Interner Bericht Baukonzern Bilfinger kämpft mit Korruptionsfällen

Der Baukonzern Bilfinger hat nach Informationen des manager magazin mit mehr Korruptionsfällen zu kämpfen als bisher bekannt. Das Unternehmen listet in einem internen Bericht 29 Verdachtsfälle seit April 2014 auf.
Versuchte von Juli 2011 bis August 2014 als Vorstandschef bei Bilfinger sein Glück: Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Koch.

Versuchte von Juli 2011 bis August 2014 als Vorstandschef bei Bilfinger sein Glück: Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Koch.

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Bei dem Mannheimer Bau- und Servicekonzern Bilfinger hat es offenbar deutlich mehr Korruptionsfälle gegeben als bislang bekannt. Der vertrauliche Compliance-Bericht des Unternehmens listet nach Informationen des manager magazin für das erste Quartal 2015 insgesamt 29 neu aufgedeckte Verdachtsfälle seit April 2014 auf.

Es gehe unter anderem um den Verkauf von Filterpressen nach Kasachstan, um Kraftwerksprojekte in Rumänien, und in mindestens vier Fällen um Schmiergeldzahlungen der Tochter Tebodin in China.

Bereits im März war bekannt geworden, dass Mitarbeiter der Bilfinger-Tochter Mauell Schmiergeld gezahlt hatten, um einen Auftrag im Umfeld der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien zu gewinnen. Nach einem Bestechungsfall in Nigeria untersucht seit Mitte 2014 ein Kontrolleur im Auftrag des US-Justizministeriums, ob Bilfinger sauber arbeitet.

Finanzvorstand Axel Salzmann: "Extrem besorgt" nach Lektüre des Compliance-Berichts

Finanzvorstand Axel Salzmann: "Extrem besorgt" nach Lektüre des Compliance-Berichts

Foto: dpa Picture-Alliance / Uwe Anspach/ picture alliance / dpa

Korruptionsverdacht in Brasilien hat sich konkretisiert

Das Unternehmen steht auch finanziell erheblich unter Druck. Der Vorstand hat angekündigt, das Not leidende Energiegeschäft zu verkaufen. Dieser Bereich werde im ersten Halbjahr einen bereinigten Verlust von bis zu hundert Millionen Euro ausweisen (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). Es war Bilfingers sechste Gewinnwarnung seit Juni 2014.

Dem Compliance-Bericht zufolge hat sich der Verdacht in Brasilien konkretisiert. Bei dem Fall ging es um einen Auftrag im Volumen von acht Millionen Euro. Unter anderem soll dabei Geld an Beschäftigte des staatlichen Ölkonzerns Petrobras geflossen sein, und auch eigene Mitarbeiter sollen sich bedient haben.

In dem südamerikanischen Staat gab es zudem zwei weitere Korruptionsfälle. Mitarbeiter der Bilfinger Maschinenbau GmbH könnten nach manager-magazin-Informationen für 761.000 Euro Aufträge der brasilianischen Marine erkauft haben. In einem anderen Fall seien knapp 300.000 Euro geflossen. Zum Teil habe Bilfinger in diesen Fällen bereits die brasilianischen Behörden eingeschaltet, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Bilfingers neuer Finanzchef Axel Salzmann äußerte sich in einer Mail an alle Führungskräfte alarmiert über die Entwicklung. Er habe jüngst den ersten Bericht des US-Kontrolleurs gelesen, schrieb er. Angesichts der Menge an "Funden und Empfehlungen" sei er "extrem besorgt".

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.