionen Euro.

Auch für weiteres Wachstum steht der Gruppe ausreichend Geld zur Verfügung: Die Holding ist ohne Kredite finanziert und auf der Bank liegt das Eigenkapital in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro. Für die Übernahme von Schlecker wird das reichen - auch wenn noch vollkommen unbekannt ist, welche Pläne der potentielle Investor für die Drogeriekette hat.

Bei einer ganzen Reihe der Unternehmensbeteiligungen von Droege International sind auch noch Altgesellschafter beteiligt - offenbar sind die Erfahrungen nicht schlecht. Den Schlecker-Kindern dürfte das als Perspektive gefallen.

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