Dieselaffäre Autokartell vor möglichen EU-Kartellstrafen

Jahrelang haben sich deutsche Autobauer bei der Abgasreinigung abgesprochen. Nun rücken Strafen der EU-Kommission ein deutliches Stück näher.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager
DPA

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager


VW, Daimler und BMW müssen nach langwierigen Ermittlungen der EU-Kartellwächter an diesem Freitag mit detaillierten Vorwürfen rechnen. Die EU-Kommission verdächtigt die Autokonzerne, durch Absprachen Wettbewerb bei der Verringerung von Abgasen vermieden zu haben. Die Hersteller sollen sich bei der Größe von AdBlue-Tanks illegal abgesprochen und zudem vereinbart haben, keine Partikelfilter in Otto-Motoren einzubauen, mit denen man den Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Feinstäuben hätte reduzieren können. Die Absprachen hatte der SPIEGEL aufgedecktund in mehreren Geschichten beschrieben.

Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge will Brüssel seine sogenannte Beschwerdemitteilung an die drei Konzerne am Freitag verschicken. In der nicht öffentlichen Mitteilung stellt die Kommission das Ergebnis ihres seit einem halben Jahr laufenden Ermittlungsverfahrens samt der Angaben von Daimler und VW dar, die beide Kronzeugenstatus beantragt hatten und damit straffrei zu bleiben hoffen. Nach der Beschwerdemitteilung haben die Konzerne eine Frist für Stellungnahmen, einige Monate später wird dann die Entscheidung erwartet. Bei Kartellverstößen drohen hohe Bußgelder.

VW-Zentrale in Wolfsburg
U. Baumgarten via Getty Images

VW-Zentrale in Wolfsburg

Ein Sprecher der EU-Kommission wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Ein BMW-Sprecher sagte, Mitarbeiter hätten mit Kollegen der anderen Konzerne über eine technikoffene Lösung zur Verringerung des Feinstaubausstoßes von Benzinmotoren und über den Aufbau einer Infrastruktur für Harnstoffbetankung von Dieselautos gesprochen. Es sei nie das Ziel gewesen, Fortschritte zu verhindern. Daimler und VW wollten sich nicht äußern.

hej/dpa



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