Quartalszahlen des Impfstoffherstellers Biontech macht drei Milliarden Gewinn – Geldregen für Stadt Mainz

Booster für die Bilanz: Der Impfstoffhersteller Biontech erwirtschaftet im dritten Quartal Milliarden. Nicht nur Investoren freuen sich – auch Mainz profitiert. 2022 könnte die Stadt schuldenfrei werden.
Dank der Spritze: Biontech verzeichnet Milliardengewinne (Symbolbild)

Dank der Spritze: Biontech verzeichnet Milliardengewinne (Symbolbild)

Foto: DANIEL DAL ZENNARO / EPA

Der Corona-Impfstoffhersteller Biontech hat im dritten Quartal einen Nettogewinn von rund 3,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das teilte das Unternehmen mit. Damit stieg der Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres auf gut 7,1 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren noch Verluste von rund 210 Millionen beziehungsweise 352 Millionen Euro angefallen.

Das Unternehmen profitiert vor allem vom Erfolg des Coronaimpfstoffs Comirnaty, den Biontech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer produziert. Zwischen Juli und September stieg der Umsatz des Unternehmens auf knapp 6,1 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 67,5 Millionen Euro gewesen. Insgesamt betrug der Umsatz zwischen Januar und Ende September 13,44 Milliarden Euro – deutlich mehr als im letzten Jahr, als es noch knapp 140 Millionen Euro waren. Auch für das nächste Jahr rechnet das Unternehmen mit Wachstum: Seine Umsatzprognosen hob es auf rund 16 bis 17 Milliarden Euro an. Grund sind auch die Booster-Impfungen, die nun vielerorts durchgeführt werden.

Steuereinnahmen könnte Mainz schuldenfrei machen

Von den hohen Einnahmen des Unternehmens profitiert auch die Stadt Mainz, in der Biontech seinen Sitz hat. Anstelle des geplanten Minus von 36 Millionen Euro werde die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz voraussichtlich zum Jahresende einen Überschuss in Höhe von 1,09 Milliarden Euro verzeichnen, sagte Finanzdezernent Günter Beck von den Grünen. Er sprach von einer »sensationellen« Entwicklung.

Für 2022 sei ein Plus in Höhe von 490,8 Millionen Euro zu erwarten. Damit könne die Landeshauptstadt ihre Kassenkredite in Höhe von rund 634 Millionen Euro bezahlen und gelte bis Ende nächsten Jahres als schuldenfrei. »Nichts ist wichtiger als die Schulden loszubekommen, damit die Stadt ohne Fesseln laufen kann«, sagte SPD-Oberbürgermeister Michael Ebling.

Arbeitsplätze und Investitionen in Wohnraum geplant

Es gebe Potenzial für rund 5000 neue Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren, sagte Ebling. Er rechne in diesem Zeitraum mit Investitionen in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro. Etwa 30 Hektar stünden für die Entwicklung eines Biotechnologie-Campus mit direkter Anbindung an Uniklinik und Universität bereit. Weitere Flächen sollten gefunden werden. Das Biotech-Mainz-Netzwerk solle im nächsten Jahrzehnt um 100 neue Mitglieder wachsen – Unternehmen und Akteure aus der Wissenschaft.

Geplant sei auch die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, die nachhaltige Förderung der Mobilität – etwa der Ausbau des Straßenbahnnetzes und die Ansiedlung einer internationalen Schule, sagte Ebling. »Die Sanierung des Kurfürstlichen Schlosses wollen wir nächstes Jahr beginnen.«

Die Stadt will Biontech und den anderen Unternehmen auch etwas geben: Der Gewerbesteuerhebesatz soll von derzeit 440 Punkten auf 310 und damit auf das Niveau des benachbarten und wohlhabenden Ingelheim gesenkt werden. Über die geplante Senkung solle die Stadtverordnetenversammlung noch im November entscheiden.

jlk/dpa/Reuters
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