737-Max-Desaster Boeing-Chef Dennis Muilenburg tritt zurück

Boeing-Chef Dennis Muilenburg tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Das teilte der Konzern mit. Nachfolger soll David Calhoun werden, der derzeit Chef des Verwaltungsrats ist.
Boeing-Chef Dennis Muilenburg tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Boeing-Chef Dennis Muilenburg tritt mit sofortiger Wirkung zurück

Foto: MICHAEL REYNOLDS/ EPA-EFE/ REX

Der Vorstandschef des US-Luftfahrtriesen Boeing, Dennis Muilenburg, tritt im Zuge der Krise um den Flugzeugtyp 737 Max zurück. Das teilte der Konzern mit. Zum Nachfolger ernannte der Airbus-Rivale den bisherigen Verwaltungsratschef David Calhoun, er soll den Vorstandsvorsitz ab 13. Januar übernehmen. Die Boeing-Aktie gewann zum Handelsstart fast drei Prozent.

Der Führungswechsel sei notwendig, um "Vertrauen wiederherzustellen". Boeing wolle seine Beziehungen zu Regulierungsbehörden, Kunden und anderen Partnern "reparieren".

Muilenburg stand wegen seines Krisenmanagements nach den zwei Abstürzen, bei denen insgesamt 346 Menschen starben , heftig in der Kritik und war bereits länger mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Die 737-Max-Abstürze in Indonesien und Äthiopien haben Boeing in eine tiefe Krise gestürzt. Der Flugzeugtyp ist noch immer mit Startverboten belegt. Im Oktober hatte Muilenburg bereits den Verwaltungsratsvorsitz abgeben müssen.

Der Konzern steht im Verdacht, die Unglücksflieger überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist dies zwar zurück, hat aber verschiedene Fehler und Pannen eingeräumt. Das 737-Max-Debakel ist für den Hersteller eine große Belastung, die bereits immense Kosten, große Imageschäden, mehrere Ermittlungen und hohe Klagerisiken verursacht hat.

Im Zentrum der Kritik: Boeings 737 Max

Im Zentrum der Kritik: Boeings 737 Max

Foto: GREG BAKER/ AFP

Erst vergangene Woche hatte Boeing angekündigt, die Fertigung der 737 Max ab Januar vorerst komplett zu stoppen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte zuletzt deutlich gemacht, dass sie sich bei der Wiederzulassung des Fliegers nicht von Boeing unter Druck setzen lassen werde. Aussagen des Unternehmens, wann die 737 Max wieder in Betrieb genommen werden könnte, hatten scharfe Kritik der US-Aufsichtsbehörde nach sich gezogen.

Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing hatte bereits nach dem Unglück in Indonesien versprochen, die MCAS-Probleme per Softwareupdate zu beheben. Wenig später kam es zum Absturz in Äthiopien. Das Update hat noch immer keine Zulassung der FAA.

FAA-Chef Steve Dickson habe Bedenken, dass der Flugzeugbauer einen "unrealistischen" Zeitplan verfolge, hatte die Behörde Boeing gewarnt. Muilenburg hatte im November noch Zuversicht verbreitet, noch vor dem Jahreswechsel eine Genehmigung der FAA für die 737 Max zu erhalten. Der ungewöhnliche öffentliche Rüffel von Behördenleiter Dickson hatte den ohnehin schon angezählten Muilenburg zuletzt noch schlechter aussehen lassen.

SPIEGEL ONLINE
flg/dpa/Reuters/AFP