737-Max-Probleme Boeing macht 13 Prozent weniger Gewinn

Boeing hat sich wegen der Flugverbote für die Maschinen vom Typ 737 Max von seinen Erwartungen verabschiedet. Der Gewinn im ersten Quartal geht zurück - doch der Umsatz ist immer noch besser als prognostiziert.

Boeing-Maschine im Anflug auf Richmond in Kanada
Bayne Stanley/ ZUMA Wire/ DPA

Boeing-Maschine im Anflug auf Richmond in Kanada


Der US-Flugzeugbauer Boeing Chart zeigen hat seine Jahresziele für 2019 wegen der Probleme mit seiner 737-Max-Serie aufgegeben. Einen neuen Ausblick solle es erst zu einem späteren Termin geben, teilte das Unternehmen mit. Der bisherige Geschäftsausblick habe keine Gültigkeit mehr und werde aktualisiert, wenn es mehr Klarheit gebe.

Im ersten Quartal erzielte Boeing noch einen Umsatz von 22,9 Milliarden Dollar. Das sind zwei Prozent weniger als bisher. Der Wert übertraf aber die Erwartungen der Analysten um etwa eine Milliarde Dollar. Der Rückgang bei den ausgelieferten Maschinen im ersten Quartal wurde laut Boeing teilweise durch ein besseres Geschäft im Militär- und Servicebereich aufgefangen.

Fortschritte bei Software-Update

Der Gewinn von Boeing brach im ersten Quartal 2019 jedoch ein. Weil der Hersteller keine neuen Exemplare des Typs 737 Max mehr ausliefern darf, sackte der Gewinn um 13 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Nach zwei tödlichen Abstürzen wurden die Flugzeuge diese Typs weltweit aus dem Verkehr gezogen.

Das Grounding der 737-Max koste den Konzern bislang rund eine Milliarde Dollar, teilte Boeing mit. Unter anderem sei der Einkauf für einige Dinge teurer, da Mengenrabatte wegfielen.

Der Konzern macht unterdessen Fortschritte auf dem Weg zu einer abschließenden Zertifizierung des Software-Updates für die 737-Max-Maschinen. Ein Herstellerfehler bei einer Steuerungssoftware, die eigens für Boeings spritsparende Neuauflage der 737-Reihe entwickelt wurde, gilt laut vorläufigen Ermittlungsberichten als möglicherweise entscheidende Unfallursache.

apr/Reuters/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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weltverbesserer75 24.04.2019
1.
Dennoch steht die Boeing Aktie (Stand 14:38 Uhr) 1,6% höher als gestern. Die Zahlen waren also vermutlich besser als erwartet.
quark2@mailinator.com 24.04.2019
2.
Sowas wirkt sich ja auch nicht schnell aus. Die Einmalkosten wie etwa Entschädigungen etc. kommen nun so nach und nach, aber auch das dauert noch, bis die Prozesse durch sind. Die langfristigen Schäden entstehen, wenn Fluglinien sich für Airbus statt für Boeing entscheiden, bzw. wenn Boeing die Preise senken muß, um das zu vermeiden. Aber solange nicht noch eine Hiobsbotschaft kommt, hält sich das Ganze eh in Grenzen. Außerdem wird Boeing im Zweifelsfall Militäraufträge bekommen, da die USA den Laden auf jeden Fall stützen werden. Aber trotz all dem ist es natürlich gut für Airbus, solange dort nun nicht auch Probleme auftauchen. Ich würde denen empfehlen, den Werksschutz zu verdreifachen.
alexandermoritz 24.04.2019
3. Die Auswirkungen werden sich über Jahre ziehen
Boeing ist im Endeffekt für den Verlust von mehr als 300 Menschenleben verantwortlich und spätestens der zweite Absturz wäre direkt vermeidbar gewesen, hätte man den ersten besser aufbereitet. Und selbst beim ersten Absturz dürften findige Anwälte vor Gericht vortragen, dass die Grundregel Nr. 1 - Redundanz - vollständig missachtet wurde, zumal nicht einmal die Existenz des Systems kommuniziert wurde, sodass die 'manuelle Redundanz' (= für die Situation geschulter Pilot) ebenso ausgefallen ist. Und das kann man nicht an dem Ergebnis eines Quartals ablesen. Neben den direkten Schmerzensgeldern, die in x Jahre fällig werden, sind dies natürlich auch der Verlust von Goodwill seitens der breiten Masse. Selbst wenn die Fluggesellschaften gerne bei Boeing kaufen und Boeing nun gute Rabatte einräumt, damit man weiterhin Max-Aufträge bekommt, so dürfte bei anhaltend schlechter Stimmung gegen Max die eine oder andere Fluggesellschaft fürchten, dass man mit dem Kauf von Max am Ende doch ein paar Prozentpunkte weniger Auslastung im Flugzeug hat und sich für die A320neo-Serie entscheiden, zumal die Lieferzeiten derzeit ähnlich lang sind. Zudem hat Boeing mit dem MCAS einen Punkt mehr oder weniger aufgegeben, der immer Airbus vorgehalten wird - dass der Pilot am Ende immer mehr Kontrolle als der Computer hat. Mal abgesehen davon, dass dies auch bei Airbus bei entsprechender Floor-Einstellung der Fall ist (mal abgesehen von Stick Input vs. manueller Kontrolle, die es zwar beim Max noch gibt, aber nicht bei größeren Boeing-Modellen), so zeigt dies, dass Boeing zunehmend auch der digitalen Steuerung vertraut und mitunter dies nicht einmal im Handbuch aufführt - da ging man sogar weiter aus Airbus. Und somit dürften auch einige Piloten ganz schön enttäuscht von Boeing sein, die immer den Ruf hatten, sich mehr um das 'selbst fliegen wollen'-Gefühl der Piloten als Airbus zu kümmern.
Die linke Kobra 24.04.2019
4. Die Verkäufe verschieben sich halt ins nächste Quartal
der Jahresumsatz bleibt gleich. Stornierung kann es auch keine geben, da ein mängelfreies Flugzeugt dann ausgeliefert werden kann. Regressforderungen wird man auch irgendwie hinbügeln.
nicknicknick 24.04.2019
5. Entscheidung für den nächsten Urlaub
Ich habe letzte Wochen einen Monat Asienurlaub gebucht und eine Airline gewählt, die auf der Strecke den A380 einsetzt und keinen Flieger von Boeing. Gerade wo es nun auch Berichte über Schlampereien bei der 787 gibt. Das werde ich in Zukunft auch tun. Mein Vertrauen in Boeing ist komplett futsch.
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