737-Max-Debakel Boeing-Gewinn bricht ein

Nach zwei Unglücken mit 346 Toten dürfen noch immer keine Maschinen des Typs 737 Max starten. Das Debakel um den Unglücksflieger belastet die Bilanz des Herstellers Boeing im dritten Quartal.

Die Boeing 737 Max verschiedener Fluggesellschaften dürfen nicht abheben
REUTERS/Lindsey Wasson

Die Boeing 737 Max verschiedener Fluggesellschaften dürfen nicht abheben


Der US-Flugzeughersteller Boeing hat im dritten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Das Unternehmen litt weiterhin stark unter den Flugverboten, die nach zwei Abstürzen gegen den Krisenjet 737 Max verhängt wurden.

Unter dem Strich verdiente der Airbus-Rivale von Juli bis September mit knapp 1,2 Milliarden Dollar nur knapp halb so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das teilte der Konzern in Chicago mit. Der Umsatz ging wegen der gestoppten Auslieferung des zuvor meistgefragten Flugzeugtyps um 21 Prozent auf knapp 20 Milliarden Dollar zurück.

Inzwischen machen Boeing noch andere Probleme zu schaffen: So drosselt der Konzern ab Ende 2020 vorläufig die Produktion seines Großraumjets 787 "Dreamliner". Zudem verschiebt er die erste Auslieferung des modernisierten Großraumjets 777X nach technischen Problemen jetzt auf Anfang des Jahres 2021. "Höchste Priorität hat weiterhin die sichere Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb", sagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg.

Boeing will 737 Max noch dieses Jahr in Betrieb nehmen

Nach zwei Abstürzen mit zusammen 346 Toten hatten Aufsichtsbehörden in aller Welt im März ein Flugverbot für den Typ verhängt. Boeing hatte im zweiten Quartal deshalb einen Milliardenverlust verbucht. Diesmal blieben zumindest weitere hohe Sonderkosten im Zusammenhang mit dem 737-Max-Debakel aus.

Ob und wann die US-Luftfahrtbehörde FAA und internationale Aufseher die Unglücksmaschinen wieder abheben lassen, ist derzeit unklar. Boeing bekräftigte seine Hoffnung, die 737 Max bereits im vierten Quartal wieder in Betrieb nehmen zu können.

Damit ist der Hersteller optimistischer als die großen US-Fluggesellschaften, die den Krisenjet in der Flotte haben. Zuletzt gab es Spannungen zwischen Boeing und der FAA, die den Prozess weiter bremsen könnten.

Personelle Konsequenzen

Am Dienstag hatte Boeing auch personelle Konsequenzen aus der Krise gezogen, die den Flugzeughersteller früheren Angaben zufolge rund acht Milliarden Dollar kosten wird.

Der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Kevin McAllister, wurde seines Postens enthoben und durch den langjährigen Boeing-Manager Stan Deal ersetzt. Es war die bisher weitreichendste Personalentscheidung im Zusammenhang mit der Unglücksmaschine. Zuvor war bereits Firmenboss Dennis Muilenburg der Verwaltungsratsvorsitz aberkannt worden.

Ursprüngliche Pläne zum Ausbau der 737-Max-Produktion am Standort Seattle musste der Konzern zurücknehmen. Die Rekordzahl von 57 Stück je Monat werde nicht vor Ende 2020 erreicht und damit Monate später als bisher angestrebt.

In der Nacht zu Mittwoch wurde in Indonesien zudem der Abschlussbericht zum Absturz der 737 Max vor einem Jahr vorgestellt. Darin machen die Ermittler auch den Flugzeughersteller verantwortlich.

brt/dpa/Reuters

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claus7447 23.10.2019
1. Es gab mal einen Foristen, ...
... der unmittelbar nach dem zweiten Absturz meinte: "Es ist der richtige Zeitpunkt Boeing Aktien zu kaufen!" Gut das der Tipp vermutlich nicht umgesetzt wurde (bei mir ohnehin nicht). Es müssten nach meiner Einschätzung mittlerweile 500-600 fertige 737 Max sich auf den parkplätzen tummeln. Ich kann mir dies zwar plastisch nicht vorstellen - aber das Desaster ist enorm. Ein Umstieg auf Airbus geht auch nicht - und die Ersatzansprüche der Airlines dürften sich mittlerweile im 10-stelligen Bereich bewegen (Dollar).
rolandjulius 23.10.2019
2. Jeder Vogel kann segeln...
das kann auch die MAX 737, aber nur so Lange, wie ihr elektronische Gehirn funktioniert. Wenn dieses falsche Daten eingespeist bekommt, dann ist der Segelflug nicht mehr möglich, und der Absturz unvermeidlich. Der Pilot muss in diesem Fall das Flugzeug von Hand steuern, was aber unmöglich ist, weil die Daten eben nicht mit Wirklichkeit über einstimmen. z.B. muss ein Auto gerade aus fahren, wenn ich den Lenker los lasse. Das tut der MAX 737 nicht. Er steigt oder fällt, je nach Laune, eben so lange, bis die Automatik abgeschaltet ist.Wenn die Daten falsch sind ,ist die Kontrolle unmöglich und der Absturz unvermeidlich. Ein Flugzeug , welches nicht segeln kann,ist so gefährlich wie ein Auto welches nicht gerade aus fährt.
kumi-ori 23.10.2019
3. Wo ist das Problem?
Wollten wir nicht sowieso alle weniger fliegen? Wenn wir Ferienreisen zu weit entfernten Zielen reduzieren und Geschäftstreffen auf Videoschalte umstellen, dann genügt vielleicht in Zukunft ohnehin ein einziger Flugzeughersteller wie z. B. Airbus. Dann könnte Boeing die Gunst der Stunde nutzen und gepflegt damit beginnen sich selbst abzuwickeln.
der_rookie 23.10.2019
4. Hm
Boeing hat im Quartal über 1 Mrd Profit gemacht, über 2 Mrd Cash generiert und ist an der Börse knapp 200 Mrd. wert, also weit mehr als jedes Deutsche Unternehmen. Soll das eine Krise sein, so hätte ich die gerne.
Konstruktor 23.10.2019
5.
Zitat von rolandjuliusdas kann auch die MAX 737, aber nur so Lange, wie ihr elektronische Gehirn funktioniert. Wenn dieses falsche Daten eingespeist bekommt, dann ist der Segelflug nicht mehr möglich, und der Absturz unvermeidlich. Der Pilot muss in diesem Fall das Flugzeug von Hand steuern, was aber unmöglich ist, weil die Daten eben nicht mit Wirklichkeit über einstimmen. z.B. muss ein Auto gerade aus fahren, wenn ich den Lenker los lasse. Das tut der MAX 737 nicht. Er steigt oder fällt, je nach Laune, eben so lange, bis die Automatik abgeschaltet ist.Wenn die Daten falsch sind ,ist die Kontrolle unmöglich und der Absturz unvermeidlich. Ein Flugzeug , welches nicht segeln kann,ist so gefährlich wie ein Auto welches nicht gerade aus fährt.
Sorry, aber da sind Sie komplett schief gewickelt. Jedes Verkehrsflugzeug kann segeln, und das komplett ohne Computer-Unterstützung im rein manuellen Flug, egal ob Boeing oder Airbus und auch egal, ob 737NG oder 737MAX. Das ist sogar Zulassungsvoraussetzung, und sowohl Boeing- als auch Airbus-Flugzeuge sind bereits von geschickten Piloten im kompletten Segelflug sicher und ohne Verletzte auf den Boden gebracht worden (jeweils nach Problemen mit der Spritversorgung – die Zuverlässigkeit der Triebwerke selbst ist gar nicht mal das Hauptrisiko). MCAS in der 737MAX hat nun gerade mit diesem Sonderfall, daß alle Triebwerke ausgefallen sind, überhaupt nichts zu tun, denn gerade dann werden die für MCAS relevanten Flugzustände typischerweise gar nicht vorkommen und in diesem Fall sind nur die besonders großen Triebwerke wahrscheinlich für eine etwas kürzere Reichweite im Segelflug verantwortlich, so wie auch beim A320neo durch den höheren Luftwiderstand im kompletten Leerlauf ("Windmilling").
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