Nach Flugzeugabstürzen Boeing drosselt Produktion der 737 Max

Nach neuen Meldungen über Software-Probleme greift Boeing erstmals durch und will nun weniger 737-Max-Maschinen herstellen. Der Kunde Ethiopian Airlines kündigte ebenfalls Konsequenzen an.

Bleiben weiter am Boden: Boeings Maschinen der Baureihe 737 Max
Frederik Ureel/DPA

Bleiben weiter am Boden: Boeings Maschinen der Baureihe 737 Max


Boeing hat nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate mitgeteilt, die Produktion der 737-Max-Reihe herunterzufahren. Die monatliche Fertigungsrate werde ab Mitte April um zehn auf 42 Maschinen gedrosselt, teilte das Unternehmen mit.

Zuvor hatte der Konzern geplant, die Produktion der bestverkauften Modellserie bis zum Sommer deutlich zu erhöhen. Nach Unglücken mit zwei baugleichen Maschinen in Indonesien und Äthiopien hat der Boeing dieses Vorhaben geändert. Konzernchef Dennis Muilenburg bezeichnete die Produktionskürzung allerdings als vorübergehende Maßnahme.

Wegen der noch nicht abschließend geklärten Unfallursachen und Problemen mit einer Steuerungssoftware waren weltweit Startverbote gegen den Typ 737 Max 8 erlassen worden.

In der Nacht auf Freitag hatte das Unternehmen Probleme mit einer weiteren Software eingeräumt. Diese seien bei der Überarbeitung des umstrittenen Steuerungsprogramms MCAS festgestellt worden, stünden aber nicht in direktem Zusammenhang damit. Die Aktien von Boeing an der US-Börse gaben nach den neuen Meldungen um ein Prozent nach.

Ehtiopian Airlines denkt über Stornierung nach

Zudem erwägt die von dem zweiten Absturz betroffene Ethiopian Airlines eine Stornierung von 25 zusätzlichen 737-Max-Maschinen. Grund sei das schlechte Image, das die Modellreihe nun habe, sagte der CEO der Airline, Tewolde GebreMariam, dem Magazin "Bloomberg". GebreMariam sprach einem "Stigma". "Wir hatten einen tragischen Unfall vor zwei Wochen und unsere Kunden haben diesen immer noch in ihrem Kopf. Es wird schwer, diese Kunden zu überzeugen."

Boeing habe bisher fünf der 30 bestellten Maschinen an Ethiopian Airlines ausgeliefert, inklusive der verunglückten. Die weiteren 25 Maschinen werde das Unternehmen zurzeit nicht annehmen - oder vielleicht auch nie, sagte GebreMariam.

Die Airline warte auf die Behebung der Probleme - und auf eine Zertifizierung durch die FAA, der Bundesluftfahrtbehörde der USA, und andere Regulierungsbehörden.

hba/dpa

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insgesamt 72 Beiträge
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seit1958 06.04.2019
1. GebreMariam spricht aus
was in den Köpfen vieler, wenn nicht aller Besteller der 737Max herumgeistert. Der Passagier mag zwar gerne billig fliegen, aber ungern seine Reise in Angstzuständen beim Einsteigen in eine 737Max beginnen. Die Stornowelle beginnt zu rollen und wird eine Lawine lostreten. Das Ding ist dem Reisenden nicht meht vermittelbar.
amon.tuul 06.04.2019
2. the elephant in the room
Boeing und FAA haben einen Skandal produziert, der eigentlich so groß ist daß die Medien ihn nicht sehen wollen. Im Grunde genommen ist die 737 max 8 ein aerodynamisch instabiles Flugzeug, daß offenbar nur mit korrigierender Computerhilfe flugtauglich ist. Mag sein, daß man daran justieren kann, ja, aber es handelt sich um Laborversuche. Diese Experimente sind aber nur notwendig, weil die neuen sparsamen Triebwerke wegen ihres Durchmessers nicht für die 737 geeignet ist. Viel sicherer ist es, niemals wieder Passagiere in eine 737 max zu setzen.
heissSPOrN 06.04.2019
3.
Die bauen das Ding einfach weiter, bevor sie wissen, ob da jemals ein sicheres Flugzeug draus wird? Heute mache ich drei Extra-Kreuze, dass TTIP gescheitert ist!
raoul2 06.04.2019
4. Nur ein "Stigma"?
Ich bin davon überzeugt, daß es dem "America First"-Unternehmen so schnell nicht gelingen wird, den Menschen (und potentiellen Passagieren) klar zu machen, daß es NICHT am völlig verqueren Gewinnstreben gelegen hat, daß mehr als 300 Menschen haben sterben müssen. Das Vertrauen in die Marke Boeing ist wohl erst einmal "verbrannt".
birdie 06.04.2019
5. Dass infolge des Boeing-.Missmanagemts ....
in dieser Firma viele Arbeitsplätze verloren gehen., bekümmert die Grosskopfeten herzlich wenig. Das fällt eben in die Kategorie "business as usual". Und die Passagiere in diesen Flugzeugen sind dehalb nur quantite negliable. Typisch die amerikanische Reaktion: nicht das geringste Bedauern für auch nur ein einziges Opfer der Unglücke- Denn das würde ja nur noch etwaige Schadenserstzansprüche in ungeahnte Höhen treiben. Dem gilt es vorzubeugen!
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