Kursverfall der türkischen Lira Touristen gehen mit Koffern in Läden, um sich mit Luxusware einzudecken

Die billige Lira hat auch eine positive Seite. Sie beschert den Händlern in den noblen Einkaufsstraßen Istanbuls glänzende Geschäfte. Die Kunden sind Touristen, die den günstigen Umtauschkurs nutzen.
Touristen vor einem Geschäft der Luxusmarke Louis Vuitton in Istanbul

Touristen vor einem Geschäft der Luxusmarke Louis Vuitton in Istanbul

Foto: Lefteris Pitarakis/ dpa

Der Währungsverfall in der Türkei lockt die Schnäppchenjäger: In den Luxusläden im Istanbuler Edelviertel Nisantasi suchen auffallend viele Touristen, vor allem aus den Golfstaaten, nach teuren Artikeln von Louis Vuitton, Chanel & Co. "Wir kaufen Kleidung, wir kaufen Make-up, wir kaufen Markennamen", erzählt Fatima Ali aus Kuwait, die Istanbul mit ihren beiden Töchtern besucht. "Die Preise sind sehr günstig." Wie viele andere brachte Ali ihre Koffer mit, um sie zu füllen - mit dreien stand sie vor einem Make-up-Laden.

Der Wert der türkischen Lira war am Freitag vergangener Woche um 18 Prozent auf ein Rekordtief gestürzt. Für einen Dollar musste man zeitweise 7,24 Lira zahlen. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste gegenüber dem Dollar auf 45 Prozent.

Während sich Investoren wegen der Geldpolitik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und des Zerwürfnisses mit den USA Sorgen machen und ihr Geld abziehen, profitieren Touristen von dem Währungsverfall. Ein Käufer aus Ägypten schätzte, dass er für seine in der Türkei gerade gekauften Geschenke und Kleider zu Hause etwa 1000 Dollar mehr hätte berappen müssen. Die Menge an Käufern sei auch für die Hochsaison ungewöhnlich, sagte ein Angestellter eines gehobenen Bekleidungsgeschäfts, der anonym bleiben wollte.

Comeback als Urlaubsland

Auch deutsche Touristen können den Lira-Verfall ausnutzen, wenn sie in türkischen Läden oder auf Märkten einkaufen gehen. Die Hotelpreise seien allerdings längerfristig vereinbart und nicht vom aktuellen Wechselkurs bestimmt, erläutert eine Sprecherin des Touristikkonzerns Thomas Cook. "Wir sehen bereits seit Beginn des Jahres eine sehr erfreuliche Erholung der Türkei-Buchungen für die aktuelle Sommersaison." Bei Last-minute-Reisen sei die Türkei ebenfalls stark gefragt. Bei den deutschen Gästen von Thomas Cook liege die Türkei aktuell nach Spanien und vor Griechenland auf Platz zwei der beliebtesten Urlaubsziele für den Sommer.

"Die Türkei verzeichnet in der aktuellen Sommersaison hohe Buchungszuwächse, ganz unabhängig vom Wechselkurs", heißt es auch beim Konkurrenten Tui. Das derzeitige Rekordtief der türkischen Lira wirke sich nicht auf das Buchungsverhalten aus, da die Türkei ohnehin stark gebucht sei. "Insgesamt zählt das Land wieder zu den Topfavoriten der Tui-Urlauber und liegt im Ranking der beliebtesten Reiseziele unter den Top 3."

mik/Reuters