Rüstungsindustrie Boeing spielt EADS-Fusionsplan herunter

Die europäischen Rüstungskonzerne sagen Boeing den Kampf an, doch der US-Konkurrent gibt sich unbeeindruckt: Der geplante Zusammenschluss von EADS und BAE Systems sei nichts, "das uns fundamental schaden könnte", sagte Boeing-Chef McNerney.

Eurofighter: BAE Systems und EADS kooperieren bereits bei mehreren Projekten
DPA

Eurofighter: BAE Systems und EADS kooperieren bereits bei mehreren Projekten


Washington - Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat auf die Fusionsgespräche der europäischen Konkurrenten EADS und BAE Systems reagiert. Dabei zeigen die Amerikaner sich demonstrativ gelassen. Er habe einen "tiefen Glauben" an die Stärke des Unternehmens, sagte der Boeing-Vorstandsvorsitzende Jim McNerney in Washington. "Ich sehe das nicht als etwas an, das uns fundamental schaden könnte." Vielmehr verdeutliche der mögliche Zusammenschluss eine "globale Konsolidierung".

Am Mittwoch hatten die beiden europäischen Konzerne bestätigt, dass es Gespräche über eine Fusion gibt. Der neue Konzern wäre dann das größte Rüstungsunternehmen der Welt und auch deutlich größer als sein US-Konkurrent Boeing. Die Airbus-Mutter EADS solle an dem Konzern 60 Prozent der Anteile halten, BAE 40 Prozent, erklärten die beiden Unternehmen. Die beiden Konzerne arbeiten seit langem zusammen, über eine Fusion wurde immer wieder spekuliert.

Das Ziel ist klar. Derzeit wird das Rüstungsgeschäft vor allem von amerikanischen Firmen beherrscht. Knapp die Hälfte der Firmen auf der Top-100-Rüstungsliste des Friedensforschungsinstituts Sipri stammen aus den USA.

Die Briten von BAE machen in den USA dank enger politischer Bindungen zwischen den beiden Ländern bereits jetzt gute Geschäfte. Der Konzern steckt etwa hinter dem Schützenpanzer Bradley und arbeitet am Kampfflugzeug F-35 Lightning II mit.

EADS dagegen zog im vergangenen Jahr beim sogenannten Jahrhundert-Deal um neue Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe den Kürzeren. Der mindestens 35 Milliarden Dollar schwere Auftrag ging nach einem jahrelangen Schlagabtausch an Boeing. Eine Fusion mit BAE könnte dem Airbus-Mutterkonzern die Tür zum US-Rüstungsmarkt aufstoßen, sagen Branchenkenner.

cte/AFP/dpa

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Seite 1
deus-Lo-vult 13.09.2012
1. ...
Zitat von sysopDPADie europäischen Rüstungskonzerne sagen Boeing den Kampf an. Doch der US-Konkurrent gibt sich unbeeindruckt: Der geplante Zusammenschluss von EADS und BAE Systems sei nichts, "das uns fundamental schaden könnte", sagte Boeing-Chef McNerney. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,855509,00.html
Das wundert mich nicht. Bei den Pleiten (Eurofighter, A400M, etc.), die wir erleben durften. Da hätte ich als Konkurrent auch keine Angst. Und was haben die Engländer denn schon tolles an Kriegswaffen hervorgebracht?
auweia 13.09.2012
2. Zu begrüßen
Zitat von sysopDPADie europäischen Rüstungskonzerne sagen Boeing den Kampf an. Doch der US-Konkurrent gibt sich unbeeindruckt: Der geplante Zusammenschluss von EADS und BAE Systems sei nichts, "das uns fundamental schaden könnte", sagte Boeing-Chef McNerney. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,855509,00.html
ein Beitrag zum Ende der Kleinstaaterei in Europa. Die respektiven Firmen im Marinebereich (etwa Tyssen Krupp Marine und Thales) und bei den Landsystemen (z.B. KMW, Diehl und Nexter) sollten nachziehen. Sollte helfen, dass die jeweiligen Länder nicht immer nur die nationalen Champions fördern, egal was es kostet. Gemeinsame, standardisierte Beschaffungen werden verbessert. Folge wäre auch ein Abbau der jeweiligen Beschaffungsbürokratie. Danach könnten die jeweiligen Vereteidigungsministerien über Schwerpunkte in den jeweiligen nationalen Aufstellungen nachdenken. (Muß Belgien wirklich alle Komponenten in Heer, Luftwaffe und MArine unterhalten?) Vielleicht kriegt Europa ja auch einige übernationale gemeinsame Streitkräftekomponenten hin. Denkbar wäre eine gemeinsame (Luft-)Raumüberwachung, Lufttransport, Marinelogistik etc.
moev 13.09.2012
3.
Zitat von auweiaein Beitrag zum Ende der Kleinstaaterei in Europa. Die respektiven Firmen im Marinebereich (etwa Tyssen Krupp Marine und Thales) und bei den Landsystemen (z.B. KMW, Diehl und Nexter) sollten nachziehen. Sollte helfen, dass die jeweiligen Länder nicht immer nur die nationalen Champions fördern, egal was es kostet. Gemeinsame, standardisierte Beschaffungen werden verbessert. Folge wäre auch ein Abbau der jeweiligen Beschaffungsbürokratie. Danach könnten die jeweiligen Vereteidigungsministerien über Schwerpunkte in den jeweiligen nationalen Aufstellungen nachdenken. (Muß Belgien wirklich alle Komponenten in Heer, Luftwaffe und MArine unterhalten?) Vielleicht kriegt Europa ja auch einige übernationale gemeinsame Streitkräftekomponenten hin. Denkbar wäre eine gemeinsame (Luft-)Raumüberwachung, Lufttransport, Marinelogistik etc.
Und wovon träumen Sie nachts? Das Ziel wäre Technologietransfer von den anderen nationalen Champions hin zu den eigenen und dann geht man wieder auseinander. Wir haben schon nicht mehr so viel wirklich State of the Art Vorsprung im Rüstungsbereich, den sollte man nicht auch noch ausverkaufen. Die Franzosen haben uns schon in der Luftfahrt abgehängt, bei Panzern gleichgezogen, die würden sicher gern die maritimen Hersteller zusammenlegen, das deutsche U-Boot-Wissen nehmen die sicher gerne mit nach Hause
coyote38 13.09.2012
4. Aufpassen ...
Die Deutschen sollten sich GANZ SCHNELL klar werden, was am Ende die deutsche Position sein soll. Dass Enders keine deutschen Interessen vertritt, ist hinreichend bekannt. Wenn das - dann gemeinsame - Unternehmen sich nicht strukturell grundlegend neu aufstellt, dann schaut Deutschland in die Röhre. Die Franzosen beanspruchen die "Luftfahrt"-Sparte und die Briten die "Verteidigungs- und Sicherheits"- Sparte ... und Deutschland ... ? Nicht, dass aus einem deutsch-französischen Unternehmen am Ende ein französisch-britisches Unternehmen wird, Deutschland nichts mehr zu sagen hat und nur noch für den Stellenabbau "zuständig" ist ... Von den Auswirkungen auf europäische Rüstungspolitik - wenn das atlantische "U-Boot" Großbritannien mit am Steuer steht - wollen wir mal GAR NICHT reden. Deutschland ist gerade dabei, sich einen der wesentlichen "Leuchttürme" einer integrierten europäischen Industrie mit Weltformat aus der Hand nehmen zu lassen ...
gestiefelterkater33 13.09.2012
5. Airfix Revell
Jetzt fehlt nur noch dass Airfix und Revell zusammenarbeiten. Dann kann die Weltherrschaft unser sein. Airfix ist der bedeutenste Rüstungskonzern, den es je gab.
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