Unglücksmaschine 737 Max Regierungsbericht wirft Boeing und Behörde Fehler bei Zulassung vor

Bei der Zulassung des Boeing-Unglücksmodells 737 Max listet ein Regierungsbericht schwere Versäumnisse beim Hersteller und den Kontrolleuren der FAA auf. Es soll um fehlende Angaben zur umstrittenen Steuerungssoftware gehen.
737-Max bei Boeing in Seattle

737-Max bei Boeing in Seattle

Foto: Stephen Brashear/AFP

Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten wurde der Boeing 737 Max vor gut einem Jahr die Zulassung entzogen, weltweit wurden Flugverbote verhängt. Ein Bericht der US-Regierung legt nun nahe, dass die Zulassung für das Flugzeugmodell wohl nie hätte erteilt werden dürfen.

Sowohl Boeing als auch die US-Luftfahrtbehörde FAA haben demnach Fehler bei der Zulassung gemacht. So habe es der Flugzeugbauer versäumt, Papiere zu den Änderungen an der Steuersoftware (MCAS) einzureichen, die für den Absturz von zwei Maschinen verantwortlich gemacht wird.

Bei der frühen Entwicklung soll Boeing angedeutet haben, dass das MCAS nicht oft aktiviert werden würde, weshalb das System von der FAA nicht eingehend geprüft worden sei. Im Jahr 2016, als das Flugzeug bereits zu Testflügen abhob, soll Boeing das MCAS geändert haben, um die Leistung zu erhöhen und die Nase der Maschinen unter bestimmten Umständen nach unten zu drücken.

Genauere Prüfung soll es erst nach erstem Absturz gegeben haben

Hierzu legte das Unternehmen dem Bericht zufolge der FAA jedoch keine Unterlagen vor, in denen diese Änderung im Einzelnen dargelegt wurde. Boeing hatte von einer Modifizierung eines bestehenden Systems bei seinem meistverkauften Flugzeugtyp gesprochen.

Fliegendes Testpersonal der FAA soll gleichwohl von der Änderung gewusst haben, doch "die zuständigen Zertifizierungsingenieure der FAA und das Personal, das über das Pilotentraining entscheidet, sagte uns, dass sie nicht um die Revision des MCAS gewusst hätten", wird der Inspekteur des Verkehrsministeriums in dem Bericht zitiert.

Erst nach dem ersten Absturz der Lion-Air-Maschine vor Indonesien befassten sich die Ingenieure der Bundesluftfahrtbehörde laut Bericht detaillierter mit dem Flugkontrollsystems MCAS.

Nach mehr als einjähriger Zwangspause hat Boeing inzwischen wieder mit Testflügen für eine Neuzertifizierung des Flugzeugtyps begonnen. Sollte bei der Testphase alles glattgehen, kann Boeing sich gute Chancen auf eine Wiederzulassung des Modells ausrechnen - die Fluggesellschaften könnten die Jets bereits zum Jahresende wieder in Betrieb nehmen.

Die Boeing 737 Max ist eine auf weniger Spritverbrauch getrimmte und vergrößerte Neuauflage des seit den Sechzigerjahren gebauten Mittelstreckenjets 737.

apr/Reuters/AP
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