Kryptowährung überspringt 8000-Dollar-Marke Schon wieder Bitcoin-Hype - schon wieder Zweifel

Weil US-Konzerne in den Handel mit Kryptowährungen einsteigen wollen, steigt der Bitcoinkurs stark. Allerdings befeuern auch dubiose Finanzströme den neuen Hype.

Bitcoin (Illustration)
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Von manager-magazin.de-Redakteur


Beobachter der Finanzmärkte dürften sich verwundert die Augen reiben: Noch ist es keine zwei Jahre her, als am Markt für Kryptowährungen eine riesige Spekulationsblase platzte, und schon wieder steigen die Preise von Bitcoin, Ethereum und anderen digitalen Geldanlagen in bemerkenswert rasantem Tempo.

Der Bitcoin beispielsweise, die mit einer Marktkapitalisierung von gegenwärtig etwa 140 Milliarden Dollar nach wie vor bedeutendste Kryptowährung, übersprang in dieser Woche erstmals seit Anfang 2018 wieder die Marke von 8000 Dollar - wenn auch nur für kurze Zeit. Zum Vergleich: Noch Anfang Mai kostete ein Bitcoin lediglich etwa 5400 Dollar, und am Jahresanfang waren es weniger als 4000 Dollar.

Auch der Wert des gesamten Kryptomarktes ist erneut in die Höhe geschossen: Laut Coinmarketcap beträgt die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen gegenwärtig etwas mehr als 240 Milliarden Dollar. Anfang Januar 2019 betrug der Wert noch weniger als 130 Milliarden Dollar.

Angesichts derart großzügiger Preissteigerungen binnen kurzer Zeit werden Erinnerungen wach an den Kryptohype des Jahre 2017. Anfang Januar jenes Jahres kostete beispielsweise ein Bitcoin etwa 1000 Dollar - im Dezember des gleichen Jahres lag der Preis zeitweise bei etwa 20.000 Dollar. Dann kam der Einbruch: Der Bitcoin crashte 2018 und fiel Anfang 2019 auf Werte von 3300 Dollar und weniger.

Gibt es also tatsächlich bereits den nächsten Hype? Der US-Sender CNBC jedenfalls geht bereits so weit, den Bitcoin als "sicheren Hafen" für Investorengelder zu preisen, angesichts von Aktienmärkten, die durch ein neues Aufkommen des Handelskonflikts zwischen den USA und China einmal mehr in Turbulenzen geraten sind.

Vorsicht dürfte da allerdings geboten sein. Denn wie immer im schwer zu durchblickenden Kryptogeschäft sind die wahren Gründe für die aktuellen Preissteigerungen nur schwer auszumachen. Beobachter verweisen auf die zunehmende Akzeptanz der Kryptowährungen bei institutionellen Playern des Finanzmarktes sowie in der realen Wirtschaft.


manager magazin und Mynd erklären: So funktionieren Kryptowährungen


Die US-Fondsgesellschaft Fidelity etwa, mit einem verwalteten Vermögen von etwa 2,4 Billionen Dollar einer der größten privaten Geldverwalter der Welt, kündigte vor einigen Tagen an, den Bitcoin für ihre institutionellen Kunden zugänglich zu machen. Sie folgt mit dem Schritt Wettbewerbern wie ETrade oder Robinhood, wobei letztere das Investment auch für Privatanleger ermöglichen. Einer Studie zufolge, die Fidelity Anfang Mai veröffentlicht hat, glaubt beinahe jeder zweite institutionelle Kapitalanleger, digitales Geld sei ein Investment wert.

Hinzu kommt: Auch die reale Verwendbarkeit von Kryptogeldern hat sich inzwischen verbessert. Noch sind Bitcoins zwar längst kein gängiges Zahlungsmittel bei der weitaus größten Mehrzahl aller Einzelhändler.

Die Liste der Unternehmen, die das Cybergeld an der Kasse akzeptieren, wird aber länger. Zuletzt kam beispielsweise die US-Lebensmittelkette Whole Foods, die zu Amazon Chart zeigen gehört, dazu. Medienberichten zufolge können Kunden zumindest in den USA zudem bereits bei der Kaufhauskette Nordstrom, in den Cafés von Starbucks, den Baumärkten von Home Depot sowie beim Möbelhändler Crate and Barrel mit Kryptogeldern bezahlen.

Weitere Gerüchte, wonach auch der Onlinehandels- und Auktionsriese Ebay Chart zeigen sowie der US-Broker TD Ameritrade an einer Einführung von Kryptowährungen auf ihren Plattformen arbeiten, haben sich einem Bericht von Bloomberg zufolge zwar inzwischen zerschlagen. Dafür dürften aber die jüngsten Nachrichten aus dem Hause Facebook Chart zeigen dem Markt ebenfalls Auftrieb gegeben haben: Wie das "Wall Street Journal" Anfang Mai berichtete, arbeitet das weltgrößte soziale Netzwerk an einem eigenen Bezahlsystem, das auf einer eigens dafür kreierten Kryptowährung basieren soll.

Gelingt das Vorhaben, das Facebook-intern den Namen "Project Libra" tragen soll, so wäre es laut "WSJ" die größte Mainstream-Applikation für Kryptowährungen bisher. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung loggen sich immerhin mindestens einmal im Monat bei Facebook ein, so die Zeitung - sie alle könnten künftig mit dem neuen Cybergeld womöglich Produkte oder Dienstleistungen kaufen und bezahlen.

Dem Bericht zufolge plant die Firma von Gründer und Chef Mark Zuckerberg zu dem Zweck Investments im Volumen von etwa einer Milliarde Dollar, wobei bereits mit Finanzkonzernen wie Visa Chart zeigen, Mastercard sowie dem Zahlungsabwickler First Data gesprochen werde.

Wie stabil ist der Tether?

Es gibt also einige Gründe, warum Investoren neue Hoffnungen auf den Bitcoin setzen. Ob die aktuellen Preisanstiege allein dadurch zu erklären sind, erscheint jedoch zweifelhaft. Eine wichtige Rolle dürften vielmehr auch Finanzströme spielen, die innerhalb des Kryptomarktes stattfinden - und die geben einigen Anlass, an der Solidität des aktuellen Preisaufschwungs zu zweifeln.

Die Rede ist von einer weiteren Kryptowährung namens Tether, die zuletzt zunehmend ins Zwielicht geraten ist. Angeblich handelt es sich bei Tether um einen sogenannten Stable Coin: Der Wert dieses Cybergeldes soll weniger schwankungsanfällig sein als jener der Konkurrenz, weil jeder Tether-Coin eins zu eins durch einen Dollar gedeckt sei, so die Anbieter. Wasserdicht belegen konnten sie das jedoch bislang nicht.

Zuletzt kamen zusätzliche Zweifel an der Seriosität von Tether auf: Die Staatsanwaltschaft von New York ermittelt gegen die Macher des Cybergeldes wegen dubioser Geldströme in Höhe von bis zu 850 Millionen Dollar. Mit den Geldern sollen Löcher an der Kryptoplattform Bitfinex gestopft worden sein, hinter der die gleichen Verantwortlichen stehen, wie hinter Tether.

Zwar weisen die Beschuldigten die Vorwürfe zurück. Die Akteure am Kryptomarkt reagierten dennoch verunsichert, wie Fachmedien beobachtet haben.

Doch was hat das alles mit dem allgemeinen Kryptohype zu tun? Berichten zufolge wird Tether von vielen Handelsbörsen als Dollar-Ersatz genutzt. Kritiker erkennen darin einen Weg, die Kryptokurse künstlich aufzupumpen. Beim Bitcoin etwa, der wichtigsten und meistbeachteten Kryptowährung, entfallen lediglich rund sechs Prozent des Handels auf Geschäfte, die in US-Dollar getätigt werden. Der japanische Yen sowie der Euro kommen beim Bitcoin jeweils auf nicht einmal ein Prozent. Ganze 36 Prozent der Bitcoingeschäfte dagegen werden in Tether bezahlt, so "Heise-Online".

Das kann vermutlich zweierlei bedeuten. Zum einen handelt es sich womöglich bei mindestens einem Drittel der Bitcoinkäufer im aktuellen Markt nicht um schlecht informierte Privatanleger, sondern um Akteure, die sich einigermaßen mit dem Kryptothema auskennen dürften. Und zum anderen wird der aktuelle Anstieg des Bitcoinkurses offenbar zum Großteil durch eine Währung getragen, deren Validität selbst eher zweifelhaft erscheint. Letzteres dürfte kaum für einen soliden, verlässlichen Preisaufschwung sprechen.

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Seite 1
Haarfoen 15.05.2019
1. Bitcoin = CO²- Wahnsinn
Enttäuschender Artikel, nicht mehr zeitgemäß und von gestern. Die digitale Produktion von Bitcoins verbraucht Unmengen an Energie und ist deshalb extrem CO²- intensiv. Die Gesamtproduktion von Bitcoins verbraucht nach einer Schätzung von Prof. Harald Lesch soviel wie der Gesamtverbrauch an Strom von Dänemark mit stark zunehmender Tendenz. Kein Mensch braucht diese Krypto- Währungen, außer profitgierige Geier. Insoweit braucht es ein Verbot für die Produktion und den Handel mit/von diesem klimaschädlichen Unfug. Die Gewinne zahlen nachfolgende Generationen, die an dem CO² zugrunde gehen. Weg damit - sofort!
Knossos 15.05.2019
2.
Selbst technisch nix von Kryptowährungen verstehend, scheint mir aber, daß sie eine Chance bedeuten, besserer und sicherer über Herkunft von Waren informiert zu sein, als auch vor pekuniären Einkeilern und Halsabschneidern bewahrt zu werden. Zudem muß diese Geldform nicht von aktuellen Mängel behaftet bleiben. Meinersich weiß von einem sehr versierten Informatiker, der an einer Cryptowährung arbeitet, mit der kein Energie intensives Mining mehr anzuliegen hat, Stabilitätsproblem durch Automatisation der Preisindikatoren auf der Blockchain gelöst werden, und auch Geldmengensteuerung auf der Blockchain auf solche Weise stattfinden soll. Wie wir uns erinnern, wurde manche technische Neuerung -wie z.B. die Kreditkarte oder der Internethandel- nach erstem Anlauf totgesagt, um heute funktionierender Bestandteil des Alltags zu sein.
Klaatu Barada Nikto 15.05.2019
3. Über 75% aus regenerativen Energien
Die Bitcoin-Miner verbrauchen inzwischen zu fast 80% Strom aus regenerativen Energiequellen. Tendenz steigend. Ich habe eine recht hohe Meinung von Prof. Lesch, aber dessen Wissensstand scheint hierbei überholt oder sein Beitrag dazu schon etwas älter zu sein. Wenn unsere Industrie nur ihren Stromverbrauch innerhalb der nächsten 10 Jahre zu 80% aus regenerativen Quellen beziehen würde. Und etwas dezentrales wie Bitcoin kann man nicht per Gesetz verbieten, jedenfalls nicht erfolgreich. Das ist ja Der Clou daran. Demnächst bringt HTC ein Smartphone auf den Markt, das eine Bitcoin-Fullnode betreiben kann. Das wird die Dezentralität nochmal immens ansteigen lassen. Der Artikel übrigens ist äußerst aktuell, akkurat und angenehm neutral gehalten.
Gedanke 15.05.2019
4. Dekoration = CO²- Wahnsinn
Zitat von HaarfoenEnttäuschender Artikel, nicht mehr zeitgemäß und von gestern. Die digitale Produktion von Bitcoins verbraucht Unmengen an Energie und ist deshalb extrem CO²- intensiv. Die Gesamtproduktion von Bitcoins verbraucht nach einer Schätzung von Prof. Harald Lesch soviel wie der Gesamtverbrauch an Strom von Dänemark mit stark zunehmender Tendenz. Kein Mensch braucht diese Krypto- Währungen, außer profitgierige Geier. Insoweit braucht es ein Verbot für die Produktion und den Handel mit/von diesem klimaschädlichen Unfug. Die Gewinne zahlen nachfolgende Generationen, die an dem CO² zugrunde gehen. Weg damit - sofort!
Enttäuschender Artikel, nicht mehr zeitgemäß und von gestern. Die physische Produktion von Dekoration verbraucht Unmengen an Energie und ist deshalb extrem CO²- intensiv. Die Gesamtproduktion von Deko-Artikeln verbraucht nach einer Schätzung von Prof. Gedanke soviel wie der Gesamtverbrauch an Strom von Dänemark mit stark zunehmender Tendenz. Kein Mensch braucht diesen Deko-Kram, außer profitgierige Geier. Insoweit braucht es ein Verbot für die Produktion und den Handel mit/von diesem klimaschädlichen Unfug. Die Gewinne zahlen nachfolgende Generationen, die an dem CO² zugrunde gehen. Weg damit - sofort! ---- Ich war so frei und habe Ihr geistiges Eigentum geklaut und etwas angepasst ;-) Im Ernst, es gibt auch positive Aspekte der Blockchain und es werden eine Menge anderer Dinge gemacht die weniger Nutzen haben und der Menschheit trotzdem heilig sind...
zeichenkette 15.05.2019
5. Tja
Dass die Produktion von Bitcoins so energieaufwendig ist und immer aufwendiger wird, ist für eine solche Währung unabdingbar, denn nur so kann man sicherstellen, dass nicht jeder einfach so viele produziert, wie er gerne hätte. Dass das damit erst einmal zu einem Spekulationsobjekt wird, stimmt aber natürlich auch.
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