Probleme mit Dreamliner und Jumbo Boeing muss Milliarden abschreiben

Wegen Schwierigkeiten bei drei Modellen räumt Boeing seine Bilanz auf. Besonders kostspielig sind die Probleme mit dem Langstreckenflieger Dreamliner.

Boeing 787 Dreamliner
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Boeing 787 Dreamliner


Probleme mit dem Dreamliner, niedrige Nachfrage für den Jumbo-Jet 747-8 und Verzögerungen beim Tankflugzeug KC-46 - gleich drei Modelle machen Boeing derzeit zu schaffen. Nun hat der Flugzeugbauer reagiert und seine Bilanz aufgeräumt: Die Abschreibungen schmälern nach Angaben des Unternehmens den Gewinn nach Steuern um 2,1 Milliarden Euro.

Der größte Teil der Wertberichtigung entfällt mit 847 Millionen Dollar auf das Langstreckenmodell Boeing 787, den Dreamliner. Hier gibt Boeing die Hoffnung auf, für zwei erste Testflugzeuge noch Käufer zu finden. Das Problem mit den beiden Maschinen ist, dass sie für einen kommerziellen Betrieb stark umgerüstet werden müssten und bei ihnen die frühen Schwierigkeiten mit Zulieferern und Konstruktion Spuren hinterlassen haben.

Beim Großraumflugzeug 747-8 - der aktuellen Version des klassischen Jumbojets - werden 814 Millionen Dollar abgeschrieben. Boeing hatte eigentlich geplant, zum Jahr 2019 die Produktion auf zwölf Maschinen im Jahr zu verdoppeln. Jetzt bleibt es bis auf Weiteres bei sechs Flugzeugen jährlich. Bei Boeing läuft das sparsamere zweistrahlige Modell 777 besser als der Jumbo. Auch Konkurrent Airbus hatte zuletzt angekündigt, ab 2018 weniger Modelle des A380 zu bauen.

Die übrigen 393 Millionen Dollar Abschreibung entfallen auf das Tankflugzeug KC-46 für die US-Luftwaffe. Auslöser sind weitere Verzögerungen bei dem Projekt sowie Kosten für einen Umbau der Tankvorrichtung. Es ist schon das vierte Mal, dass das Programm höhere Kosten verursacht. Boeing soll zunächst 18 Tankflugzeuge liefern.

Der Großteil der Abschreibung werde sich nicht auf den Zahlungsmittelfluss auswirken, betonte Boeing. An seiner Umsatzprognose für 2016 hält der Konzern fest. Der Flugzeugbauer legt am kommenden Mittwoch seine Zahlen für das vergangene Quartal vor. Die Aktien des Flugzeugbauers gaben im nachbörslichen Handel um ein Prozent nach.

brk/dpa/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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chiefseattle 22.07.2016
1. nicht tragisch
Die B787 hatte anfangs große Probleme, daher will keiner die Prototypen haben. Inzwischen läuft die Maschine gut und die größere B777X wird ein Erfolg. Bei Airbus geht es ähnlich, die A380 hat wenig Abnehmer, die A350 muss sich gegen 777X/787 behaupten. Eine Pattsituation nach wie vor bei den Zugpferden A320neo und B737MAX.
frodosix 22.07.2016
2. Tankflugzeuge
Sind das die Tankflugzeuge, für deren Bau eigentlich Airbus den Zuschlag erhalten hatte, den Auftrag aber in fragwürdiger Art und Weise, welche sehr nach Protektorismus roch, wieder zu Gunsten Boeings verloren hat? Nicht dass man sicher sein kann, dass es Airbus besser gemacht hätte, aber ein wenig Schadefreude ob der höheren Konsten und Verzögerungen kann man nach der ganzen Geschichte schon empfinden.
Konstruktor 22.07.2016
3.
Zitat von frodosixSind das die Tankflugzeuge, für deren Bau eigentlich Airbus den Zuschlag erhalten hatte, den Auftrag aber in fragwürdiger Art und Weise, welche sehr nach Protektorismus roch, wieder zu Gunsten Boeings verloren hat? Nicht dass man sicher sein kann, dass es Airbus besser gemacht hätte, aber ein wenig Schadefreude ob der höheren Konsten und Verzögerungen kann man nach der ganzen Geschichte schon empfinden.
Ja, das ist dieses Projekt. Effektiv ist die 767 wegen Veraltung inzwischen eingestellt – die 787 ist eigentlich der Nachfolger. Die alte Gurke wurde aber noch dem US-Militär angedreht, obwohl die zwar auch nicht mehr ganz taufrische, aber trotzdem noch viel modernere A330 wesentlich sinnvoller gewesen wäre und auch weniger Entwicklungsaufwand gebraucht hätte, weil sie bereits als Militär-Tanker im Einsatz ist. Aber da war die lokale Lobby letztlich doch stärker.
Hajojunge 22.07.2016
4. Schade um die 747
Auf Fernstrecke versuche ich stets, die 747 zu benutzen. Die zweimotorigen Großraumflugzeuge sind mir ein Greuel. Nach einem Triebwerksausfall, der gar nicht so selten ist (siehe avherald.com), hängt das Leben Hunderter Insassen stundenlang an einer einzigen Turbine. Als ob die dann ausfallsicher wäre. So habe ich mich in der 777 nach Sao Paulo und zurück nicht sehr wohl gefühlt. Bei Kurzstreckenflugzeugen mögen zwei Triebwerke ja noch angehen, aber auf Fernstrecke sollte es ein Vierstrahler sein. Die Twinjets wurden nur auf Druck der Fluggesellschaften entwickelt, weniger Wartungsaufwand, geringerer Spritverbrauch. Der Sicherheit hat das nicht gutgetan.
LDaniel 22.07.2016
5. @Hajojunge
Mir ist, um ehrlich zu sein, kein Fall bekannt wo es zu einem doppelten Triebweksausfall kam bei Maschinen die Zweistrahlig über den Atlantik dürfen. Und erst recht kein Fall, wo es dabei zu einem Unglück kam. Bei der Menge der Flüge, die es gibt, ist Ihre Sorge wohl unbegründet
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