Chef entlässt 900 Beschäftigte per Zoom-Call »Wenn Sie in diesem Call sind, gehören Sie zur unglücklichen Gruppe, die entlassen wird«

Vishal Garg ist Chef von Better.com. Auch weil er mit der Performance vieler seiner Beschäftigten unzufrieden war, warf er laut Medienberichten 900 von ihnen kurzerhand raus – in einem Zoom-Call.
Ungläubig dürften zuletzt viele Better.com-Beschäftigte vor Weihnachten auf den Bildschirm geschaut haben (Symbolbild)

Ungläubig dürften zuletzt viele Better.com-Beschäftigte vor Weihnachten auf den Bildschirm geschaut haben (Symbolbild)

Foto: pixelfit / Getty Images

Vishal Garg ist offenbar ein Mann, der ohne große Vorrede zur Sache kommt. Der Chef des Kreditanbieters Better.com hat diese Eigenschaft in einem Video-Call mit Hunderten seiner Beschäftigten nun jedenfalls beeindruckend unter Beweis gestellt.

»Wenn Sie in diesem Call sind, gehören Sie zur unglücklichen Gruppe, die entlassen wird«, sagte Garg dem Sender CNN  zufolge, dem ein Mitschnitt der Schalte vorlag. »Ihr Arbeitsverhältnis ist mit sofortiger Wirkung beendet«, sagte Garg demnach – und verwies auf die Personalabteilung, die sich dann wegen des Prozederes und etwaiger Abfindungen melden werde.

Insgesamt offenbarte Garg in dem einen Telefonat 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Trennung, laut CNN entsprechend etwa neun Prozent der gesamten Belegschaft. Better.com ist ein Hypothekenfinanzierer, der unter anderem vom japanischen Softbank-Konzern unterstützt wird. Better.com plant derzeit mithilfe einer SPAC (Special Purpose Acquisition Company), einer leeren Hülle, den Börsengang – und hat dafür zuletzt Hunderte Millionen Dollar Kapital gesammelt.

Finanzvorstand: »Schmerzhaft, besonders zu dieser Jahreszeit«

Ob es ihm womöglich auch darum ging, seine Firma für Anleger interessanter zu machen? Einer der Hauptgründe für den Rauswurf war dem US-Wirtschaftsmagazin »Fortune « zufolge jedenfalls die schlechte Leistung vieler Beschäftigter. Diese habe er mithilfe einer ausführlichen Datenanalyse eines Dienstleisters ausgewertet.

Mindestens 250 Beschäftigten hatte er laut dem Magazin vorgeworfen, nicht mehr als zwei Stunden pro Tag zu arbeiten. Das Medium zitiert aus einer internen E-Mail, in der Garg über diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschimpft habe: »Die haben von euch gestohlen und ebenso haben sie von den Kunden gestohlen, die die Rechnungen zahlen, mit denen ihr eure Rechnungen bezahlt.«

Finanzvorstand Kevin Ryan versuchte gegenüber CNN den aufbrausenden Chef zumindest rhetorisch noch einzufangen. »Entlassungen vornehmen zu müssen, ist schmerzhaft, besonders zu dieser Jahreszeit«, wird er zitiert. Die Notwendigkeit der Kündigungen an sich stellte er jedoch nicht infrage – und verwies unter anderem auf den sich verändernden Immobilienmarkt.

Dem Sender zufolge verlief die für Hunderte Beschäftigte unerfreuliche Telefonschalte mit dem Chef dagegen kühl und emotionslos. Unter den Entlassenen sollen viele Beschäftigte gewesen sein, die für Gleichberechtigung und Diversity zuständig waren.

Als Garg das bislang letzte Mal in größerem Stile Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefeuert habe, so sagte er es laut CNN in der Schalte, habe er jedoch geweint.

apr
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