Betriebskrankenkassen Krankenstand erreicht Rekordwert

So viele Krankmeldungen wie seit 2011 nicht mehr: Zahlreiche Arbeitskräfte schniefen, husten – und müssen zu Hause bleiben. Corona ist dabei nicht das größte Problem.
Davon gibt es gerade besonders viele: Krankschreibungen

Davon gibt es gerade besonders viele: Krankschreibungen

Foto: Jens Büttner / dpa

Der Krankenstand unter den beschäftigten BKK-Mitgliedern hat im ersten Halbjahr 2022 mit 5,7 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht. Nie seien seit 2011 die Fehlzeiten auch nur annähernd so hoch gewesen, teilt der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) mit. In den zurückliegenden Jahren waren die entsprechenden Werte im gleichen Zeitraum mit durchschnittlich 4,17 bis 5,1 Prozent demnach deutlich niedriger ausgeprägt.

Ursächlich für den hohen Wert ist den Angaben zufolge vor allem der sprunghafte Anstieg der Fehlzeiten im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen. Der Wert für das erste Halbjahr 2022 liege mit 1,16 Prozent für solche Krankheiten sogar noch über den 1,02 Prozent von 2018. Damals hatte laut BKK »die bisher schwerste Grippewelle des letzten Jahrzehnts« die Zahl in die Höhe getrieben.

Hohe Fehlzeiten bei normalen Atemwegserkrankungen

Aktuell sei vor allem das zweite Quartal des aktuellen Jahres mit ungewöhnlich hohen Fehlzeiten im Zusammenhang mit normalen Atemwegserkrankungen auffällig. So seien hier mit durchschnittlich 0,96 Prozent mehr als doppelt so hohe Werte im Vergleich zum gleichen Zeitraum in den Vor-Pandemiejahren – 0,41 Prozent bis 0,45 Prozent – feststellbar.

Coronaerkrankungen spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle: Im ersten Halbjahr 2022 waren diese im Durchschnitt gerade einmal für 4,3 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage pro Monat verantwortlich, die allgemeinen Atemwegserkrankungen hingegen mit 20,3 Prozent für mehr als jeden fünften solcher Tage.

Der BKK-Dachverband ist die politische Interessenvertretung von 68 Betriebskrankenkassen und vier Landesverbänden mit neun Millionen Versicherten. »Viel Zeit zum Durchatmen für Beschäftigte und Unternehmen, so wie es die ›Sommerpause‹ in den vergangenen Jahren ermöglicht hat, wird es wohl in diesem Jahr nicht geben«, erklärte der Vorstandsvorsitzende des BKK-Dachverbands, Franz Knieps. Umso wichtiger sei es deshalb, dass spätestens jetzt die notwendigen Vorkehrungen für den kommenden Herbst beziehungsweise Winter getroffen würden. Nur so könne einem weiteren Anstieg des Krankenstands und somit Personalengpässen vorgebeugt werden.

mamk/AFP
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