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15. November 2009, 13:35 Uhr

Betrugsskandal

Neue Geheimkonten bei Heros aufgetaucht

Wird einer der größten Betrugsskandale der Republik jetzt aufgeklärt? Manager des Geldtransportunternehmens Heros sollen Hunderte Millionen Euro veruntreut haben, doch von einem beträchtlichen Teil davon fehlte bislang jede Spur. Nach SPIEGEL-Informationen sind nun neue Konten aufgetaucht.

Hamburg - Die Affäre um das insolvente Geldtransportunternehmen Heros und dessen Ex-Chef Karl-Heinz könnte weiter aufgeklärt werden: Nach SPIEGEL-Informationen sind neue Konten aufgetaucht, die der Unternehmer auf seinen Namen, aber auch auf den seiner Frau und seiner Tochter eingerichtet hatte.

Weis sitzt seit dreieinhalb Jahren wegen Untreue in Haft, weil er zusammen mit mehreren Angestellten rund 350 Millionen Euro von Kunden abgezweigt haben soll, um Finanzlöcher im eigenen Unternehmen zu stopfen - aber auch, um sich selber zu bereichern. Von 70 Millionen Euro fehlt bis heute jede Spur. Jetzt könnte zumindest ein kleiner Teil der Gelder wieder aufgetaucht sein.

Anfang Juli war bei der Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei in Bern eine Verdachtsanzeige der RBS Coutts Bank in Zürich eingegangen. Das Kreditinstitut habe mitgeteilt, dass auf den Namen von Frau Weis im Jahr 2004 ein Schließfach und ein Konto eingerichtet worden waren.

"Keinerlei Kenntnis von diesen Konten"

Letzter Saldo: 635.656 Euro. Die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank in Riezlern gab am 3. August eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung beim Bundeskriminalamt in Wien wegen eines Schließfachs ab, das Weis angemietet hatte und für das auch seine Frau und seine Töchter verfügungsberechtigt waren. Darin lagen diverse Nobeluhren der Marken Rolex und A. Lange & Söhne.

Bereits Ende 2008 hatte die Financial Intelligence Unit (FIU) Gibraltar die Staatsanwaltschaft Hannover auf eine Firma namens Barbarella Investments mit Sitz in der mittelamerikanischen Steueroase Belize aufmerksam gemacht, die ein Konto bei der Jyske Bank in Gibraltar unterhielt. Wirtschaftlich Berechtigte der Barbarella sollen Frau Weis und eine ihrer Töchter sein.

Auf dem Konto fand sich ein Guthaben von 381.000 Euro. Weis-Anwalt Bertram Börner bestätigt dem SPIEGEL, dass sein Mandant die Konten angelegt habe. Er bezweifelt aber, dass vom Heros-Geld noch 70 Millionen Euro fehlen. Die Summe sei "in keinem Gerichtsverfahren festgestellt worden".

Der Rechtsbeistand von Frau Weis, Michael Nagel, sieht seine Mandantin nicht als Mittäterin ihres Mannes, sondern als dessen Opfer. Sie habe "keinerlei Kenntnis von diesen Konten, geschweige denn von möglichen Vermögenswerten, die dort deponiert sind".

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