"Verlorenes Vertrauen" Indonesien storniert Bestellung von 49 Boeings 737 Max

Die indonesische Fluggesellschaft Garuda reagiert auf die jüngsten Abstürze von zwei Boeings 737 Max: Sie hat den Kauf von 49 Maschinen dieses Typs widerrufen - die Passagiere hätten das Vertrauen verloren.

Maschinen vom Typ Boeing 737 Max in Renton, Washington
Lindsey Wasson / REUTERS

Maschinen vom Typ Boeing 737 Max in Renton, Washington


Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda hat eine Milliarden-Bestellung über 49 Passagiermaschine des Typs Boeing 737 Max rückgängig gemacht.

Die Fluglinie begründete dies am Freitag mit verlorenem Vertrauen nach dem Absturz von zwei baugleichen Flugzeugen mit insgesamt mehr als 340 Toten innerhalb der vergangenen sechs Monate. Eine der abgestürzten Maschinen gehörte der indonesischen Billigfluglinie Lion Air, die andere der äthiopischen Fluggesellschaft Ethiopian Airlines.

Garuda ist die größte Fluggesellschaft des südostasiatischen Landes. Der Wert der jetzt stornierten Bestellung liegt nach Listenpreis bei mehr als vier Milliarden Euro. Bislang hat Garuda nur eine einzige solche Maschine des US-Konzerns Boeing Chart zeigen in ihrer Flotte. Vermutet wird, dass das Flugzeug jetzt verkauft oder an Boeing zurückgegeben wird. Der Auftrag über insgesamt 50 Maschinen stammte aus dem Jahr 2014.

Die Boeing 737 Max 8 des Konkurrenten Lion Air war am 29. Oktober kurz nach dem Start in Indonesiens Hauptstadt Jakarta ins Meer gestürzt. Alle 189 Insassen kamen ums Leben. Beim Absturz einer baugleichen Maschine in Äthiopien starben in diesem Monat 157 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Nach den beiden Abstürzen dieser neuen Boeing-Typen innerhalb kurzer Zeit gilt bis zur genauen Klärung der Ursachen ein Startverbot für die Serie 737 Max - alle Flugzeuge müssen am Boden bleiben. Erste Auswertungen von Daten hatten ergeben, dass es bei den Abstürzen der Maschinen der Gesellschaften Lion Air und Ethiopian Airlines Ähnlichkeiten gegeben haben könnte. Zudem hatte es Berichte von Piloten gegeben, die in letzter Minute eine infrage stehende Software ausgeschaltet hatten und so Schlimmeres verhindern konnten.

Nach den beiden Abstürzen wird die Zulassung von Boeings 737 Max durch die US-Luftfahrtbehörde FAA inzwischen mit großem Argwohn betrachtet. Skepsis ruft vor allem die Freigabe der umstrittenen Steuerungssoftware MCAS hervor, die laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Absturz in Indonesien spielte und auch beim jüngsten Crash in Äthiopien als mögliche Ursache gilt.

Videoanalyse zu Lion-Air: "Wir müssen uns die Lage dramatisch vorstellen"

SPIEGEL ONLINE

aar/dpa/AFP

insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000015195 22.03.2019
1. Aha
Vor wenigen Tagen gab es hier ein Interview mit einem Experten, der sehr überzeugt gesagt hatte, dass sicher keine Airline ihre Bestellungen stornieren würde, weil Alternativen fehlen. Offenbar sehen das die Airlines anders.
Spiegulant 22.03.2019
2. Erledigt
Die 737Max ist damit erledigt. Welcher Passagier steigt denn noch freiwillig in diesen "Todes-Flieger" ein?
stenkelwelt 22.03.2019
3. Software Tester
Wie stellt man eigentlich fest, ob eine Änderung in der MCAS Software funktioniert? Wartet man dann auf den nächsten Absturz? Fragen über Fragen, vermutlich ohne Antwort.
tosi01 22.03.2019
4. Warum
sollte man, sofern man für die Kunden Verantwortung übernehmen will bzw. muss, diesen amerikanischen Schrott kaufen!!! Es gibt andere technisch ausgereiftere Flugzeuge auf dem Markt ! Also, ich als Vielflieger werde mich in keine in den USA hergestellten Flugzeuge mehr setzen, das Vertrauen ist absolut dahin - nicht nur in Boeing sondern auch in Tesla sowie anderer US-Produkte. Es ist teurer und darüber hinaus noch schlechter Schrott.
spiegelzeit 22.03.2019
5. Dass eine südostasiatische Linie...
...den wichtigsten Schritt geht, den Flieger endgültig vom Himmel zu nehmen ist eigentlich ein Witz. Dieses Flugzeug darf nie wieder aufsteigen.
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