Risikoflieger 737 Max Software-Update von Boeing verzögert sich

Erst sollte alles ganz schnell gehen, doch jetzt bremst Boeing. Das Software-Update für den Problemflieger 737 Max verzögert sich um Wochen. Man wolle sich "die Zeit nehmen, es richtig zu machen", hieß es.

Blick in das Cockpit einer Boeing 737 Max (Bild aus dem Juni 2018)
REUTERS

Blick in das Cockpit einer Boeing 737 Max (Bild aus dem Juni 2018)


Das Flugverbot für Verkehrsflugzeuge vom Typ Boeing 737 Max wird noch über Wochen andauern. Die US-Luftfahrtbehörde FAA teilte mit, der US-Flugzeugbauer Boeing benötige Zeit, um die nach zwei Abstürzen in die Kritik geratene Steuerungs-Software MCAS weiter zu überarbeiten. Die FAA erwarte das endgültige Paket der überarbeiteten Software erst "in den kommenden Wochen", hieß es. Die Software werde danach einer "rigorosen Sicherheitsüberprüfung" unterzogen. Die FAA werde das Update vor dem Abschluss dieser Überprüfung nicht zur Installation freigeben.

Auch Boeing Chart zeigen bestätigte, man werde das Paket "in den kommenden Wochen" vorstellen. Zunächst hatte der weltgrößte Flugzeugbauer es bis zur vergangenen Woche angekündigt. Boeing hat das dringend erwartete Software-Update und weitere zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für den Flugzeugtyp 737 Max bereits vor mehr als 200 Piloten, Technikern und Regulierern in seinem Werk in Renton im US-Bundesstaat Washington präsentiert. Das Software-Update muss aber von der FAA genehmigt werden, bevor es installiert werden kann.

"Wir arbeiten daran zu zeigen, dass wir alle Anforderungen für eine Zulassung genau bestimmt und angemessen erfüllt haben und werden alles bei der FAA zur Prüfung einreichen, sobald es in den kommenden Wochen abgeschlossen ist", teilte Boeing mit. Man wolle sicherstellen, "dass wir uns die Zeit nehmen, es richtig zu machen."

Boeings MCAS-System spielte laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Absturz einer 737 Max 8 Ende Oktober in Indonesien. Der Bordcomputer soll die Nase des Jets automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Piloten vergeblich versuchten, gegenzusteuern. Auch beim jüngsten Absturz einer baugleichen Maschine im März in Äthiopien gilt die Software als eine mögliche Ursache.

MCAS soll eigentlich verhindern, dass Piloten die Nase des Flugzeugs unabsichtlich so hochziehen, dass es zu einem gefährlichen Strömungsabriss an den Flügeln kommt. Steigt das Flugzeug zu steil, greift die Technik selbstständig in die Höhensteuerung ein und senkt die Nase ab.

Bei den beiden Unglücken waren insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Absturz in Äthiopien hatten die EU und zahlreiche Staaten ein Flugverbot für Maschinen vom Typ Boeing 737 Max verhängt. Die US-Behörde FAA war in die Kritik geraten, weil sie erst später nachzog.

Die US-Luftfahrtbehörde wird außerdem verdächtigt, bei der Zertifizierung ein Auge zugedrückt zu haben. Wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen. Der Fall wird bereits vom Verkehrsministerium untersucht. Der amtierende FAA-Chef Daniel Elwell hatte vergangene Woche bei einer Anhörung im Senat alle Kritik zurückgewiesen.

Boeing selbst hatte nach dem Absturz in Äthiopien empfohlen, die gesamte Flotte von 371 bisher ausgelieferten Boeing 737 Max zunächst nicht mehr starten zu lassen. Der Konzern steht unter massivem Druck: von Angehörigen der Opfer, Fluggesellschaften, Politikern in Washington und Aufsichtsbehörden in der ganzen Welt. Der Konzern muss zeigen, dass das Kontrollsystems MCAS sicher ist und Piloten die richtigen Schulungen bekommen, um im Notfall angemessen reagieren zu können.

Am Montag kündigte die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines an, den Flugplan für April und Mai überarbeitet zu haben. Dieser stütze sich nun auf die derzeit verfügbaren Maschinen. Southwest hat 31 Maschinen des Typs 737 Max und viele weitere bestellt. Die Airline hat bereits die Prognose für das erste Quartal eingedampft. Auch United Airlines, Air Canada sowie der Reisekonzern TUI rechnen mit Auswirkungen.

mmq/dpa-AFX/Reuters

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thomas_linz 02.04.2019
1. Interessant dabei,
dass die FAA auch angekündigt hat, auch ausserhalb der USA die Pilotenausbildung pruefdn zu lassen. Vor allem die Faehigkeiten der Piloten, die Kisten per Hand zu fliegen, wenn die Elektronik spinnt. Hoffentlich dann für alle Muster. Wenn sich da die Airlines kuenftig mehr Zeit für die Ausbildung nehmen muessten, haetten die 2 Katastrofen sogar einen positiven Effekt.
frenchie3 02.04.2019
2. Man spricht hauptsächlich nur über Software
aber am Rande von "weiteren Maßnahmen". Welche Rolle spielt denn darin der zweite Meßfühler der existieren aber nicht angeschlossen sein soll? Da müßte doch auch noch einiges an Hardwareaufwand im Raum stehen. Ist da nur eine "Kabelbrücke" anzuschrauben (dann fragt man sich warum das nicht gleich gemacht wurde)? Als Airline würde ich ohnehin jede Um- und Nachrüstarbeit nur von Boeingmechanikern machen lassen. Ob die die bisher ausgelieferten Maschinen so mal schnell bis zum Wochenende fertig haben?
vk1234 02.04.2019
3. Testflüge unter Stress-Bedingungen
Ein Software-Update soll also das Problem lösen? Die Software sollte unter Stressbedingungen ausgiebig getestet werden. Das heißt: das Update wird in die Flugzeuge verbaut und es werden Testflüge ausgeführt. Bei den Testflügen sind die spezifizierten Extremwerte und -situationen zu realisieren, die das MCAS aktivieren. Weiterhin ist bei den Testflügen der Fehlerfall zu realisieren, dass nämlich der Sensor (oder die Sensoren) für das MCAS ausfällt (ausfallen). Es sollten mindestens 100 solcher Testflüge unter Aufsicht nicht-US-amerikanischer Institutionen unternommen werden. Die Ergebnisse der Testflüge sind vollständig zu veröffentlichen.
gammoncrack 02.04.2019
4. Mich würde sehr interessieren,
Zitat von vk1234Ein Software-Update soll also das Problem lösen? Die Software sollte unter Stressbedingungen ausgiebig getestet werden. Das heißt: das Update wird in die Flugzeuge verbaut und es werden Testflüge ausgeführt. Bei den Testflügen sind die spezifizierten Extremwerte und -situationen zu realisieren, die das MCAS aktivieren. Weiterhin ist bei den Testflügen der Fehlerfall zu realisieren, dass nämlich der Sensor (oder die Sensoren) für das MCAS ausfällt (ausfallen). Es sollten mindestens 100 solcher Testflüge unter Aufsicht nicht-US-amerikanischer Institutionen unternommen werden. Die Ergebnisse der Testflüge sind vollständig zu veröffentlichen.
wie Sie auf eine Anzahl von mindestens 100 Testflügen kommen. Warum nicht mindestens 50 oder 75?
vk1234 02.04.2019
5.
Zitat von gammoncrackwie Sie auf eine Anzahl von mindestens 100 Testflügen kommen. Warum nicht mindestens 50 oder 75?
Bauchgefühl. Ich fragte mich, unter welchen Bedingungen ich mich in so einen Flieger setzen würde. Die genannten 100 Testflügen sollten natürliche alle erfolgreich ohne Probleme mit demselben Softwarestand absoliviert werden.
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