Medienbericht zu Crash-Flieger 737 Max Boeing ließ Software in Indien programmieren - für neun Dollar die Stunde

Der Flugzeugbauer Boeing kommt nicht zur Ruhe: Laut dem Bericht einer US-Nachrichtenagentur hat der Konzern bei der Entwicklung des Problem-Jets 737 Max massiv ausgelagert, um Kosten zu sparen.

Müssen bis auf Weiteres am Boden bleiben: Maschinen vom Typ 737 Max auf einem Flugfeld in Seattle
AP

Müssen bis auf Weiteres am Boden bleiben: Maschinen vom Typ 737 Max auf einem Flugfeld in Seattle


Boeing steht wegen der beiden Abstürze von Maschinen des Typs 737 Max unter Druck. Seitdem das Flugverbot für Maschinen dieses Typs gilt, hat der Kurs der Aktie etwa 20 Prozent verloren.

Die jüngsten Kursverluste gehen dabei auf einen Bericht der US-Nachrichtenagentur Bloomberg zurück: Das Unternehmen hat demnach bei der Entwicklung der Software der 737-Max massiv versucht, Kosten zu sparen. Konkret geht es darum, dass Boeing Teile der Software von Subunternehmern in Indien erstellen ließ, von Programmierern mit einem Stundenlohn von gerade einmal neun Dollar.

Bloomberg berichtet unter anderem unter Verweis auf Mark Rabin, einen früher für Boeing tätigen Software-Ingenieur, in Indien seien reihenweise Programmierer unmittelbar nach ihrem Hochschulabschluss von einem Subunternehmer verpflichtet worden. Diese hätten dann im Auftrag von Boeing die 737-Max-Programme entwickelt.

Untersuchungsberichte zu den beiden Flugzeugabstürzen deuten darauf hin, dass die betroffenen Maschinen Schwierigkeiten mit der Steuerungssoftware hatten. Boeing steht im Verdacht, die Entwicklung der 737-Max überstürzt und unter hohem Kostendruck vorangetrieben zu haben.

Der Konzern selbst wies die Vorwürfe von Bloomberg in einer Stellungnahme zurück. Die indischen Programmierer seien nicht mit der Entwicklung des unter Verdacht stehenden automatischen Stabilisierungsprogramms MCAS befasst gewesen. Die Ausgliederung an externe Dienstleister in Übersee sei zudem keine neue Praxis, Boeing habe "viele Jahrzehnte Erfahrungen mit Zulieferern und Partnern in der ganzen Welt gemacht".

beb



insgesamt 152 Beiträge
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derkleene 01.07.2019
1. Ja und?
Sämtliche DAX-Konzerne lassen in Indien programmieren. Der Kunde, indem Fall Boeing, gibt vor wie sich die Software zu verhalten hat. Z.B. Unter Geschwindigkeit x und Anstellwinkel größer y muss der Steuercomputern Aktion z ausführen. Berufsbild Software Applikator. Und dieser sitzt bei Boeing (als Externer oder Festangestellter). Der Programmierer in Indien schreibt nur den entsprechenden Quellcode, nach den Vorgaben die er von Boeing bekommen hat. Das Auslagern der Programmierer hat nichts mit den Abstürzen zu tun. Sondern die Applikatoren (die einfach nur gute Ideen nicht gut durchdacht umgesetzt haben), Manager (die Kostendruck ausüben), schlecht/falsch/gar nicht ausgebildeten Piloten (US-Piloten konnten auf die Situation richtig reagieren) und die unterwandere Zulassungsbehörde. Das leider legale Ausbeuten von "Schwellenländer" ist normal. Hauptsache die Marge und Dividende stimmt. Und es wird sich daran in nächster Zeit auch nichts ändern.
e_bananero 01.07.2019
2. Was im Bloomberg-Artikel auch noch steht...
...dass die Entwicklung des Codes wohl nicht aus Kostengründen nach Indien outgesourced wurde, sondern um im Gegenzug offizielle Aufträge des Indischen Militärs und der Luftfahrt zu erhalten. Bisher wurden diese Aufträge an Airbus erteilt. Das sollte doch die eigentliche Headline sein...
mundi 01.07.2019
3. Softwareistkeine Lösung
Ein strömungstechnisch missglücktes Modell kann man nicht mit Computerprogrammen flugfähig machen. Egal ob das Programm in den USA, Indien oder sonst wo geschrieben wird.
labellen 01.07.2019
4. das Problem war ja nicht
in erster Linie die Software, sondern die Tatsache, das bei einer speziellen Automatikfunktion nicht mehr händisch gegenzusteuern war und die Piloten nicht unterrichtet waren, wie diese Funktion abzuschalten gewesen wäre. Zudem konnte schon ein einzelner defekter Strömungsmesser (von denen mehrere an Bord sind) diese Automatik auslösen.
alt-nassauer 01.07.2019
5. Wenn "Outsourcing" Geld spart und Leben kostet
So kann man die Gier nach immer mehr in seiner Tasche und auf Kosten von anderen auch verstehen. Nur mal angenommen Ryanair müsste für die 737 Max 100.000 Dollar pro Stück mehr bezahlen. Wo würde Ryanair versuchen zu erst zu sparen. Das "fliegende" Personal würde den Preisdruck ab bekommen. Das bloß die Kundschaft sich nicht noch "direkt" an die Investition einer neuen Flotte beteiligen muss. Das würde den Preis nach oben treiben und der reelle Preis kann und darf man der Kundschaft nicht androhen. Sonst könnte der Kunde auf eine andere Airline abspringen z:B. eine die Airbus den Vorzug gibt. Vielleicht nur wenige Cent billiger. Aber auch Airbus ist dem Preisdruck unterstellt. Ich würde mich auch über "Outsourcing" nicht wundern. Letztendlich unterliegen wir alle dem Preiskampf - Kunde will nichts für das Produkt zahlen, Hersteller muss dort produzieren wo billiger. Damit der "Preiskampf" weiter funktioniert. Zum einen noch etwas zu verdienen und auch am Markt zu bleiben. Der Mensch als Individuum bleibt auf der Strecke, egal wie man es dreht. Loewe ist doch auch so ein Beispiel. Preisdruck und Masse bezwingt Qualität, die teurerer ist, somit den Hersteller in die Knie. Plus fehlende Innovation, weil Gewinn schmal und somit kaum Geld für eigene Entwicklung übrig lässt. Auch deshalb Outsourcing als Heilsbringer als Überlebenskampf - nur hier ging und geht es um Menschenleben.
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