Betrugsverdacht HSH Nordbank lässt verdächtige Zahlungen überprüfen

Die angeschlagene HSH Nordbank wurde nicht nur schlecht geführt, sie wurde von einzelnen Managern offensichtlich auch ausgeplündert. Darauf jedenfalls deuten dubiose Zahlungen hin, denen die Londoner Staatsanwaltschaft jetzt nachgeht.

Zentrale der HSH Nordbank: Eine verdächtige Rechnung gab den Ausschlag
ddp

Zentrale der HSH Nordbank: Eine verdächtige Rechnung gab den Ausschlag


Hamburg - Die angeschlagene HSH Nordbank kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Nach den bitteren Misserfolgen im Derivatehandel kommt jetzt möglicherweise auch noch ein Betrugsfall in der Londoner Niederlassung ans Licht. Das Institut hat bereits die Behörden eingeschaltet. Anlass seien bis ins Jahr 2006 zurückreichende unklare Geschäftsvorfälle, teilte die Landesbank am Mittwoch mit. Es bestehe der Verdacht auf Vermögensdelikte zu Lasten der Bank. Der Fall sei nach internen Untersuchungen dem Betrugsdezernat der Londoner Polizei übergeben worden. Auch die britische Finanzaufsicht FSA sowie die deutsche BaFin seien informiert worden.

Finanzkreisen zufolge konzentriert sich der Verdacht auf einen ehemaligen führenden Manager der Niederlassung. Anlass für die seit Juni 2009 laufenden internen Untersuchungen sei der Eingang einer Zahlung von gut einer Million Dollar auf das Konto einer Briefkastenfirma auf den Kanalinseln gewesen, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Vorgang sei aufgefallen, als die Verwaltung der Scheinfirma der Londoner HSH-Niederlassung eine Rechnung präsentiert habe. Die Revision der Bank habe daraufhin weitere Zahlungen überprüft, die von dem Konto auf den Kanalinseln regelmäßig in kleineren Beträgen abgeflossen seien. Die genaue Höhe des Schadens sei noch nicht bekannt. Die Landesbank wollte sich nicht zu Details äußern.

Die HSH hatte bereits zu Jahresanfang wegen ihrer Präsenz auch in Steueroasen wie den Kanalinseln oder den Cayman Islands in der Kritik gestanden. Das Überleben des Instituts musste nach riskanten Geschäften mit komplexen Finanzprodukten von ihren Haupteignern Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro an frischem Kapital sowie Garantien von weiteren zehn Milliarden Euro gesichert werden. Vom staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin bekam die HSH zudem 30 Milliarden Euro Garantien für die Emission von Anleihen.

Wegen der Schieflage im vergangenen Jahr hatte der frühere Vorstandschef Hans Berger seinen Job verloren. Licht in das Dunkel um das HSH-Debakel versuchen parlamentarische Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Kiel zu bringen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg geht zudem dem Anfangsverdacht der Untreue gegen Verantwortliche der Bank nach.

mik/Reuters/Dow Jones



insgesamt 304 Beiträge
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H.Ehrenthal, 28.02.2009
1.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließen wie Tür absperren? Oder in den Konkurs schicken? ALLE Unternehmen in "D", die überschuldet ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sind insolvent! Fälle für den Konkursverwalter. Sinnlos, für jede Dönerbude einen eigenen Thread zu öffnen.
E. Rolle, 28.02.2009
2.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Andere Frage, ging in Deutschland irgend ein Mensch davon aus, dass diese Landesbanken nicht in die Schieflage geraten? Die ganze Welt ließ unkontrolliert den Casinobetrieb laufen und wegen der gut funktionierenden Nachrichtenlage über zweistellige Gewinnmöglichkeiten, wollten natürlich ALLE mitmachen. Rettet nun die Canzlerin Merkel die HRE, muss konsequent JEDE Bank in Deutschland gerettet werden. Die Canzlerin hat nicht genau erklärt, warum sie die HRE rettet, also kann die nicht geäusserte Logik dann auch für jede Bankklitsche in Deutschland gelten, ob öffentliche oder private Bank. Gleiches Recht für alle, oder gilt das jetzt nicht mehr?
Liberalitärer, 28.02.2009
3.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Abwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
M. Moore, 28.02.2009
4.
Zitat von LiberalitärerAbwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
So genommen sind keine Banken mehr systemrelevant, sie machen eh' alle was sie wollen und ordnen sich wegen der ihnen gegeben Liberalität in kein System mehr ein. Daher alle bis auf die Bundesbank schließen und abwickeln, die HRE und Commerzbank zuallererst.
Bernhard Fischer 28.02.2009
5. Shut down... wir bezahlen nicht die Krise....
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließt besser die EZB, die könnte auf Milliardenforderungen aus ihren Refinanzierungsgeschäften mit Geschäftsbanken sitzen bleiben. Danach kann man weiter sehen.....
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