Weitere Flugzeuge stillgelegt US-Prüfer entdecken Risse an Boeing-Fliegern

Die US-Luftaufsicht hat Kontrollen von Fliegern des Typs Boeing 737 NG angeordnet: Tatsächlich stießen die Techniker bei Maschinen auf Probleme, betroffen sind Befestigungen der Tragflächen.

Archivbild von Maschinen des Typs Boeing 737 Max der Airline Southwest, die bereits seit Monaten nicht abheben dürfen. Der nun betroffene Flugzeugtyp 737 NG gilt als Vorgänger der Max
REUTERS (Mike Blake)

Archivbild von Maschinen des Typs Boeing 737 Max der Airline Southwest, die bereits seit Monaten nicht abheben dürfen. Der nun betroffene Flugzeugtyp 737 NG gilt als Vorgänger der Max


Die US-Fluggesellschaft Southwest Airlines hat wegen Rissen an wichtigen Bauteilen zwei Jets vom Typ Boeing 737 NG aus dem Verkehr gezogen. Die Probleme seien bei einer von der US-Luftfahrtaufsicht FAA angeordneten Inspektion entdeckt worden, teilte die Airline mit. Der weit überwiegende Teil der untersuchten Flotte sei jedoch in Ordnung. Die beiden Maschinen würden erst wieder benutzt, wenn die Probleme vollständig behoben seien. "Sicherheit und Qualität sind unsere oberste Priorität", betonte das Unternehmen.

Die FAA hatte einige Betreiber von Boeings 737 NG am vergangenen Mittwoch angewiesen, die Maschinen innerhalb von sieben Tagen auf Risse zu überprüfen. Der Hersteller habe das Problem selbst entdeckt und die Behörde darüber informiert. Das Risiko von Rissen besteht bei sogenannten Pickle Forks, das sind wichtige Bauteile zur Befestigung der Tragflächen am Flugzeugrumpf. Unter hoher Belastung können diese sich offenbar schneller als angenommen abnutzen.

Boeing bekräftigte in einer Stellungnahme, seine Kunden aktiv bei den Untersuchungen der 737 NG zu unterstützen. Allen betroffenen Betreibern seien detaillierte Anweisungen gegeben worden, auch bei erforderlichen Reparaturen beteilige Boeing sich. Die 737 NG ist der Vorgänger des Unglücksfliegers 737 Max, der Mitte März nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten fast weltweit mit Startverboten belegt wurde.

Womöglich Hunderte Jets betroffen

Southwest Airlines ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die Boeings 737 NG auf Anweisung der FAA auf Risse prüfen musste. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wurden noch deutlich mehr Probleme festgestellt. Auf Basis vorläufiger Erkenntnisse von Boeing seien bei fünf Prozent der insgesamt 493 älteren 737-NG-Maschinen, die untersucht wurden, Risse festgestellt worden. Diese Jets dürften nun vorübergehend nicht mehr abheben. Der Finanznachrichtendienst beruft sich auf eine anonyme Quelle, die die Informationen aus einer Konferenzschalte zwischen Vertretern von Boeing und Airlines habe.

Der Flugzeugbauer richte eine Reparaturstation im kalifornischen Victorville ein, hieß es in dem Bericht weiter. Boeing gehe davon aus, etwa zwei bis drei Wochen pro Flugzeug zu benötigen, um die Probleme zu beheben. Der US-Konzern äußerte sich dazu zunächst nicht. Fest steht: Boeing hat mit den Krisenfliegern der 737-Max-Serie momentan eigentlich schon genug Stress. Die große US-Fluggesellschaft American Airlines rechnet nach Angaben vom Mittwoch in diesem Jahr nicht mehr mit einer Wiederinbetriebnahme der Unglücksjets.

Das Unternehmen teilte mit, die Maschinen bis zum 16. Januar aus dem Flugplan zu nehmen. Boeings Bestseller fällt somit in der von starkem Reiseaufkommen geprägten Weihnachtszeit aus. Zuvor hatte American 737-Max-Flüge bis zum 3. Dezember gestrichen. Angesichts der andauernden Schwierigkeiten, die es bei der angestrebten Wiederzulassung der Maschinen gibt, kommt der Schritt wenig überraschend. Boeing steht unter Druck, Softwareprobleme zu beheben, die als eine entscheidende Ursache der zwei Abstürze gelten.

beb/dpa

insgesamt 22 Beiträge
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DerBlicker 10.10.2019
1. jetzt wird es verdammt eng für Boeing
Wenn jetzt auch noch ältere Boeing 737 NG den Airlines nicht zur Verfügung stehen, dann wird es viele Flugausfälle geben, denn diese sind kurzfristig nicht zu ersetzen und fast überall, aber vor allem in USA im Einsatz. Jetzt rächt es sich, dass gerade viele Billigflieger nur auf die Boeing 737 gesetzt haben, Vorteil EasyJet, die fliegen nur Airbus.
bernteone 10.10.2019
2. Man kann eigentlich nur noch
davon abraten mit einer Boeing zu fliegen . Das Desaster hat einen enormen Imageverlust und ob der so schnell vergessen wird bleibt abzuwarten . Ryanair wird sich bedanken , die haben nur solche Seelentröster in ihrer Flotte , es sollte mich wundern wenn das keine Konsequenzen nach sich zieht . Aber vielleicht gibt es noch genug Leute denen man über den Preis alles verkaufen kann .
laxness 10.10.2019
3. ist eigentlich kein Wunder....
....die Flieger sollen immer spritsparender und damit leichter werden. Dazu werden auch an den tragenden Teilen bis scharf an an den Sicherheitsfaktor Material eingespart. Wenn man das übertreibt passiert sowas (Ermüdungsbrüche, Spannungsrisse etc.)
murksdoc 10.10.2019
4. Aufhören!
Und wenn man einfach aufhört, laufend neue Termine zu veröffentlichen und damit unnötigen Druck zu erzeugen, der dann wieder zu Schlamperei und Problemen führen wird sondern stattdessen einfach nur sagt: "Es wird solange dauern, bis alle Probleme nachhaltig beseitigt sind"?
meister_proper 10.10.2019
5. Tragflächen werden total überbewertet :-/
Man kann nur noch den Kopf schütteln über die Inkompetenz und den Pfusch, der bei Boeing offenbar wird. Die müssen den Laden komplett umkrempeln um wieder Vertrauen zu gewinnen. Sofern sie das 737 MAX Desaster überhaupt überleben...
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