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Lieferengpässe Bis zu elf Millionen weniger Autoverkäufe wegen Chipmangel

Die Knappheit an Halbleitern bremst den Absatz der Autohersteller offenbar stärker als bislang bekannt. Ein Problem ist das bisher eher für die Kunden als für die Konzerne.
aus DER SPIEGEL 40/2021
Produktion des ID.3 bei VW in Dresden

Produktion des ID.3 bei VW in Dresden

Foto: Paul Langrock

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat berechnet, dass bis zum Jahresende weltweit bis zu elf Millionen Autos weniger produziert und verkauft werden als im Vorjahr, weil VW, Daimler, BMW und andere Hersteller nicht an ge­nügend Chips kommen, um die Nachfrage zu bedienen. Auch Rohstoffe wie Stahl sind knapp, was die Produktion zusätzlich behindert.

»Die Probleme haben sich im dritten Quartal verschärft und werden bis weit in das nächste Jahr andauern«, sagt Felix Kuhnert, Leiter des Bereichs Automotive bei PwC. Auch eine vierte Coronawelle könne den Absatz in einigen Märkten drosseln. Aus bereits vorliegenden gesicherten Daten bis Mitte September ergibt sich, dass allein im dritten Quartal 3,8 Millionen Fahrzeuge weniger ausgeliefert werden dürften. Auch im Schlussviertel werde sich der Ausfall auf mehr als drei Millionen summieren, schätzt PwC.

Die Unternehmensberatung AlixPartners hatte den Ausfall infolge der Engpässe bei Halbleitern  noch vor Kurzem auf knapp acht Millionen Einheiten taxiert. Die Lage hat sich jedoch zuletzt weiter verschlechtert. Daimler-Chef Ola Källenius kündigte Anfang Dezember an, der Absatz bei Mercedes werde wegen der Lieferschwierigkeiten von Chipherstellern in Taiwan und anderswo im dritten Quartal hinter dem zweiten Quartal zurückbleiben.

Der Absatz seit Jahresbeginn liegt nach Berechnungen von PwC in Westeuropa zwar um knapp 13 Prozent höher als im ersten Coronajahr 2020, ist aber noch immer rund ein Viertel niedriger als 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie.

Bislang ist es den Autobauern trotz der Lieferengpässe gelungen, ihre Gewinne hochzuhalten, indem sie die knappen Halbleiter vor allem in den größten Gewinnbringer verbauten. Der Münchner BMW-Konzern hat gerade seine Ergebnisprognose für dieses Jahr nach oben korrigiert. »Anhaltend positive Preiseffekte bei den Neu- und Gebrauchtwagen« würden die negativen Absatzeffekte überkompensieren. Kunden müssen beim Autokauf teils längere Wartezeiten in Kauf nehmen und sind offenbar bereit, höhere Preise zu zahlen.

mhs
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