Deutsche Bauern Nachfrage bei Bio größer als Angebot

Die Deutschen geben immer mehr Geld für Biolebensmittel aus - doch dieser Boom geht an der heimischen Landwirtschaft vorbei. Eine Studie zeigt: Ein Großteil vieler Ökoprodukte wird importiert, obwohl der Anbau in Deutschland problemlos möglich wäre.
Biogemüse im Supermarkt: Rasantes Wachstum

Biogemüse im Supermarkt: Rasantes Wachstum

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Hamburg - Die Zahlen müssten jeden Landwirt freuen: Der Umsatz von Biolebensmitteln ist in den Jahren 2006 bis 2012 um 30 Prozent gestiegen. Über sieben Milliarden Euro im Jahr werden inzwischen für Ökoprodukte ausgegeben, jeder Deutsche lässt im Schnitt 73,60 Euro an der Kasse. Damit liegt Deutschland zwar immer noch hinter der Schweiz oder Dänemark - gehört aber zu den Ländern, die weit über dem europäischen Schnitt von 28 Euro liegen.

Ein rasantes Wachstum, von dem aber andere profitieren. Zwar hat sich der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche für ökologischen Landbau zwischen 2000 und 2012 annähernd verdoppelt - das steht jedoch in keinem Verhältnis zur steigenden Nachfrage. Die kann, das zeigt eine Studie der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, inzwischen nur noch gestillt werden, weil Ökoprodukte aus anderen Ländern importiert werden.

Und das trifft ausgerechnet Lebensmittel, die problemlos in Deutschland angebaut werden könnten. So kommen 28 Prozent aller Biokartoffeln inzwischen aus Österreich, Israel oder Ägypten, 48 Prozent der Biomöhren aus den Niederlanden, Israel oder Italien und 25 Prozent aller Bioeier aus den Niederlanden und Italien.

"Viele Länder", so schreiben es die Autoren der Studie, "haben das Potential insbesondere des deutschen Marktes erkannt und in die Umstellung auf den Biolandbau investiert." So stiegen etwa die Bioanbauflächen in Polen und den baltischen Ländern seit 2004 um 300 bis 500 Prozent, in Deutschland dagegen nur um 29 Prozent.

Preise für konventionelle Lebensmittel steigen

Die Gründe sehen die Autoren vor allem in der Politik: "Dominierende Umstellungshindernisse" seien die gestiegenen Preise für konventionelle Lebensmittel - und dieser Preisanstieg sei "politikgetrieben". Dazu komme eine "einseitige Förderpolitik" für industriemäßig betriebene Biogasanlagen und "Unsicherheiten" bei der Förderung des ökologischen Landbaus.

Die Folgen sind klar: So geht nicht nur der Boom im Biosegment an den hiesigen Bauern vorbei. Auch das selbstgesteckte Ziel, dass 20 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet werden sollen, ist in weite Ferne gerückt.

Dazu kommt: Bei den Verhandlungen zum Europäischen Finanzrahmen ist vor allem in den Bereichen der Landwirtschaftsförderung gekürzt worden, die den Ökolandbau stützen sollte. 15 bis 20 Prozent weniger Geld komme deshalb in den Ländern an, prognostizieren die Forscher - Geld, das aber dringend notwendig sei. Sie fordern deshalb, die Bundesregierung müsse diese Kürzungen ausgleichen.

Ähnlich sehen das die Grünen: "Es drohen bei den Biobauern Kürzungen auf EU-Ebene, wohingegen die industrielle Landwirtschaft fast ungeschoren davonkommen soll", kritisiert die grüne Vize-Fraktionschefin Bärbel Höhn. Statt den Ökolandbau zu unterstützen, setze die Bundesregierung auf den Export von Billigschnitzeln. Das räche sich in Riesenställen, der Verunreinigung des Grundwassers und Mais-Monokulturen. "Die Bundesregierung muss hier umdenken und sich stärker für den Ökolandbau einsetzen."

sam
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