Nach Betrugsskandal US-Finanzkonzern trudelt in die Pleite

Der US-Finanzbranche droht erneut ein Pleiteskandal: Der Derivatehändler PFGBest musste Insolvenz anmelden, zuvor kam ein Betrug mit Kundengeldern ans Licht. Der Chef der Firma versuchte, sich das Leben zu nehmen.

PFGBest-Chef Wasendorf: Suizidversuch nach Betrugsskandal
REUTERS

PFGBest-Chef Wasendorf: Suizidversuch nach Betrugsskandal


Chicago - Der Fall erinnert an die Pleite des Wertpapierhändlers MF Global: Im Strudel eines Betrugsskandals hat in den USA ein weiterer Finanzkonzern Insolvenz beantragt. Zuvor war aufgeflogen, dass bei PFGBest in großem Stil Gelder hinterzogen wurden. Nun ermitteln die Behörden. Die Finanzaufsicht CFTC reichte vor einem Gericht in Illinois Klage ein. Sie wirft der Firma und ihrem Chef Russell Wasendorf die Veruntreuung von Kundengeldern vor. Das Unternehmen machte demnach falsche Angaben zu seinem Guthaben, mehr als 200 Millionen Dollar seien verschwunden.

Wie bekannt wurde, soll die Peregrine Financial Group (PFG), eine Sparte von PFGBest, über mehr als zwei Jahre mehrere Millionen Dollar Kundenvermögen veruntreut und die Aufsichtsbehörden belogen haben, um die Vorgänge zu vertuschen.

Rund um die Pleite spielte sich auch eine menschliche Tragödie ab: Firmenchef und Mitgründer Russell R. Wasendorf Senior unternahm zu Wochenbeginn einen Selbstmordversuch. Der 64-Jährige wurde am Montag leblos in seinem Wagen gefunden. Er hatte mit einem Schlauch die Abgase in den Innenraum geleitet. Auch ein Abschiedsbrief wurde gefunden. Seinem Sohn stellte er alle nötigen Vollmachten für die Führung der Firma aus.

Das "Wall Street Journal" zitierte den früheren PFG-Beschäftigten Phyl Flynn mit den Worten: "Alle sind weg, es gibt keine Angestellten mehr." Er berichtete von Hunderten Entlassungen bei der Firma. Flynn zufolge liegt Wasendorf nach seinem Suizidversuch in einer Klinik in Iowa. Ein Sprecher von PFG war zunächst nicht zu erreichen.

"Es ist auch völlig unklar, wo das Geld ist"

PFG galt bislang als renommierter Händler von Derivaten, komplizierten Finanzprodukten, die eine Art Wette auf die Entwicklung anderer Wertpapiere oder etwa von Währungen oder Rohstoff-Preisen darstellen. Der Betrug umfasst nach Angaben der US-Aufsichtsbehörde CFTC gut die Hälfte der Kundenkonten. Unter den betroffenen Kunden sind auch zahlreiche ehemalige MF-Global-Kunden, die nach der Skandalpleite dieser Firma ihre Vermögen zu PFGBest transferierten.

Im Oktober 2011 hatte die Pleite des Finanzkonzerns MF Global für Furore gesorgt. Die Firma hatte sich mit Staatsanleihen verschuldeter Euro-Staaten verspekuliert. Auch bei MF Global konnte die Geschäftsführung nach dem Niedergang nicht erklären, wo Kundengelder verblieben waren. Der Betrag bei dieser Firma war aber mit 1,2 Milliarden Euro weit höher als bei PFG.

Experten sagten, die Vorfälle kämen ihnen leider sehr bekannt vor. "Es ist ein Deja-Vu in vollem Umfang", sagte John Roe von der Commodity Customer Coalition. Die Organisation war nach der MF-Global-Pleite eingerichtet worden und soll den geprellten Kunden dabei behilflich sein, ihr Geld zurückzubekommen.

Bei PFG soll die vom Betrug betroffene Sparte auf 1845 Kundenkonten insgesamt 225 Millionen Dollar führen, wie aus Behördenunterlagen hervorging. Tatsächlich sind jedoch diese Woche nur noch fünf Millionen Dollar vorhanden. Firmenchef Wasendorf fälschte ersten Untersuchungen zufolge Unterschriften und simulierte Konten im Schriftverkehr mit den Aufsichtsbehörden. Wie und warum das Geld verschwand, ist bislang unklar. "Es ist auch völlig unklar, wo das Geld ist", teilte die Behörde CFTC mit. Sie wirft der Firma vor, die Kundengelder nicht getrennt von den eigenen Mitteln verwahrt zu haben und mit falschen Angaben gegenüber den Behörden betrogen zu haben.

mmq/Reuters/AFP



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Demokrator2007 11.07.2012
1. Selbstmord ist eine Lösung
Dann muß wenigstens keiner in den Knast. Wenn man hingegen nach Vermögensverlust Hasadeure nach "guter alter Tradition" zur Verantwortung ziehen würde, käme man evtl. später wieder aus dem Knast als diese durch ihre Taten rein, wenn überhaupt. Ciao DerDemokrator P.S. Das soll Sarkasmus sein, nach Meldeamt-, Verfassungsschutz- und heutiger BGH-Mietrechtpleite
alles_wisser 12.07.2012
2. Bankenaufsicht
In USA gibt es eine Bankenaufsicht und trotzdem wird veruntreut und betrogen. Eine Europäische Bankenaufsicht würde das in Europa verhindern können? Wohl eher nicht.
wulffleinwegdich 12.07.2012
3. renommiertes Wettbüro
Zitat Anfang --- PFG galt bislang als renommierter Händler von Derivaten, komplizierten Finanzprodukten, die eine Art Wette auf die Entwicklung anderer Wertpapiere oder etwa von Währungen oder Rohstoff-Preisen darstellen.----Zitat Ende Dieser Satz ist ein Oxymoron. So eine "Firma" nennt man ein Wettbüro. "Renommiert" impliziert bis zu einem gewissen Grad auch Seriösität. Eine Investment Firma die Wetten mit Kundengeldern abschließt ist unseriös. Der Handel mit solchen "Finanzprodukten" fällt in die Rubrik Glücksspiel und gehört weltweit verboten.
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