Sparkurs beim Autohersteller BMW kürzt Mitarbeitern die Erfolgsprämie

BMW hat sich mit seinen Mitarbeitern auf ein Sparpaket geeinigt. Die Gewinnbeteiligung soll stark sinken. Konzernchef Zipse sprach von einer "solidarischen Lösung" - und verzichtet auf Stellenstreichungen.

BMW-Fertigung in Leipzig
imago images / PAN-IMAGES/Nordmann

BMW-Fertigung in Leipzig


Der Autohersteller BMW verzichtet in seinem Sparpaket "Next" auf Stellenstreichungen. Dafür werde ab dem kommenden Jahr die Erfolgsprämie für die Arbeitnehmer um knapp 20 Prozent gekürzt. Das teilte das Unternehmen nach einer Betriebsversammlung mit. 2019 zahlte BMW 9175 Euro. Zudem werden die Erfolgsprämie und das Weihnachtsgeld für Arbeitnehmer mit 40-Stunden-Vertrag künftig auf Basis einer 35-Stunden-Woche ausbezahlt.

"Damit können wir auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken", sagte BMW-Chef Oliver Zipse. Gesamtbetriebsratschef Manfred Schoch sprach davon, die "einzigartige Erfolgsbeteiligung" bei BMW habe langfristig abgesichert werden können. Dafür habe die Arbeitnehmervertretung in sechs Verhandlungen "intensiv" gerungen. Zudem sei es gelungen, einen dividendenabhängigen Altersbaustein einzuführen. Das sei einmalig in der Autoindustrie.

Auch bei den 40-Stunden-Verträgen haben Betriebsrat und Autohersteller zu einem Kompromiss gefunden. So soll die Möglichkeit, dass Mitarbeiter freiwillig ihre Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen und entsprechend höher bezahlt werden, nicht pauschal reduziert werden.

Allerdings müssen auch diese Mitarbeiter Einbußen hinnehmen. Künftig werden ihr Weihnachtsgeld und ihre Erfolgsbeteiligung nämlich nicht mehr auf Basis des 40-Stunden-Einkommens, sondern auf Basis der normalen 35-Stunden-Woche berechnet.

Sparpaket wegen rückläufiger Geschäfte

Die Kürzungen sind Teil eines Sparpakets, mit dem BMW die Kosten bis 2022 um mehr als zwölf Milliarden Euro senken und die Ertragskraft stabilisieren will. Dazu gehört auch eine Verringerung der Zahl der Zeitarbeitskräfte und ein Personalabbau in der Verwaltung. Hintergrund sind die zuletzt stark verschlechterten Geschäfte bei dem Autohersteller. Der Gewinn war 2018 um 16,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro eingebrochen. Der Umsatz ging dagegen nur leicht um 0,8 Prozent auf 97,5 Milliarden Euro zurück.

"Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat eine solidarische Lösung erzielt", sagte Zipse zum nun erzielten Kompromiss. "Damit können wir auf drastische Maßnahmen verzichten, die andere gerade ergreifen, um ihre Kosten zu senken." Anders als beim Konkurrenten Audi, der diese Woche ankündigte bis 2025 Tausende Stellen abbauen zu wollen, sollen die Arbeitsplätze bei BMW erhalten bleiben.

apr/dpa/Reuters

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insgesamt 58 Beiträge
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omop 27.11.2019
1. Jammern auf sehr hohem Niveau..
in der höchsten Tarifgruppe liegt die Erfolgsbeteiligung deutlich über dem Artikel genannten Betrag, wohl eher bei 15000€. Für mich ist das keine wirkliche Kürzung, sondern eine Anpassung an wirtschaftliche Gegebenheiten...
MisterD 27.11.2019
2. Unausweichlich...
aber interessant wäre natürlich, ob der BMW-Vorstand und die Aktionäre ebenfalls verzichten müssen, zum Beispiel auf Boni oder Dividende...
r_dawkins 27.11.2019
3. Aha, solidarische Lösung also
Gewinn ist also auf 7,2 Milliarden Euro "eingebrochen"... GEWINN! Na dann müssen die Arbeitnehmer natürlich herhalten, ganz klar. Wenn ich König wäre, würde ich erstmal den ganzen Aktienmarkt "reformieren". Weg von der Dividende hin zum Arbeitnehmer!
Henson 27.11.2019
4. Verständlich
Bei nur 7,2 Milliarden Euro Gewinn muss man starke Einschnitte machen. Immerhin sind die Mitarbeiter mit daran Schuld. Die hätten halt mal besser arbeiten sollen, dann wäre es nicht so weit gekommen.
baumpick 27.11.2019
5. Gewinn eingebrochen!!
Da kommen einem echt die Tränen: "Der Gewinn war 2018 um 16,9 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro eingebrochen." Wenn der Gewinn auf lächerliche 7,2 Milliarden Euro eingebrochen ist, muss man dringend bei den Mitarbeitern (die diesen Gewinn erwirtschaftet haben) sparen, ist doch logisch ...
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