Zusammenschluss geplatzt Boeing sagt Milliardendeal mit Embraer ab

Mit der Übernahme des brasilianischen Flugzeugherstellers Embraer wollte Boeing den europäischen Konkurrenten Airbus unter Druck setzen. Doch daraus wird nichts. Nun wollen die Brasilianer auf Schadensersatz klagen.
Kein roter Teppich mehr für Embraer: Der US-Flugzeughersteller Boeing zieht sich von der Übernahme zurück

Kein roter Teppich mehr für Embraer: Der US-Flugzeughersteller Boeing zieht sich von der Übernahme zurück

Foto: David Becker/ REUTERS

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing wird den brasilianischen Rivalen Embraer doch nicht übernehmen. Der Kauf von vier Fünfteln des Verkehrsflugzeuggeschäfts von Embraer für 4,2 Milliarden Dollar sei gescheitert, teilte Boeing mit. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters platzte das Geschäft Stunden nach Verstreichen einer Deadline in der Nacht zum Samstag.

Man habe sich nach zweijährigen Verhandlungen letztlich nicht über die Bedingungen der Übernahme einigen können, sagte Boeing-Manager Marc Allen. Dies sei "zutiefst enttäuschend".

Diese Sichtweise wird von Embraer offenbar nicht geteilt. Das Unternehmen kündigte an, Schadensersatz zu fordern. Die angeblichen Unstimmigkeiten seien nur ein Vorwand, teilte Embraer auf Boeings Erklärung hin mit. Die Beendigung der Kaufvereinbarung soll demnach unrechtmäßig gewesen sein. Die Brasilianer vermuten hinter der Aufkündigung offenbar finanzielle Probleme bei Boeing.

Neben der Coronakrise macht dem US-Konzern auch das andauernde weltweite Startverbot für sein Modell 737 Max zu schaffen. (Lesen Sie hier mehr zu den Abstürzen zweier Boeing 737 Max. ) Boeing erwähnte die Coronakrise in der Meldung nicht - am 29. April stellt der Flugzeughersteller seine Quartalszahlen vor.

Laut Reuters könnte der geplatzte Deal Boeing eine für diesen Fall vertraglich geregelte Summe von 100 Millionen Dollar kosten. Embraer will von Boeing demnach jedoch eine weitaus größere Summe fordern und wolle dafür "alle Mittel" ausnutzen.

Mit Ausnahme der Europäischen Kommission, die den Deal zuletzt noch geprüft hatte, hatten die Wettbewerbsbehörden dem Zusammenschluss bereits zugestimmt. Boeing hätte durch die Fusion sein Portfolio um Embraers Palette an kleineren Flugzeugen erweitert und damit Druck auf den europäischen Rivalen Airbus aufbauen können.

fek/dpa/Reuters