Betrieb bei insolventem TV-Hersteller eingestellt Bei Loewe ist jetzt Schluss

Das Werk in Kronach bleibt von diesem Montag an weitgehend verwaist: Der oberfränkische TV-Hersteller Loewe stellt seinen Betrieb ein. Die meisten der mehr als 400 Beschäftigten erscheinen nicht mehr zur Arbeit.

Ein Bild aus besseren Tagen: Loewe-Mitarbeiter auf Betriebsgelände im August 2013
David-Wolfgang Ebener/ DPA

Ein Bild aus besseren Tagen: Loewe-Mitarbeiter auf Betriebsgelände im August 2013


Seit Jahren steckte Loewe in der Krise, nun ist zumindest vorerst Schluss mit der Fertigung von Fernsehern im oberfränkischen Kronach. Am Montag stellt der insolvente traditionsreiche Hersteller den Betrieb ein. Der Großteil der über 400 Mitarbeiter ist freigestellt und muss nicht zur Arbeit erscheinen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Weiß verbleibt lediglich eine Kernmannschaft von zehn bis fünfzehn Mitarbeitern.

Die verbleibenden wenigen Mitarbeiter sollen in den kommenden Monaten weiter nach einem rettenden Investor suchen. Eine der dringlichsten Aufgaben für den Insolvenzverwalter und den Loewe-Betriebsrat ist nun die Aushandlung eines Sozialplans für die Belegschaft. Weiß hofft eigenen Angaben zufolge, dies bis Mitte Juli abschließen zu können.

Derzeit sind die Mitarbeiter zwar freigestellt und bekommen auch kein Gehalt mehr von Loewe, doch gekündigt worden ist bislang niemand. Das darf erst nach einer Einigung auf einen Sozialplan und Interessenausgleich geschehen. Findet sich kein Investor, könnten die Arbeitsverträge Weiß zufolge längstens bis Ende Oktober gehalten werden.

Streit mit der IG Metall

So lange wird es nach Einschätzung des Insolvenzverwalters selbst für den Fall einer abermaligen Rettung dauern, bis Klarheit besteht. "Wir gehen davon aus, dass wir noch vier Monate für den Investorenprozess brauchen werden", sagte Weiß. "Wir werden alles tun, um jemand zu finden, es gab auch bereits erste Investorengespräche."

Für Loewe ist es die zweite existenzbedrohende Krise innerhalb weniger Jahre. "Loewe hatte schon seit Jahren einen defizitären Geschäftsbetrieb", sagte Weiß. "Alle im Unternehmen sind sich einig, dass die Vergütungsstruktur nicht angemessen ist. Allein um die Personalkosten zu decken, wäre ein Jahresumsatz von 150 Millionen Euro erforderlich, für eine schwarze Null bräuchten wir 180 Millionen Euro Umsatz. Tatsächlich waren es zuletzt 120 Millionen."

Mit der Gewerkschaft gibt es allerdings heftige Auseinandersetzungen. Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Johann Horn wirft der britischen Investmentgesellschaft Riverrock vor, Loewe gezielt neue Kredite zu verweigern. Es deute einiges darauf hin, "dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen", sagte Horn jüngst. Zudem stellte er in den Raum, dass der Investor so drastische Lohnkürzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen durchsetzen wolle.

Postbank spielt wichtige Rolle

Laut IG Metall hat Riverrock Loewe in der Vergangenheit mit einem zweistelligen Millionenkredit über Wasser gehalten, nun aber einen neuerlichen Kredit verweigert. Die frühere Geschäftsführung hat demnach auch den Markennamen Loewe an Riverrock verpfändet.

Der vorläufige Insolvenzverwalter weist diese Vorwürfe zurück: "Die Kritik der IG Metall kann ich nicht nachvollziehen", sagte Weiß. In Anwesenheit der Gewerkschaft seien alle möglichen Modelle für eine Sanierung abgestimmt worden. "Für die Fortführung des Betriebs bis Jahresende hätten wir 5,5 Millionen Euro benötigt, für eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft für alle Mitarbeiter weitere 3,4 Millionen Euro."

Riverrock sei Weiß zufolge bereit gewesen, diese Gesellschaft zu finanzieren - habe das aber von der Entscheidung der Postbank abhängig gemacht, offene Forderungen Loewes zu übernehmen, sie stellvertretend zu bezahlen und sie bei den Kunden einzutreiben. Bislang lehnt die Postbank das ab.

fdi/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
susuki 01.07.2019
1.
Mich wundert das es noch Fernseher gibt? Ein KODI gerät an einem Monitor oder Beamer und 100% der Audio und Audio/Video Quellen sind im Wohnzimmer. Sogar für die heimische Tagesschau existieren für KODI eine Erweiterung, wer auf die Tagesschau nicht verzichten mag.
ralfiboy1963 01.07.2019
2. Traurig aber unvermeidbar.
Machen wir uns doch nichts vor. Loewe hat schon seit dem Ende der Röhrenfernseher keine Chance mehr im umkämpften Unterhaltungselektronik-Geschäft. Bereits 2004 hatte Loewe große Probleme und konnte nur durch einen Einstieg von SHARP gerettet werden. Seither dümpelt die Marke vor sich her. Die letzte Übernahme des Unternehmens war zum Scheitern verurteilt und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Investoren wirklich an einen Erfolg geglaubt haben. Wer die Kernkomponenten der Geräte zukaufen muss, kann niemals den richtigen Preispunkt erreichen- und das Geschäft mit hochpreisigen Produkten ist in Deutschland extrem schwierig. Was mich aber doch wundert ist, wie es möglich war, die Marke aus dem Unternehmen zu lösen - zu einem Zeitpunkt an dem die Pleite bereits abzusehen war. Das hat einen starken Beigeschmack und wird hoffentlich von dem Konkursverwalter genau geprüft. Die Marke ist das Einzige von Wert, was von LOEWE übrig ist. Mir tun die vielen Arbeitnehmer leid, die all die Jahre dem Unternehmen die Treue gehalten haben.
Alter Falter 01.07.2019
3.
Ich komme aus der Region Oberfranken und ich habe einige Loewe Geräte gekauft, nicht zuletzt, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Die TVs waren sicherlich schick, aber Softwareprobleme haben die Benutzung immer wieder getrübt. Als die Displays immer größer und die Ränder immer dünner wurden, haben Loewe TVs auch noch ihren Design-Vorsprung verloren. Irgendwann war es nicht mehr einzusehen, für einen Loewe doppelt so viel zu bezahlen wie für einen technisch vergleichbaren Premium TV von Sony oder Pansonic. Das habe ich dann auch nicht mehr mitgemacht. Schade, aber der Markt regelt das gnadenlos.
vitalik 01.07.2019
4.
Zitat von susukiMich wundert das es noch Fernseher gibt? Ein KODI gerät an einem Monitor oder Beamer und 100% der Audio und Audio/Video Quellen sind im Wohnzimmer. Sogar für die heimische Tagesschau existieren für KODI eine Erweiterung, wer auf die Tagesschau nicht verzichten mag.
Verstehe den Einwand nicht. Punkt 1. Monitore mit einer Bilddiagonale von mehr als 50 Zoll sind teuer und eher selten. Punkt 2. Wo ist der Unterschied zwischen einem 50 Zoll Monitor und einem 50 Zoll Fernsehen, außer dem Empfangsmodul? Und wenn Sie kein Antennenkabel dran machen, gibt es wohl gar keinen Unterschied. Schnittstellen haben wohl beide Geräte. Punkt 3. Was sind bei Ihnen 100%? DVD/Blueray Player inbegriffen?
timtom2222 01.07.2019
5.
Das LOEWE seit den Röhrenfernsehern keine Chance mehr hat ist lächerlich! Ich vertrete auch die Meinung des gezielten Ausverkauf, so läuft das mit Investoren.
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