Lebensmittelhandel Bio-Angebot beim Discounter bedroht Fachhändler

Aldi, Edeka und Co. haben sich bereits rund zwei Drittel des Marktes für ökologisch erzeugte Lebensmittel gesichert. Der Bio-Boom bei den Supermärkten hat Folgen für viele Naturkosthändler.
Bio-Milch im Kühlregal

Bio-Milch im Kühlregal

Foto: Oliver Berg/ dpa

Bio-Apfelschorle von Aldi, Bio-Salami von Lidl, Bio-Müsli von dm und Bio-Käse von Edeka oder Rewe: Deutschlands Discounter, Supermärkte und Drogeriemärkte haben in den vergangenen Jahren ein immer größeres Stück des Bio-Marktes erobert. Fast zwei Drittel der Ausgaben der Bundesbürger für Bio-Lebensmittel landen inzwischen in ihren Kassen - mit steigender Tendenz.

Für klassische Bio-Fachhändler bedeutet dies immer mehr Konkurrenz und immer mehr Druck. "Es bedarf wenig prognostischer Fähigkeiten, um für den Bio-Fachhandel einen Konsolidierungsprozess vorauszusehen, in dem nur einige der heute aktiven Player überleben werden", prognostizierte der Handelsexperte Joachim Riedl von der Hochschule Hof kürzlich in der "Lebensmittel Zeitung".

Zwar greifen die Deutschen immer häufiger zu Bio-Lebensmitteln, wie es in einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) heißt. Seit 2004 hat sich der Bio-Anteil an den Lebensmittelausgaben mehr als verdreifacht, im Vorjahr betrug das Plus sechs Prozent. Doch auf dem Markt mit mehr als zehn Milliarden Euro profitieren vor allem die großen Handelsketten.

Handelsexperte Riedl: "Die Luft wird dünner"

Für Aldi, Lidl, Rewe und Co. ist der Bio-Markt aus mehreren Gründen interessant. Zum einen wächst er seit Jahren zuverlässig, zum anderen sind es für sie attraktive Zielgruppen, die mit Bio-Produkten erreicht werden: jüngere Leute, Familien mit Kindern und höhere Einkommensgruppen.

Für Naturkostläden, Bio-Supermärkte und selbst vermarktende Bio-Bauern ist der Siegeszug der Mainstream-Händler im Bio-Bereich immer mehr ein Problem. Sie reklamieren einen immer größeren Teil des Marktes für sich, während gleichzeitig der Preisdruck im gesamten Bio-Markt wächst. Handelsexperte Riedl ist überzeugt: "Die Luft wird dünner im Handel mit Bio-Lebensmitteln."

Die Discounter umwerben die Bio-Klientel unterdessen heftig. Aldi verkündete bei der Vorstellung seines jüngsten Nachhaltigkeitsberichts vor wenigen Tagen: 2017 sei das Unternehmen laut GfK Bio-Marktführer in Deutschland gewesen. In diesem Jahr will Aldi sein Engagement in diesem Bereich noch verstärken und mehr als 60 weitere Bio-Artikel in sein Angebot aufnehmen. Damit sei "der komplette Wocheneinkauf in Bio-Qualität immer möglich".

Marktstudie: Verbraucher für Bio beim Discounter

Auch Lidl verspricht den Kunden "Bio-Vielfalt" und führte erst im Februar elf neue Bio-Wurstsorten ein. Lidl-Einkaufschef Jan Bock ließ damals keinen Zweifel: "Auch in Zukunft wollen wir verstärkt auf Bio setzen." Die Kölner Handelsgruppe Rewe arbeitet nach eigener Aussage ebenfalls "beständig an der Erweiterung ihrer Bio-Sortimente". Die Drogeriemarktkette dm ist nach Informationen des Branchenfachblatts "Lebensmittel Zeitung" auch dabei, ihr Bio-Geschäft weiter aufzurüsten.

Bei den Verbrauchern stößt die Bio-Offensive von Aldi, Rewe und Co. offenbar auf Zuspruch. Bei einer aktuellen Marktstudie des Marketingunternehmens AMM gaben 60 Prozent der Befragten an, sie fänden es gut, dass man Bio inzwischen auch bei Edeka, Rewe, Aldi und Lidl kaufen könne. Viele sagten, dies sei billiger als in den Fachgeschäften - und außerdem müsse man beim Einkauf keine Umwege machen.

Video: Biohöfe in der Krise

SPIEGEL TV
Von Erich Reimann, dpa/apr
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