Wieder mehr Umsatz Ökoläden trotzen dem Aldi-Bio

Naturkostläden wie Alnatura oder Denn's verkaufen wieder mehr, obwohl auch Supermärkte und Discounter immer mehr Bio-Artikel anbieten. Alle Händler müssen reagieren, denn Kunden haben neue Wünsche.

Bio-Lebensmittel
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Bio-Lebensmittel


Das Geschäft der klassischen Naturkostläden wächst trotz der zunehmenden Konkurrenz durch Bio-Lebensmittel im Supermarkt. Der Umsatz des Bio-Fachhandels sei im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro gestiegen, sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder. Im Jahr zuvor hätten die etwa 2500 Naturkostläden nur ein halb so hohes Wachstum verzeichnet.

Der Naturkosthandel habe wieder Tritt gefasst, das Umsatzwachstum sei wieder stabil, sagte Röder: "Das werten wir als Stärke des Fachhandels trotz zunehmenden Wettbewerbs."

Während Supermärkte, Drogeriemärkte und Discounter zwar Bioprodukte als Alternative zu konventionell erzeugten Lebensmitteln ins Sortiment aufnähmen, böten Naturkostläden "zu 100 Prozent Bio-Qualität, konsequente Naturkosmetik und ökologische Reinigungsmittel".

Wunsch vieler Kunden, Verpackungen zu vermeiden

In der Branche vollziehe sich ein Transformationsprozess hin zu größeren Flächen, sagte Röder weiter. 50 Standort-Neueröffnungen standen im vergangenen Jahr 101 Schließungen gegenüber. Der Naturkostfachhandel werde aber weiter von inhabergeführten Läden dominiert, die ein oder zwei Filialen hätten, sich jetzt aber vergrößerten. Daneben gebe es einige wenige Ketten.

Ein weiterer Trend sei der Wunsch vieler Kunden, Verpackungen zu vermeiden. So gingen immer mehr Biofachhändler dazu über, etwa Trockenprodukte in mitgebrachte Behältnisse abzufüllen. In den so genannten Unverpackt-Läden müssten die Einzelhändler aber Hygienevorschriften einhalten.

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Viele Fachhändler gestalteten ihre Läden außerdem vermehrt zu sozialen Bezugspunkten, indem sie ein Café oder ein Bistro angliedern, sagte die Geschäftsführerin. "Hier treffen sich Menschen, denen der Schutz von Umwelt und Klima wichtig ist und die mit dem Einkauf dazu beitragen wollen, die Welt ein Stück besser zu machen."

Röder sieht Bioprodukte im Supermarkt ambivalent

Dass Supermärkte Bioprodukte aufnehmen, sehe Röder zweischneidig. Einerseits würden die Verbraucher für das Thema Nachhaltigkeit und umweltverträgliche Produktion sensibilisiert, andererseits werde aber das falsche Signal gesendet, dass Bio billig sei und Lebensmittel einen beliebig absenkbaren Preis hätten. Es bestehe die Gefahr, dass ein negativer Preiswettbewerb in Gang komme, der die Bauern noch stärker unter Druck setze.

Auch Menschen mit geringeren Einkommen könnten sich Bio leisten, so Röder: Es gebe Preiseinstiegsmarken und außerdem lasse sich der Umstieg auf Bio auch schrittweise vollziehen. "Wenn man die Grundnahrungsmittel in Bioqualität kauft, sind die Preisunterschiede nicht sehr groß." Wenn man viel selbst koche und den Außerhausverzehr reduziere, schone das zusätzlich das Budget.

brt/dpa

insgesamt 24 Beiträge
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ludovicosettembrini 07.02.2019
1. Biolandwirtschaft verbraucht fast doppelt soviel Fläche wie...
...konventionelle Landwirtschaft. Grund: der Verzicht auf Kunstdünger. Derzeit hat der Biolandbau nur einen Anteil von knapp ein Prozent an der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion (Meemken/Qaim (2018), Organic Agriculture, Food Security, and the Environment, Annual Review of Resource Economics.). Bei vollständiger Umstellung auf Biolandbau, müsste also die landwirtschaftlich genutzte Fläche weltweit nahezu verdoppelt werden. Einer der Hauptgründe für das Artensterben ist derzeit nach Einschätzung des Weltklimarates der Verlust von Lebensraum für Tiere (Habitatverlust). Eine Ausweitung der "Biolandwirtschaft" hätte demzufolge sehr hohe ökologische Kosten. Auch das sollten Konsumenten berücksichtigen.
Darwins Nightmare 07.02.2019
2. Das mit den Verpackungen ist überfällig
Ich kaufe meine Ware wann immer es geht auf dem Markt. Warum zum Beispiel sollen in Plastik eingeschweisste Äpfel bio sein? Meiner Meinung nach müssen Lebensmittelläden angesichts der Hygienevorschriften auch wieder dazu übergehen, Verkäufer an Obst- und Gemüsestände zu stellen. Dann muss man als Kunde auch nicht jede Orange nach ihrer Frische prüfen. Den Mehraufwand könnte man durch die Automatisierung der Bezahlung decken, wobei natürlich immer noch Personal an den "Zahlstellen" gebraucht wird. Im Grunde wäre es ein Nullsummenspiel für Anbieter mit einem grossen Gewinn für Umwelt und Kunde.
territrades 07.02.2019
3. Nervenschonend
Biomärkte sind vor allem nervenschonend. Kein dudelndes Radio und Werbedurchsagen, keine grellen Farben, Werbebildschirme etc. Das tut einem richtig gut.
KLäuft 07.02.2019
4. Falsche Rechnung #1
Biologische Landwirtschaft braucht zwar mehr Anbaufläche, deshalb darauf zu schließen, dass sich die landwirtschaftliche Nutzfläche verdoppeln müsste, stiegen alle auf Biolebensmittel um ist Unsinn. Ein Großteil der Käufer biologisch produzierter Lebensmittel achtet auch darauf, wenig Lebensmittel wegzuschmeißen und kauft auch krumme Gurken, wodurch es viel weniger aussortierte Ware gibt. Das mit eingerechnet bräuchte man wahrscheinlich nur minimal mehr Fläche zum Abbau als in der konventionellen Landwirtschaft.
GrüneLeuchte 07.02.2019
5. Aldi und Bio - das glauben die doch selber nicht.
Die Bio-Artikel der Discounter, allen voran jene von Aldi, haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Wenn man sich zum Beispiel ansieht woher viele der Bio-Obst,-und Gemüsesorten stammen, dann prangt i.d.R. "Niederlande" auf dem Etiket. Daneben das der Boden in den Niederlanden nachweislich keine Nährstoffe mehr enthält, man also Wasser in grüner Verpackung konsumiert, steht und stand niederländische Massenware noch nie für das Label "Bio". Der Konsument von heute, nimmt lieber das Original denn die billige Kopie. Da helfen auch noch so gute Imagekampagnen nichts.
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