Chefwechsel beim Autokonzern Wie BMW sich neu erfinden will

Unter dem scheidenden Chef Harald Krüger hat BMW seinen Vorsprung bei der E-Mobilität verspielt. Jetzt wird sein Nachfolger gekürt - er soll dem Konzern so schnell wie möglich eine neue Strategie verpassen.

BMW-Werk in Leipzig
Sebastian Willnow/DPA

BMW-Werk in Leipzig

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Der neue BMW-Chef wird an einem Ort gekürt, der für den Autokonzern eine besondere Bedeutung hat: Das US-Werk in Spartanburg ist die größte BMW-Fabrik der Welt.

Am Donnerstag kommen dort die Aufsichtsräte des Premiumherstellers zusammen. Sie diskutieren, wer den Konzern in die Zukunft führen soll. Gegen 22 Uhr deutscher Zeit soll dann die Entscheidung stehen, wer dem scheidenden Vorstandschef Harald Krüger nachfolgt. Fest steht: Der Neue soll sein Amt möglichst umgehend antreten.

Favorit ist der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse, 55. Das hat der SPIEGEL aus Konzernkreisen erfahren. Zipse hat seine ganze Karriere bei BMW verbracht, zeitweise auch als Strategiechef. Führungskräfte beschreiben ihn als umgänglich und kompromissbereit, aber auch als durchsetzungsfähig. Zipses Manko ist, dass er bislang nach außen kaum in Erscheinung getreten ist. Wichtigen Entscheidungsträgern wie Investoren oder Politikern ist er kaum bekannt.

Der andere Kandidat für den Chefposten genießt dagegen Prominenz in der Autobranche: Klaus Fröhlich, 59, präsentierte als Entwicklungschef oft die neuesten BMW-Modelle. Mit dem Konkurrenten Daimler hat er außerdem eine Kooperation ausgehandelt. Fröhlich gilt bei BMW als technischer und strategischer Vordenker. Allerdings hat er sich in der Vergangenheit mehrfach mit dem mächtigen Betriebsrat angelegt.

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Die Vorbehalte der Arbeitnehmer gegen Fröhlich dürften am Ende den Ausschlag geben, dass wohl Zipse den Zuschlag für den Chefposten erhält. Ihm wird eher zugetraut, bei BMW nicht nur den technischen Wandel durchzusetzen, sondern auch die Belegschaft dabei mitzunehmen.

Allerdings will der Aufsichtsrat auch Fröhlich nicht verlieren. In seiner Rolle als Entwicklungschef halten ihn die Kontrolleure derzeit für unverzichtbar. Fröhlichs auslaufender Vertrag wird deshalb aller Voraussicht bis 2022 verlängert - obwohl der Manager nächstes Jahr die interne Altersgrenze von 60 Jahren erreicht.

Egal, wer am Ende den Zuschlag erhält: Dem neuen Chef bleibt kaum Zeit zur Einarbeitung. Bis zur Automobilausstellung IAA im September soll eine neue, mutigere Konzernstrategie stehen. Oberste Priorität hat das Ziel, BMW in eine CO2-neutrale Zukunft zu führen.

Dabei spielen Elektroautos eine wichtige Rolle. Bei der E-Mobilität hat BMW seinen einstigen Vorsprung in den vergangenen Jahren verspielt. Der Konkurrent Volkswagen investiert deutlich höhere Summen in Batteriefahrzeuge und setzt sich ehrgeizigere Ziele.

In einem Punkt grenzt sich BMW deutlich von VW ab. Zusätzlich zur elektrischen Mobilität will der Premiumhersteller stärker als bisher auch auf eine andere Antriebsart setzen: Wasserstoff. Noch in diesem Jahr, so die Idee, könnte BMW ein Wasserstoffauto vorstellen. Bei dieser Technik arbeitet BMW mit dem japanischen Autokonzern Toyota zusammen.

Der technische Wandel setzt derzeit die ganze Autobranche unter Druck. BMW, Daimler und VW müssen Milliarden in neue Antriebe investieren, gleichzeitig kühlt die Konjunktur ab - auch in bisherigen Wachstumsmärkten wie China. Hinzu kommen politische Unsicherheiten: Die Autobosse fürchten sich vor US-Präsident Donald Trump und seiner Drohung, Strafzölle auf Autos aus Europa zu erheben.

Die BMW-Aufsichtsratssitzung in Spartanburg ist auch ein Signal an die amerikanische Regierung. Im Werk sind diese Woche Auftritte prominenter Politiker geplant: Der Konzern hat den Gouverneur, den Senator und den Wirtschaftsminister des Bundesstaates South Carolina in seine Produktionsstätte eingeladen. Die Regierung Trump soll erkennen, welch große Bedeutung der Standort USA für BMW hat. Und umgekehrt.



insgesamt 55 Beiträge
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pizzerino 17.07.2019
1. Strategie war nicht das Problem.
In der Zeit des Dieselskandal und E-Hype hat es Krüger offensichtlich nicht geschafft BMW medial von den Betrügereien des Volkswagenkonzerns abzugrenzen. BMW wird hier in einem Atemzug mit VW genannt. Schlimmer strategischer Fehler. Gleicher Fehler bei der E-Mobilität. Strategie gut, mediale Vermittlung offensichtlich unzureichend. Sowas muss Folgen haben. Die Show in USA stattfinden zu lassen ist schlau. Hier kann man jene kostenlos bauchpinseln die auf sowas stehen.
lomax3030 17.07.2019
2.
Der i3 ist ein tolles Auto. Darauf muss man aufbauen. Besser spät als nie. Wir stehen ja erst am Anfang der Elektro-Revolution.
freiherr 17.07.2019
3. Zu früh eingestampft....
Hätte BMW Ende der 90er Jahre, nicht Ihre Brennstoffzellenflotte eingestampft, wären sie heute sicherlich Marktführer.... schade
HanzWachner 17.07.2019
4. Solange BMW...
...mehr an Rendite als an Innovation interessiert ist wird sich nicht viel ändern. Ein Umdenken im Preis-Leistungsverhältnis, um E-Autos für alle Käuferschichten zu entwickeln, fällt dem bisherigen "Premium"-Hersteller offenbar schwer.
c.PAF 17.07.2019
5.
Zitat von lomax3030Der i3 ist ein tolles Auto. Darauf muss man aufbauen. Besser spät als nie. Wir stehen ja erst am Anfang der Elektro-Revolution.
Satire? Es ist evtl. ein gutes Nischenprodukt. Ein Auto ist das, was ich bzw. meine Familie sinnvoll nutzen kann. Ein i3 ist von uns nicht sinnvoll nutzbar, und das hängt nicht mit der Reichweite zusammen. Es scheitert nämlich schon daran, daß ein ganz normaler Wocheneinkauf mangels Platz damit nicht möglich ist. Und wir sind nur 4 Personen.
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