Probleme mit der 737 Max Größter Boeing-Investor sorgt sich um Flugsicherheit

Der Investmentfonds Vanguard ist Boeings größter Einzelaktionär - und offenbar unzufrieden mit dem Sicherheitsmanagement des Konzerns.

737 Max Jets in Oklahoma
REUTERS

737 Max Jets in Oklahoma


Boeings größter Einzelaktionär - mit 7,1 Prozent der Anteile ist das die US-Investmentgesellschaft Vanguard - äußert sich "sehr besorgt" über die Lage beim US-Flugzeughersteller. Grund dafür ist offenbar die schleppende Aufarbeitung der beiden Abstürze von zwei Maschinen des Typs Boeing-737 Max, berichtet die "Financial Times".

Vanguard hat sich deshalb eigens in einem Schreiben an die Boeing-Führung gewandt. Der Großinvestor fordert darin, dass das Boeing-Management "die Sicherheit der Flugzeuge beständig überwacht und aufrechterhält".

Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Offenbar haben Vanguard allerdings Berichte aufgeschreckt, dass Boeing bei der Konstruktion des Jets, der Programmierung der Software und der Entwicklung des Trainingsprogramms der Piloten massive Fehler gemacht hat.

Zuletzt musste Boeing gegenüber der Luftfahrtbehörde FAA einräumen, dass möglicherweise sogar fehlerhafte Teile in Fliegern verbaut wurden. Das gab die FAA Anfang Juni bekannt. Zudem ist die seit Längerem von Boeing angekündigte, verbesserte Steuerungsoftware noch immer nicht einsatzbereit. Wann die Jets des Typs 737 Max wieder fliegen können, ist deshalb völlig unklar. Seit März gilt ein weltweites Flugverbot für die Maschinen.

Der Brandbrief von Vanguard ist dabei auch eine Reaktion auf den Druck, dem sich der Fonds in der Angelegenheit selbst ausgesetzt sieht. So hat der US-Politiker und Verbraucherschutz-Aktivist Ralph Nader nach den Abstürzen Vanguard aufgefordert, eine unabhängige Untersuchung der Unglücke anzustoßen. Laut "FT" hat Vanguard eine Kopie des an Boeing Chart zeigen gerichteten Schreibens auch Nader geschickt.

beb

insgesamt 25 Beiträge
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Nubari 08.06.2019
1. Alarmglocken läuten reichlich spät
Die Kommunikation des Flugzeugbauers ist mangelhaft und erst nach und nach zeigt sich, dass dies in starkem Maße auch auf die internen Abläufe zutrifft. MCAS hätte als wichtige Neuerung und als Eingriff in die Steuerung den Piloten im Detail erklärt und die Handhabe trainiert werden müssen. Die konstruktiven Eingriffe in das 50 Jahre alte Baumuster überlasten die Flugstabilität, weshalb es MCAS bedurfte, um diese überhaupt noch zu gewährleisten. Ein solches System derart nonchalant einzuführen und die Crews am iPad zu schulen ist verantwortungslos. Hier hatten sich Marketing und (Kosten-)Controlling gegen den gesunden Menschenverstand und gegen ungeschriebene Regeln der Luftfahrtindustrie durchgesetzt, mutmaßlich begünstigt durch die enge Vernetzung mit der Aufsichtsbehörde und der jeweiligen Regierung. Eine gefährliche Konstellation ist da entstanden, die offenbar noch nicht aufgearbeitet worden ist, geschweige denn in Ordnung gebracht. Die technischen Probleme mit MCAs sind schon schlimm genug. Schlimmer ist, dass das Problemmanagement durch Boeing das einstige Vertrauen in die Produkte verspielt hat und keinerlei Einsicht oder gar Besserung zu spüren ist.
ddcoe 08.06.2019
2. Etwas spät
Der Ruf von Boeing ist erst einmal ruiniert und es wird Jahre dauern wieder Vertrauen aufzubauen. Ich als beruflicher Vielflieger werde so eine Kiste nicht mehr betreten.
equigen 08.06.2019
3. Wer hätte das gedacht
Ein Finanzinvestor setzt sich für die Flugsicherheit ein. Gibt es ein deutlicheres Sicnal für das Versagen der FAA? Die hätte das sicher stellen müssen.
m.klagge 08.06.2019
4. Ah, eine neue Versoin des Märchens
von der verantwortungsvollen Heuschrecke. Voll geil. Welche Drogen muss man nehmen um solche Geschichten zu produzieren und wie weltfremd, um sie zu glauben? Es geht einzig und allein um Geld. Geld und Gewinne, die zur Zeit bei Boeing nicht stattfinden. Ende der Geschichte.
shardan 08.06.2019
5. Bezeichnend
Es ist schon bezeichnend, wenn sich ein Großinvestor für die - fraglos teure - Flugsicherheit einsetzt und das auch noch öffentlich macht. Der Druck kommt für Boeing von einer Seite, die man nur schwer ignorieren oder ruhigstellen kann. Gut so.
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