Hype um Risiko-Digitalwährung Goldman Sachs könnte Bitcoin-Wetten für Kunden abwickeln

Mehr als 19.000 Dollar kosteten Bitcoins zeitweise - um dann rapide zu verlieren. Zu unsicher, findet auch Goldman Sachs. Dennoch will die US-Investmentbank laut einem Agenturbericht ihren Kunden einen Service bieten.

Bitcoin
DPA

Bitcoin


Bitcoins seien nichts für ihn, sagte Lloyd Blankfein vor einigen Tagen im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Er glaube nicht, dass die Digitalwährung funktionieren werde, so der Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs. Er sehe sie nicht als Währung oder als Hüter von Werten an.

Dennoch muss der Hype um die Digitalwährung mindestens die Neugier des Bankers geweckt haben. Denn laut Bloomberg plant Goldman Sachs für bestimmte Klienten Finanzwetten auf Bitcoins abzuwickeln. Konkret geht es um Futures genannte Derivate, mit denen Anleger auf die Kursentwicklung der Kryptowährung spekulieren können, ohne diese selbst kaufen zu müssen.

Mit Future-Kontrakten werden Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt. Dadurch können sich Käufer und Verkäufer gegen mögliche Preisschwankungen absichern. Terminkontrakte können aber auch für Spekulationen auf künftige Kursentwicklungen genutzt werden.

Goldman Sachs wolle zwar nicht auf eigene Rechnung beim Handel mit solchen Bitcoin-Futures mitmischen, solche Geschäfte aber für ausgewählte Kunden ausführen, schreibt Bloomberg unter Berufung auf Insider. Eine Sprecherin der Bank sagte lediglich, dass es sich um ein neues Produkt handle, dessen Risiken man derzeit prüfe.

Bitcoin ist eine sogenannte Kryptowährung, die Geldtransaktionen unabhängig von Banken und Notenbanken machen soll (mehr zum Bitcoin lesen Sie hier). Inzwischen ist das digitale Geld allerdings zum Spekulationsobjekt geworden. Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar - am Donnerstag erreichte die Währung zeitweise mehr als 19.000 Dollar. Doch danach ging es erst mal wieder kräftig bergab. Binnen 90 Minuten fiel die Währung auf 16.000 Dollar. Inzwischen liegt der Preis bei 14.500 Dollar.

SPIEGEL ONLINE; Reuters

Der Handel mit Bitcoin-Futures soll in den kommenden Tagen an zwei großen Börsen starten. Die Aussicht auf den Durchbruch in diesen Bereich der etablierten Finanzmärkte sorgt dafür, dass der Kurs stark schwankt.

Experten warnen eindringlich davor, dass der Bitcoin jederzeit wieder rapide abstürzen könne. Anders als bei klassischen Währungen garantiert kein Staat und keine Notenbank für das Geld. Auch steht anders als etwa bei Aktien kein realer Wert hinter dem Bitcoin.

yes/dpa



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
The Restless 08.12.2017
1. Realer Wert
"Auch steht anders als etwa bei Aktien kein realer Wert hinter dem Bitcoin ..." Der reale Wert von Facebook dürfte mit dessen Aktienwert nicht viel zu tun haben. Hier wie dort geht es doch nicht um reale Werte, sondern um Psychologie.
Aberlour A ' Bunadh 08.12.2017
2. Reale Werte und Psychologie
Zitat von The Restless"Auch steht anders als etwa bei Aktien kein realer Wert hinter dem Bitcoin ..." Der reale Wert von Facebook dürfte mit dessen Aktienwert nicht viel zu tun haben. Hier wie dort geht es doch nicht um reale Werte, sondern um Psychologie.
Natürlich geht es auch immer um Psychologie. Das sehen wir ja schon immer an den Fotos mit dieser Bitcoin-Münze, die meistens über Bitcoin-Beiträgen erscheint. Dabei ist der Datenbankeintrag dieses imaginären kryptischen Rohstoffs nun in Wirklichkeit von Münzgeld so weit entfernt, wie ein anderes Universum nur entfernt sein kann. In Wirklichkeit haben wir es mit einer Antinomie zu tun. Aber man braucht diese Antinomie offensichtlich, um etwas Greifbares für das menschliche Gehirn zu haben. Aus dem gleichen Grund sind viele Menschen auch immer noch Anhänger des Bargeldes, weil die Scheinchen, die im Portmonnaie bei Einkaufen zusehends weniger werden, zu einem bewussteren Umgang verleiten. Etwas, das man in einer Konsumgesellschaft gar nicht so gerne sieht. Schade nur, dass bei dieser bescheuerten Bitcoin-Technologie vom Erfinder dieser immense Stromverbrauch in die im Zeitablauf immer komplexer werdenden Rechenvorgänge eingebaut wurde. Denn bei näherem Hinsehen hätte "Geld", das man nicht ausgeben kann, eine wichtige ökologische Funktion. Als Wachstumsbremse für den realen Ressourcenverzehr im Sinne einer niederentropischen Wirtschaftsweise durch immense Erhöhung der Transaktionskosten. In diesem Sinne wäre Bitcoin geldphilosophisch gesehen auch der komplette Gegenentwurf zum zinslosen "Freigeld" der sogenannten "Freiwirtschaftslehre" der Gesellianer. Denn dieses hätte natürlich, aufgrund des inhärenten Mechanismus, einen sofortigen Wachstumsschub in der Realwirtschaft zur Folge, weil die Hortung mit Opportunitätskosten versehen ist und der Zins als Zeitpräferenz wegfällt.
eizboks 08.12.2017
3. es wird generell vor Internetwährungen gewarnt
... weil der Fiskus keinen Zugriff auf die Erträge hat. Darüberhinaus bedeuten IT Währungen das Ende nationaler Währungen und das Ende manipulativer Eingriffe der Zentralbanken. Die Zukunft liegt in individuellen Währungen für Sachwerte und Dienstleistungen die über eine Blockchain verifiziert werden. Das Ganze ist richtig spannend!
StefanXX 08.12.2017
4. Aktien sind Sachwerte, der Bitcoin nicht
Zitat von The Restless"Auch steht anders als etwa bei Aktien kein realer Wert hinter dem Bitcoin ..." Der reale Wert von Facebook dürfte mit dessen Aktienwert nicht viel zu tun haben. Hier wie dort geht es doch nicht um reale Werte, sondern um Psychologie.
Auch wenn dies immer wieder behauptet wird, wird es deshalb nicht richtiger. Natürlich steckt auch hinter Unternehmen wie Facebook ein großer realer Wert. Aktien sind Sachwerte, der Bitcoin dagegen nicht. Der reale Wert eines Unternehmens setzt sich nicht nur aus Gebäuden, Maschinen und Grundstücken zusammen (davon hat Facebook wahrscheinlich wirklich nicht viel :-)), sondern z.B. auch aus Dingen wie Lizenzen, Patenten, Markenrechten, sonstigen Rechten in jeglicher Form, Unternehmens-Know-How, Geschäftsmodellen und und und.
Kurt-C. Hose 08.12.2017
5.
Zitat von eizboks... weil der Fiskus keinen Zugriff auf die Erträge hat. Darüberhinaus bedeuten IT Währungen das Ende nationaler Währungen und das Ende manipulativer Eingriffe der Zentralbanken. Die Zukunft liegt in individuellen Währungen für Sachwerte und Dienstleistungen die über eine Blockchain verifiziert werden. Das Ganze ist richtig spannend!
Und Sie haben natürlich auch schon ein Erklärungsmodell parat, wie ein Staat ohne Steuereinnahmen funktioniert - wenn der fiskus aussen vor ist... Das ist alles so ein Schwachsinn...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.