"Bild" und Co. Springer lässt sich Online-Inhalte bezahlen

Der Axel-Springer-Verlag sucht nach neuen Geldquellen und führt im Internet ein Bezahlmodell für seinen größten Umsatzbringer, die "Bild"-Zeitung ein. Schon jetzt erwirtschaftet der Konzern mehr als ein Drittel des Umsatzes im Netz - künftig sollen verschiedene Abo-Modelle den großen Schub bringen.
Ausgabe der "Bild"-Zeitung: Online-Bezahlmodell soll Printeinnahmen ersetzen

Ausgabe der "Bild"-Zeitung: Online-Bezahlmodell soll Printeinnahmen ersetzen

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Berlin - Deutschlands größte Tageszeitung, die "Bild", wird von ihren Lesern im Internet künftig für exklusive Inhalte Geld verlangen. Nutzer können vom 11. Juni an zwischen verschiedenen Abonnements wählen, für die sie zwischen 4,99 Euro und 14,99 Euro pro Monat zahlen müssen. Die Spanne reicht von Angeboten für Internet, Smartphone und Tablet bis hin zu einem Paket mit Kiosk-Gutscheinen für die gedruckte "Bild"-Zeitung. Das kündigte das Medienhaus Axel Springer am Montag in Berlin an. Große Teile von Bild.de bleiben für die Leser aber kostenlos.

Der im MDax notierte Konzern hat bereits Erfahrungen mit Bezahlschranken im Netz gesammelt. Die Tageszeitung "Die Welt" begrenzt seit Ende vergangenen Jahres die Zahl der frei zu lesenden Inhalte. International gibt es dafür bekannte Vorbilder wie die "New York Times". Angesichts rückläufiger Printauflagen und damit fehlender Einnahmen sagen immer mehr Medienkonzerne der Kostenlos-Kultur im Netz den Kampf an.

Springer nennt das neue Produkt "BILDplus". Mit dem Start der Bundesliga-Saison können Fußballfans zusätzlich aktuelle Videoclips mit den Höhepunkten des Spieltages für 2,99 Euro im Monat dazubuchen. Axel Springer setze damit die Suche nach neuen Erlösquellen im Internet fort, sagte Andreas Wiele, im Konzernvorstand für die "Bild"-Zeitung zuständig. "Unabhängiger Journalismus hat in der digitalen Welt nur eine Chance, wenn er wie auch im klassischen Printgeschäft über Anzeigen- und Vertriebserlöse finanziert wird."

"BILDplus" ist ein sogenanntes "Freemium"-Modell und verbindet kostenfreie und kostenpflichtige Angebote. Exklusive Berichte und Interviews, Hintergründe und besondere Fotos werden nur gegen Bezahlung freigeschaltet, kündigte der Chefredakteur von Bild.de, Manfred Hart, an. Die Bundesliga-Videos werden eine Stunde nach Abpfiff ins Netz gestellt.

Die Geschäftsführerin von BILDdigital, Donata Hopfen, sprach von einem "Paradigmenwechsel" hin zu einer Bezahlkultur für journalistische Inhalte im Internet. Die Redaktion werde Angebote so aufbereiten, "dass sie dem Leser auch im Netz Geld wert sind", sagte Marion Horn, Stellvertreterin des Chefredakteurs.

Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner will den Axel-Springer-Verlag zum führenden digitalen Medienkonzern ausbauen. Bereits heute erwirtschaftet der Konzern mehr als ein Drittel des Umsatzes von 3,3 Milliarden Euro im Internet (37 Prozent). "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hatte in einem Interview gesagt: "Wir müssen alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen." Diekmann erkundet zur Zeit im Silicon Valley in Kalifornien neue Geschäftsmodelle für den Konzern und kehrt am 3. Juni an die Spitze der "Bild"-Zeitung in Berlin zurück.

Jeder gedruckten "Bild"-Zeitung liegt in Zukunft ein "Tagespass" bei, mit dem Kioskkäufer am jeweiligen Tag den Zugriff auf alle digitalen "BILDplus"-Inhalte bekommen. Dafür hat Axel Springer in 13 Druckereien die Rotationsdruckmaschinen mit einer neuen Technologie ausgerüstet.

nck/dpa/Reuters
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