Flugzeugabsturz USA prüfen Sicherheitszertifizierung für Boeing 737 Max

Hat die Flugaufsichtsbehörde der USA Fehler bei der Zertifizierung der neuen Boeing 737 Max gemacht? Die Regierung lässt die Abläufe jetzt untersuchen. Grund sind zwei Abstürze mit vielen Toten.

Eine Boeing 737 Max 8 von American Airlines (Archivbild)
AFP

Eine Boeing 737 Max 8 von American Airlines (Archivbild)


Die US-Regierung will nach dem Boeing-Unglück in Äthiopien untersuchen lassen, ob die Sicherheit der 737-Max-Flugzeuge im Jahr 2017 korrekt zertifiziert wurde. Der Generalinspekteur des Transportministeriums solle objektiv und im Detail die Fakten prüfen, wie es zu der Zertifizierung durch die Flugaufsichtsbehörde Federal Aviation Association (FAA) gekommen ist, wies Transportministerin Elaine Chao an.

Am 10. März war eine Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt, 157 Menschen an Bord starben, darunter fünf Deutsche. Erst im Oktober war eine Maschine gleichen Typs der Fluggesellschaft Lion Air in Indonesien abgestürzt, 189 Menschen kamen zu Tode.

Eine Auswertung der Flugschreiber der in Äthiopien abgestürzten Maschine ergab inzwischen Ähnlichkeiten zum Absturz der Lion-Air-Maschine. In der öffentlichen Kritik steht vor allem eine Steuerungssoftware mit der Bezeichnung MCAS. Wie die "Seattle Times" berichtete, soll es zu Verstößen in der Entwicklung des Flugzeugs gekommen sein, die der FAA nicht bekannt waren. Die Vorwürfe legen sogar nahe, dass das US-Unternehmen Boeing der FAA wichtige Informationen vorenthalten haben könnte.

Nach dem Crash erließen Luftfahrtbehörden rund um die Welt bis zur Klärung der Unglücksursache Flugverbote für die Boeing 737-Max-Reihe. Die seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen seither am Boden bleiben. Allerdings hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA im Gegensatz zu vielen anderen Ländern zunächst kein Flugverbot für Maschinen dieses Typs erlassen. Die FAA war deswegen zunehmend unter Druck geraten.

Airlines wollen Max-Bestellungen prüfen

Schließlich orderte US-Präsident Donald Trump ein entsprechendes Startverbot an. In der Zwischenzeit hatte auch Boeing selbst ein vorübergehendes Flugverbot für die 737-Max-Reihe empfohlen. Dies gelte für die "gesamte weltweite Flotte" von 371 Flugzeugen. "Boeing hat weiterhin volles Vertrauen in die Sicherheit des 737 Max", teilte der Konzern mit. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Im Video: Wie Boeing sich selbst kontrolliert

Für Boeing sind die Zweifel an dem Kassenschlager - der US-Konzern hat noch fast 5000 offene Bestellungen für die Flugzeugreihe - ein ernsthaftes Problem. Der Aktienkurs fiel vergangene Woche drastisch. Der Billigflieger Norwegian Air kündigte als erste Airline Schadensersatzforderungen an. Mehrere asiatische Airlines wollen ihre offenen Max-Bestellungen überprüfen.

kko/dpa

insgesamt 17 Beiträge
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three-horses 19.03.2019
1. Kann sein.
Geistert schon seit zwei Tagen bei YT. "There was no time to train pilots because MCAS was a last minute patch ...not a part of plane construction wher more testing is done. MCAS was used to get certification probably because FAA was not about to certify the MAX 8 given the unpredictable propensity of the new larger engines to cause too high angle of attack" ...auch das hier kann man dort Finden... "The jack screw was found in The wreckage extended to max to point the nose downward. Computer had wrong inputs and pilots did not disable and go to manual control.". Alles ohne Gewähr. Nur, die Aussage "Zwei" hat es an sich.
laotse8 20.03.2019
2. Autonomes Fliegen ...
Wenn der Flugzeugcomputer über das Trimmrad mehr Einfluss auf die Fluglage ausüben kann, als der Pilot am Steuerknüppel, sind wir auch dem neuen, mit Steuergeldern kräftig geförderten Ideal vom autonomen Fahren im Elektroauto ganz nahe. Wünschenswer-ter Fortschritt ist dies für den Flug- und Fahrgast allerdings offenbar wohl eher weniger.
zausi 20.03.2019
3. Ob Trump es...
nicht zu verhindern weiß, wie man einen Geldsack Kollegen von allem entlastet bzw es nicht zu sehr ... Ach vergessen... Die Flugsicherung hat ja schon den Schwarzen Peter.. nicht lange und irgend ein niedriger Arbeiter wird gekrönt..... Und die Druckmacher sind alle fein raus....
urmedanwalt 20.03.2019
4. Das Flügeldesign ist kritisch
die Turbinen sind zu nah am Rumpf, das verschlechtert die Auftriebssituation im Vergleich zu anderen Flugzeugen ähnlicher Größe. Wenn dann noch der einzige vorhandene Sensor falsche Daten meldet und nicht einfach overruled werden kann, sind unerfahrene Piloten ohne "Fliegerarsch" überfordert. Den Flieger kann der Hersteller in die Tonne treten, das wird nichts mehr. Da hilft auch keine Software-Anpassung. Mit dem will keiner mehr fliegen. Aus die Maus.
Hoellenhagen 20.03.2019
5. Tatsächlich
Die Regierung der USA lässt Ihre eigene Behörde, die Federal Aviation Association (FAA)* überprüfen. Darüber berichten Sie hier korrekt, was man bei Ihnen aus den USA nicht mehr gewohnt ist. Keine persönlichen Diffamierungen gegen Trump. Gratulationen an kko bei der dpa. * administrativer Teil des US-Verkehrsministeriums mit Sitz in Washington, D.C. im Mike Monroney Aeronautical Center.
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