Zwei Abstürze in fünf Monaten Boeing-Chef gibt Fehler im Umgang mit 737 Max zu

"Wir haben die Implementierung der Software nicht korrekt gemacht": Der Vorstandschef von Boeing hat in einem Interview Fehler eingeräumt, was die Entwicklung des Flugzeugtyps 737 Max angeht.

Dennis Muilenburg auf der Boeing-Aktionärsversammlung Ende April in Chicago
Jim Young/ Pool/ REUTERS

Dennis Muilenburg auf der Boeing-Aktionärsversammlung Ende April in Chicago


Der Vorstandschef des US-Flugzeugbauers Boeing hat Verfehlungen des Unternehmens im Umgang mit dem Flugzeugtyp 737 Max eingestanden. Ein Alarm, der vor einem problematischen Anstellwinkel der Maschinen warnen sollte, habe nicht richtig funktioniert. "Wir haben die Implementierung dieser Software nicht korrekt gemacht", sagte Dennis Muilenburg dem US-Fernsehsender CBS am Mittwoch.

Für Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max war im März ein weltweites Flugverbot verhängt worden, nachdem innerhalb von fünf Monaten zwei Maschinen dieses Typs unter ähnlichen Umständen abgestürzt waren. Bei den Unglücken im Oktober in Indonesien und im März in Äthiopien kamen insgesamt 346 Menschen ums Leben.

In beiden Fällen hat offenbar das speziell für die Boeing 737 Max entwickelte Stabilisierungssystem MCAS eine verheerende Rolle gespielt. Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern. Boeing aktualisierte die Software, wartet aber auf die Zulassung. Ein Treffen von Luftaufsichtsbehörden weltweit hatte vergangene Woche kein Ergebnis gebracht.

Boeing wusste seit mehr als einem Jahr von Problemen mit dem Anstellwinkelalarm des MCAS, informierte aber nicht die US-Luftfahrtbehörde FAA. "Unsere Kommunikation diesbezüglich war nicht, wie sie hätte sein sollen", sagte Muilenburg nun dem Sender CBS.

Der Boeing-Chef entschuldigte sich bei den Familien der Opfer, bekräftigte aber gleichzeitig sein Vertrauen in die 737 Max. "Wir sind überzeugt von der grundsätzlichen Sicherheit des Flugzeuges."

Boeing wird seine 737 Max wahrscheinlich vor August nicht in die Luft bekommen. Es dauere wohl noch zehn bis zwölf Wochen, bevor die Wiederaufnahme des Flugbetriebs der Maschine erwartet werden könne, sagte der Chef des internationalen Luftfahrtverbands IATA in Seoul. Den genauen Zeitpunkt bestimmten aber die Aufsichtsbehörden.

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Diskussionsteilnehmer 30.05.2019
1. Software???
"Wir haben die Implementierung der Software nicht korrekt gemacht" kann man sagen, wenn das Frontend Bestellungen verschluckt. Boeing hat eine Fehlkonstruktion hergestellt und zwei davon sind runter gekommen. So ein Tiefstapler.
stepanus34 30.05.2019
2. Sollten die damit wirklich durchkommen...
.. wohingegen VW 15 Mrd. bezahlen musste für fiktive Opfer, während hier über 300 Menschen real ihr Leben lassen mussten? Wer merkt ebenfalls, dass das alles GEWALTIG stinkt?
sven2016 30.05.2019
3. Das ist ein übler Euphemismus.
Der nächste Satz hätte sein müssen: Seit März ist doch nichts mehr passiert. Flugzeugabstürze durch ein schlampig eingerichtetes System, das kein Fail-Safe kennt, hat mit nicht korrekt implementiert wenig zu tun.
stelzerdd 30.05.2019
4. Schadenersatz?
Ich weiß, einen "Schadenersatz" im wörtlichen Sinn kann es für Todesopfer nicht geben. Ein US-Gericht hat jüngst Milliarden-Entschädigungen für vermutete Krebsopfer der früheren Firma Monsanto (jetzt Bayer) verhängt. Was werden wohl die Angehörigen der 346 Boeing-Opfer erhalten?
ulijoergens 30.05.2019
5. Nicht die Software ist das Problem
Die Äußerungen zeigen einmal mehr, dass Boeing ein massives Problem mit ihrer Sicherheitskultur hat. Die scheint es auf Managementebene nicht zu geben. Das Problem wird auf einen Softwarefehler reduziert. Abgesehen davon dass dies eine klare Lüge ist, heißt das für mich, dass sich ein derartiger Fehler jederzeit bei Boeing wiederholen kann. Auch bei anderen Flugzeugtypen. Vor allem solchen, die unter hohem Erfolgsdruck gebaut werden. Äußerungen hierzu hat es von Boeingingenieuren reichlich gegeben Ich werde also bis auf weiteres bevorzugt mit Airlines fliegen, die keine Boeings einsetzt.
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