Wiederzulassung von 737 Max FAA weist Boeing zurecht

Die Abstürze zweier 737 Max haben Boeing eine tiefe Krise beschert. Jetzt warnt die US-Luftfahrtaufsicht FAA den Konzern auch noch vor einem unrealistischen Zeitplan für die Wiederzulassung seines Unglücksfliegers.
Boeing 737 Max von Southwest Airlines: Die Fluglinie bekommt eine Millionenentschädigung

Boeing 737 Max von Southwest Airlines: Die Fluglinie bekommt eine Millionenentschädigung

Foto: Ted S. Warren/ DPA

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hat Boeing deutlich zu verstehen gegeben, dass der Konzern nicht auf eine rasche Wiederzulassung des Modells 737 Max setzen kann. In einer am Donnerstag veröffentlichten E-Mail mahnte die Behörde den Flugzeugbauer zudem, sich mit öffentlichen Äußerungen zum Zertifizierungsprozess zurückzuhalten.

Die große US-Fluggesellschaft American Airlines strich angesichts der großen Ungewissheit um den Problem-Jet zahlreiche weitere 737-Max-Flüge. An der Börse gerieten Boeings Aktien spürbar unter Druck.

FAA-Chef Steve Dickson habe Bedenken, dass der Flugzeugbauer einen "unrealistischen" Zeitplan verfolge, warnte die Behörde Boeing in der E-Mail. Dickson und Boeing-Chef Dennis Muilenburg seien im Laufe des Tages noch zu Gesprächen verabredet, teilte die Aufsicht mit. Bei dem Treffen gehe es darum, sicherzustellen, dass Boeing sich über die Vorstellungen der FAA beim weiteren Wiederzulassungsverfahrens im Klaren sei. Dickson wolle auch ansprechen, dass einige öffentliche Statements von Boeing offenbar dazu dienen sollten, den Druck auf die FAA zu erhöhen, sich bei der Zertifizierung zu beeilen.

Boeing-Aktie unter Druck

Boeing hatte im November Zuversicht verbreitet, dass die FAA die Verbesserungen an der 737 Max noch vor dem Jahreswechsel abnickt. Dem hatte Dickson bereits am Mittwoch eine Absage erteilt. An der Börse nehmen nun die Sorgen zu, dass der Airbus-Rivale seine 737-Produktion weiter drosseln oder gar aussetzen muss. Davor hatte Muilenburg bereits gewarnt für den Fall, dass sich die Wiederzulassung des Krisenjets weiter verzögert. Boeings Aktien gerieten am Donnerstag zeitweise deutlich ins Minus. Die 737 Max - Boeings bestverkauftes Flugzeug - darf wegen zwei Abstürzen binnen fünf Monaten seit März nicht mehr abheben. Insgesamt starben 346 Menschen bei den Unglücken.

American Airlines teilte am Donnerstag mit, die 737 Max voraussichtlich bis zum 7. April nicht mehr einzusetzen. Damit würde die Zwangspause des Unglücksfliegers länger als ein Jahr dauern. Betroffene Airlines mussten wegen des Ausfalls bereits zahlreiche Flüge streichen. In den USA haben neben American die großen heimischen Fluggesellschaften Southwest und United Airlines den Krisenflieger in ihren Flotten. In Europa zählen unter anderem der Billigflieger Ryanair und der Reisekonzern Tui sowie der Lufthansa-Ableger Sunexpress zu Boeings 737-Max-Kunden.

Southwest Airlines erhält von Boeing Entschädigung

Die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines erhält vom Boeing-Konzern finanzielle Entschädigungen wegen des weltweiten Flugverbots für Maschinen des Typs. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem US-Flugzeugbauer gab Southwest Airlines am Donnerstag bekannt, ohne die Höhe der Entschädigung zu nennen. Der größte Abnehmer der Boeing 737 Max erklärte aber, 125 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter weitergeben zu wollen.

nck/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.